Schützen, Maien, Joggeli

Traditionsgemäss feierte die Schützengesellschaft Lenzburg am letzten Freitag im Oktober ihr Absenden. Im mit Blumen geschmückten «Ochsen»-Saal liess es sich wohl sein. Ein straffes Programm, fest im Griff der Präsidentin, bot genügend Platz für Gespräche und Kameradschaftspflege, da man oft dem eigentlichen Drehbuch voraus war. Punkt Mitternacht joggelten 45 Schützen und Mitglieder aus anderen Lenzburger Vereinen vom Metzgplatz aus los, schön Fetzen und Laterne hinterher, unter Absingens der Litanei, durch die fast verdunkelte neblige Altstadt.
Spannendes oder Überraschendes bot sich ob der verschiedenen Ranglisten. Als grosse Gesellschaftsmeister wurden ausgezeichnet: Ueli Brühlmann, Gewehr 300m; Denise Glarner, Pistole; Thomas Frey, Combat; Hans Peter Rüfenacht, Schwarzpulversektion; Denise Glarner, 10m Druckluftwaffen. Kleine Meisterschaften gewannen: Franco Ortelli, Gewehr 300m; René Schuhmacher, Combat. Cup-Sieger: Roland Frei, Gewehr 300m; Alexander Ackeret, Pistole.
Mit Spannung erwartete man die Proklamation der «Hosenmannen», die Auszeichnung, welche rein gefühlsmässig über allem steht! Und da sind sie: Daniel Widmer, Gewehr 300m; Reto Winter, Pistole; Carlo Alberto Mischler, Combat; Hans Peter Rüfenacht, Schwarzpulversektion; Denise Glarner, 10m Druckluftwaffen. Hosenmann werden ist das eine, eine launige und freiwillige Rede vom Stuhl herunter halten zu können (sich zu trauen), eben das andere! Drei Hosenmannen wagten es und wurden mit Applaus belohnt.
Nebst der obligaten Ansprache der Präsidentin Madeleine-C. Baumann, welche sich über die verschiedenen Schweizer Völker und deren Wahl- und Abstimmungs-Verhalten laut Gedanken machte, sprach Laternenmann und Stadtrat Martin Steinmann über das Abstellen des nächtlichen Geläutes von Kirchen- und Rathausglocken. Er meinte, man dürfe trotz vehementer Einsprache einer einbürgerungsheischenden Holländerin im oberen Fricktal unser Rathausglöckchen nicht total stilllegen, da sonst die Schützen am Absenden nicht mehr wüssten, wann sie den Joggeliumzug durchs dunkle Städtchen beginnen sollten. Gott sei Dank hat es um Mitternacht zwölf Mal geschlagen! Einwohnerrats-Präsidentin Marianne Tribaldos freute sich über den eindrücklichen Abend und dankte den Schützen für ihre Traditionspflege. Sie hätte sehr wohl Schiesserfahrung und zwei ihrer Töchter hätten seinerzeit bei den Lenzburgern gut mitgehalten, meinte sie. Vielleicht finde sie in ruhigeren Zeiten mal den Weg in den 10-m- oder Pistolenstand.
Lenzburg, eine blühende Stadt – auf jeden Fall immer wieder am Absenden der Schützen! Durch grosszügiges Sponsoring von Ehrenmitgliedern standen am Ende auf allen Tischen prächtige Astern-Maien, welche dem feierlichen Abend das berühmte «Sahnehäubchen» aufsetzten. (mcb)



