«Schreib doch mal wieder eine Weihnachtskarte»

Fritz Huser plädiert fürs Schreiben. Foto: zvg
Fritz Huser plädiert fürs Schreiben. Foto: zvg

Für seine Ausstellung in seinem Atelier im Müllerhaus verschickt der Lenzburger Künstler Fritz Huser alle Jahre vor Weihnachten rund 800 Einladungen. Mindestens 100 davon werden in seiner Handschrift mit Feder und Tinte adressiert. «Das braucht etwas Zeit,» sagt Huser, «aber viele Leute freuen sich darüber. Ich bekomme immer gute Rückmeldungen.»

Heute ist es eher selten, von Hand adressierte Briefe zu erhalten. Husers schöne Schnürlischrift ist schon seit Jahren sein Markenzeichen. Kunden können vom «Schönschreibservice» profitieren und spezielle Karten, wie etwa diejenige an den Geliebten, vom Künstler adressieren lassen.

«Kalligraphische Schriften haben mich schon als Kind fasziniert. Mein Vater hatte alte Kuverts aufbewahrt, die mit Feder und Tinte adressiert waren. Ich habe versucht, die Schriften nachzumachen. Das war nicht so einfach, aber ich habe fleissig geübt und am Schluss hat es funktioniert», lacht Fritz Huser.

Zahlreiche Lenzburger kaufen jedes Jahr die unverwechselbaren Weihnachtskarten mit Husers verspielten Lenzburger Motiven, worunter das Müllerhaus, das Schloss und die Altstadt mit einem Hauch Weihnachtszauber angereichert werden. Doch das Geschäft mit den Weihnachtskarten hat sich generell in den vergangenen Jahren im Zuge der Digitalisierung stark verändert.

«Seid Ihr Euch bewusst, was Ihr verliert? Schreibt doch wieder mal einen Brief», rief neulich ein Deutscher Schriftsteller auf. «Denn es ist unwahrscheinlich, dass jemand in 50 Jahren Eure WhatsApp-Nachrichten auf dem Dachboden finden wird.»

Warum soll man überhaupt noch Karten schreiben, wenn man elektronisch innert Sekunden jemandem eine SMS schicken kann? «Eine handgeschriebene Karte vermittelt eine ganz besondere Stimmung», sagt Huser. «Für den Empfänger ist das eine grosse Bereicherung – es ist wie ein Geschenk.» Hat man nicht genauso viel Freude an einer spontanen WhatsApp-Nachricht? «Nein», meint Huser dezidiert. «Es ist nur die halbe Freude. Wenn jemand an mich denkt und die Anstrengung auf sich nimmt, seine Gefühle auf Papier mitzuteilen, dann vermittelt das ein viel stärkeres Gefühl.»

Gemäss Statistik ist in den letzten6 Jahren der Versand von Weihnachtskarten um 40% gesunken. Nicht so bei Fritz Huser. «Der Verkauf von Weihnachtskarten ist über die Jahre stabil geblieben», sagt Huser. «Dieses Jahr sollte er sogar ansteigen, denn ich habe zwei neue Weihnachtskarten mit Lenzburger Motiven im Sortiment.»

Das Atelier ist vom 25. November bis 23. Dezember jeweils Freitag bis Sonntag, von 13.30 bis 18.30 Uhr offen.

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