Schlossberg-Reben: Abwarten und Wein trinken
Die Lenzburger Ortsbürger-Rebbauern werden sich weiterhin gedulden müssen: Das Erweiterungsprojekt am Schlosshügel verzögert sich, im schlimmsten Fall gar um vier Jahre, weil der Kanton Vorbehalte gegen die geplante Terrassierung geltend macht.

Für das Baugesuch von 5600 Quadratmetern neu bestockte Rebfläche und zusätzlichen Raum für die Erschliessung und ökologische Ausgleichsmassnahmen gibt es von den Bewilligungsbehörden in Aarau vorläufig kein grünes Licht. Das Projekt soll ausserhalb der Bauzone in der Spezialzone Schlossberg realisiert werden, wo die Auflagen strenger sind. So sind hier Terrainveränderungen wie die vorgesehene Terrassierung verboten, und die Kleinbaute für einen Werkzeugschopf ist zu gross geplant.
Dies gab Vorstandsmitglied Max Werder an der Generalversammlung der Rebbauern-Vereinigung bekannt. Allerdings sei das auf 70000 bis 80000 Franken geschätzte Vorhaben damit nicht gestorben. Verhandlungen mit Stadt und Kanton sollen eine Lösung bringen. So wird geprüft, ob eine entsprechende Umzonung im Rahmen der angelaufenen Revision der Lenzburger Bau- und Nutzungsordnung möglich wäre. Das allerdings könnte sich bis zu vier Jahre hinziehen. Jedenfalls müssen sich die Rebbauern vorläufig mit ihren 40 Aren begnügen.
Keine Beitragserhöhung
Deren Bewirtschaftung bringt bereits Arbeit genug. Wie der Rebbauverantwortliche Kurt Wernli beklagte, war 2016 wettermässig ein «Rekordjahr punkto Schwierigkeiten». Kälte, Nässe, Mehltau und Kirschessigfliegen minderten den gewohnten Ertrag auf die Hälfte. Die 1500 Kilo Traubengut waren schliesslich mit 92 Oechsle gewohnt gut, doch ist das nur ein kleiner Trost, weil sich die geringe Ernte in der Rechnung massiv auswirkt: In der Kasse fehlen rund 9000 Franken. Trotzdem lehnten die 64 anwesenden Rebbauern eine von Präsident Hansjörg Salm beantragte Beitragserhöhung von 30 auf 50 Franken für Einzel- und von 50 auf 70 Franken für Paar-Mitglieder mit grosser Mehrheit ab. Wenn der angestrebte Weinverkauf tatsächlich 40000 Franken einträgt, ist das Budget fast gar ausgeglichen.
Die Rebbau-Vereinigung zählt aktuell 181 Mitglieder. Eine erfreuliche Anzahl «Räblüs» leistet neu unter der Führung von Werner Volkmar aus purer Freude am Weinbau jährlich rund 1300 Stunden Frondienst. Neu in den Vorstand wurde Marianne Plüss gewählt, sie ersetzt den seit 2013 als Weinspezialist tätigen Thomas Gloor. Dieser verabschiedete sich mit der Lancierung eines einheimischen Pinot Noir Barrique mit dem klingenden Namen «Schlossberg Barba Rossa». Und auch die Spezialität Lenzburger Schlosskugeln wird wieder hergestellt, erhältlich bei «L’arco dei sapori» an der Bahnhofstrasse.
Beide Köstlichkeiten und andere Kulinarik konnten von den Rebbauern beim Nachtessen im Restaurant des Alterszentrums Obere Mühle genossen werden. Nach dem Motto: Abwarten und Wein trinken.



