Statt Golf spielen mit dem FCL gewinnen
Fussball Besser kann man nicht in eine Rückrunde starten. Dank Toren von Hofer, Gashi und Radevic gewinnt 2.-Ligist Lenzburg in Niederwil am Samstag mit 3:0. Bemerkenswert: Nach der Partie lobte der neue FCL-Trainer Emilio Munera (47) seinen entlassenen Vorgänger.

Das ist das Verdienst von Igor.» Während seine Spieler in der Niederwiler Dunkelheit noch ausgelassen den ersten Sieg im neuen Jahr feierten und die beiden Co-Präsidenten Mike Barth und Ueli Bruder die Lenzburger Transparente vom Ballfänger abmontierten, zog Emilio Munera ein bemerkenswertes Fazit seines Einstands an der Seitenlinie des FCL. «Wissen Sie, es ist die Arbeit von Igor Drmic, welche die Mannschaft an den Punkt gebracht hat, an welchem sie jetzt steht.»
Er habe in den wenigen Tagen, in welchen er das Team betreue, noch gar nicht so viel einbringen können. «Dass es heute geklappt hat, das freut mich sehr für den Verein.»
Freude herrschte auch beim Vereinsvorstand. «Sensationell», strahlte Co-Präsident Barth in der kühlen Freiämter Nachtluft. Also alles richtig gemacht mit der überraschenden Entmachtung von Igor Drmic und der Verpflichtung von Emilio Munera? «Eine Trainerentlassung ist nie lustig», meinte Co-Präsident Ueli Bruder, «aber wir mussten handeln.»
Tiefer ins Detail gehen wollte Bruder nicht. «Aber ja, ich glaube, es war die richtige Entscheidung gewesen.» Munera – er wirkte im vergangenen Herbst noch als Assistenztrainer in Niederwil – habe sich sofort integriert und sei «einfach ein guter Typ», so Barth. Dass der neue Mann in Lenzburg arbeite und in der Nähe wohne, sei ebenfalls ein Pluspunkt gewesen. Die Vertragsverhandlungen waren innert kurzer Zeit erledigt gewesen und per Handschlag besiegelt worden.
Apropos: Am vergangenen Samstag arbeitete Munera quasi als «Vertragsloser», das Schriftstück wurde in der Zwischenzeit jedoch aufgesetzt und unterschrieben.
Zum Aufwärmen Papier sammeln
Obwohl erst seit zehn Tagen im Amt, fühlt sich der neue Mann bereits wohl bei seinem neuen Verein. Munera: «Ich habe eine intakte Mannschaft vorgefunden, alles gute Leute, es macht Spass.»
Spass hatte die 1. Mannschaft schon Stunden vor dem Kickoff. «Wir waren am Morgen Papier sammeln», so Munera, «das machte ich zuletzt in den 80er-Jahren als Junior beim FC Wettingen.»
Eigentlich habe er es nach seinem Abgang zum Ende der vergangenen 2.-Liga-Vorrunde bei Aufsteiger FC Niederwil («Ich sah dort meine Arbeit als erledigt an») etwas ruhiger angehen lassen wollen. «Ich hatte eigentlich vor, mit Golfspielen zu beginnen.» Dafür bleibt jetzt natürlich keine Zeit. Munera schmunzelt: «Ich habe meinen Grundkurs auf später verschoben.»
Auf kommenden Sommer? «Sie meinen, ob ich länger in Lenzburg bleibe? Das wird sich weisen. Jetzt wollen wir erst einmal die Rückrunde erfolgreich gestalten und im Aargauer Cup in den Halbfinal kommen.» Ähnlich äussert sich Co-Präsident Barth: «Wenn es passt, dann würden wir gerne längerfristig mit Emilio planen. Aber wir nehmen jetzt erst einmal Step by Step.»
Derby in Othmarsingen
Nach vier Niederlagen zum Ende der Vorrunde ist der Start also geglückt, in der Rangliste liegen die Lenzburger auf Platz acht, nur noch sechs Punkte hinter dem zweiten Tabellenrang.
Am kommenden Sonntag steht um 14.30 Uhr bereits das Derby beim FC Othmarsingen (3:1 in Klingnau zum Rückrundenstart) an. Othmarsingens 15-facher Saisontorschütze Gezim Zeqiraj schaute sich Lenzburgs Sieg in Niederwil vor Ort an und wird sich seine Gedanken gemacht haben.



