Salzkorn: Ennet dem Tannlihag

Peter Buri
Peter Buri

«Habt Ihr schon was?» – «Nein, aber in Hunzenschwil könnte etwas möglich sein.» – «Wir kamen im Seetal unter.» – «Sonst schauen wir halt noch in Othmarsingen oder Auenstein.» Solche oder ähnliche Dialoge finden zurzeit zwischen Lenzburgerinnen und Lenzburgern statt, die auf der Suche nach einer neuen Hausärztin oder einem neuen Hausarzt sind. In Lenzburg und näherer Umgebung kam es in letzter Zeit zu diversen Praxisaufgaben oder -reorganisationen.

Viele im AHV-Alter oder kurz davorstehende Patientinnen und Patienten, aber auch jüngere Leute, sind dadurch gezwungen, sich in Sachen medizinischer Grundversorgung neu zu orientieren. Erschwert wird dies durch die teilweise restriktive Neuaufnahme-Politik der verbleibenden Praxen oder durch holprige Nachfolgeregelungen (hohe Fluktuation; Konkurs von Praxis-Kette). In einer Gruppenpraxis hatten beispielsweise die Patientinnen und Patienten kaum Gelegenheit, die neu für sie zuständigen Ärztinnen und Ärzte kennenzulernen, weil diese zwischen Vereinbarung und Wahrnehmung des Termins bereits wieder ausgeschieden waren.

Das klassische Hausarztmodell steht grundsätzlich unter Druck. Aus verschiedenen Gründen:hohe zeitliche Belastung, unregelmässige Arbeitszeiten (Work-Life-Balance); grosse Verantwortung; bessere Verdienstmöglichkeiten in andern Sparten; mangelnde Wertschätzung usw. Im Online-Telefonbuch sind für Lenzburg zwar 40 Ärztinnen und Ärzte verzeichnet, aber nur gerade 5 Einträge davon betreffen Arztpraxen «Allgemeine Innere Medizin». Kein Wunder, dass selbst eingefleischte Urlenzburgerinnen und -lenzburger ihren Lokalstolz überwinden und ihre medizinische Grundbetreuung ennet dem Tannlihag beziehungsweise ausserhalb der Stadtgrenzen sicherstellen. Dankbar, überhaupt aufgenommen zu werden – aber auch nachdenklich gestimmt, weil die Hausärzte-Situation für die progressiv-urbane regionale Zentrumsstadt Lenzburg zu einem Standortmarketing-Issue geworden ist.

 

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