«Theater im Tunnel war wahnsinnig»
Der Vorhang fällt. Für Mark Wetter ist nach der 20. Auflage der von ihm ins Leben gerufenen Theatertage Lenzburg Schluss. Ein Rückblick.

Er war Vermesser. Er war Lehrer. Aber seine Berufung fand er als Schauspieler. Und Theatermann. Mark Wetter ist aus der Kulturszene der Stadt Lenzburg kaum wegzudenken. Trotzdem will er massiv kürzertreten. Nun trennt er sich von einem seiner Lieblingskinder, den Theatertagen Lenzburg.
Die 20. Auflage mit einem wahren Feuerwerk von hochklassigen Gastspielen und Eigenproduktionen geht in der zweiten Hälfte der nächsten Woche im Alten Gemeindesaal über die für Theatervorstellungen nicht optimale Bühne. Davon später mehr.
Start im Güterschuppen
Doch Improvisieren gehört zum Theater. Über das entsprechende Talent verfügt Mark Wetter reichlich. Als er die Theatertage 1998 ins Leben rief, diente der Güterschopf des Stadtbahnhofs als Hauptspielort.
Dies blieb fünf Jahre so. Doch dann musste der Stadtbahnhof und mit ihm der Güterschuppen der sogenannten Kerntangente Platz machen. Statt dem Zug kam das Auto zum Zug. Mark Wetter sah in der Konstellation eine Chance. Im Rohbau des Angelrain-Tunnels veranstalteten er und sein treues Team die sechsten Theatertage.
«Das war schon eine ziemliche Kiste», blickt Wetter auf jenes Jahr zurück. An einem Ort ohne jegliche Infrastruktur ein Festival zu veranstalten, war 2003 eine grosse Herausforderung – die gemeistert wurde und in der Erinnerung aller Beteiligten und Besucher hängen blieb. Mark Wetter: «Theater im Tunnel, das war wahnsinnig.»
Inzwischen sind die Theatertage von der Tangente wieder mehr ins Zentrum gezogen. Der Alte Gemeindesaal ist der neue Hauptspielort. Auch diesmal, bei der 20. und letzten Auflage. Worauf freut sich der Gründer vor dem Finale am meisten? «Auf die Reaktionen der Leute», kommt es wie aus der Pistole geschossen.
Mark Wetter ist also das Publikum das Wichtigste. Er ist, anders als viele seiner Berufskollegen, kein Selbstdarsteller. Wie wichtig ihm die Theatertage Lenzburg, die im Kanton und darüber hinaus einen guten Ruf geniessen, sind, zeigte sich schon, als die Trägerschaft, der Verein Theaterschöneswetter, die Auflösung auf Ende Jahr beschloss. «Da kommt Wehmut auf – und das darf es wohl.»
Keine ideale Spielstätte
Feuchte Augen gibt es wohl auch nächste Woche wieder, wenn bei Vorstellungen mal die Mitglieder, mal die Sponsoren verabschiedet werden. «Wir durften immer auf grosse Unterstützung zählen», blickt Mark Wetter zurück.
Schon vor zwei Jahren hat er das Ende des Festivals für 2017 unter seiner Ägide verkündet. Niemand hat ihm inzwischen die Bude eingerannt und Ambitionen auf die Nachfolge angemeldet. «Die Jungen funktionieren heute anders; die wollen kein festes Standbein», stellt er nüchtern fest. So gibt es einen harten Schnitt. «Es braucht einen totalen Neuanfang.»
Für allfällige Nachfolger hat Mark Wetter einen Wunsch an die Stadt Lenzburg. Eine Spielstätte mit einer festen Infrastruktur für Theatervorstellungen. «Beim Gemeindesaal muss man jede Schraube rauftragen.» Die Aula Lenzhard wäre eine Alternative gewesen, doch als Festivalort kommt ein Saal, der durch die Schule beansprucht wird, nicht infrage.



