Ritterhaus verschwindet hinter Ritterhaus

Wegen der besonderen Datums-Konstellation beginnt die Saison von Museum Aargau schon heute Gründonnerstag. Auf Schloss Lenzburg werden heuer das Ritter- und das Bernerhaus saniert.

Fassade verdeckt Fassade: Das Gerüst des zu sanierenden Ritterhauses auf Schloss Lenzburg ist diese Saison abgedeckt von einer riesigen Foto. Foto: Fritz Thut
Fassade verdeckt Fassade: Das Gerüst des zu sanierenden Ritterhauses auf Schloss Lenzburg ist diese Saison abgedeckt von einer riesigen Foto. Foto: Fritz Thut

Seit der letzten grossen Sanierung des Schlosses Lenzburg von 1978 bis 1986 wird das Schloss durch die Stadt Lenzburg und den Kanton Aargau unterhalten.

Grossflächige Schadstellen sind an den Fassaden verschiedener Gebäude erkennbar. Nun werden dringende bauliche Massnahmen bei den Fassaden und Dächern diverser Gebäude notwendig.

Gerüst rund ums Ritterhaus

Um 1340 wurde das Ritterhaus durch Herzog Friedrich erbaut. Der Verputz im oberen Teil der Nordfassade stammt von 1509 und konnte bei der Sanierung 1978 bis 1986 als wichtiges Zeitdokument erhalten werden; die übrigen Oberflächen wurden entsprechend dem Originalzustand restauriert.

Der Deckputz muss in den nächsten Monaten am ganzen Gebäude erneuert werden. Die Eingriffstiefe kann erst nach Erstellung des Gerüsts bestimmt werden. Diese Arbeiten sind ab April vorgesehen und entsprechend wurde bei Vermietungen der Rittersäle schon seit längerem darauf hingewiesen, dass das Ritterhaus während der Schlosssaison 2018 mit einem Gerüst versehen ist.

Da ab Juli bis Oktober 2018 auch die Innenräume wegen Sanierungen gesperrt werden müssen, sind während dieser Zeit keine Vermietungen möglich.

Stapferhaus zieht aus Bernerhaus

Im Jahr 1600 entstand unter Federführung der Berner an der Südwestseite der Schlossanlage ein neuer, zweigeschossiger Ökonomiebau, das «Hintere Haus», das sogenannte Bernerhaus. 1960 riefen die Stiftungen Pro Argovia, Pro Helvetia und Schloss Lenzburg das «Stapferhaus» ins Leben, welches sich der «menschlichen Begegnung und der geistigen Auseinandersetzung verpflichtet».

Entsprechend wurde das Bernerhaus umbenannt und beheimatet heute die Stiftung Stapferhaus (Büroräumlichkeiten, Tagungssaal, Sitzungszimmer, Küche etc.). Die letzten baulichen Massnahmen am Bernerhaus fanden im Zusammenhang mit der Gesamtsanierung in den Jahren 1978 bis 1986 statt.

Die Stiftung Stapferhaus wird im Herbst 2018 ihre neue Heimat beim Bahnhof Lenzburg beziehen. Durch den Auszug der Stiftung Stapferhaus ist es notwendig, dass das Bernerhaus einer neuen Nutzung zugeführt wird.

Schloss-Bistro statt Museums-Café

Der Stiftungsrat Schloss Lenzburg befasste sich seit längerem intensiv mit der künftigen Nutzung im Bernerhaus. Er beschloss, dass im Erdgeschoss ein Schloss-Bistro eingerichtet wird, womit das heutige Museums-Café zugunsten der Ausstellung des Museums Aargau aufgehoben wird.

Das Schloss-Bistro wird ein einfacher, aber attraktiver Ausflugsgastronomiebetrieb für ein breites Zielpublikum (Besuchende des Schlosses), das in der Regel während der Schlosssaison geöffnet hat. Mit dem Hotel Krone, Lenzburg, konnte ein starker Partner für die Führung des Schloss-Bistros gewonnen werden. Zurzeit werden die Details im Zusammenhang mit der Sanierung und Einrichtung im Erdgeschoss bereinigt.

Die Räume der Unter- und Obergeschosse des Bernerhauses (30 bis 90 Quadratmeter) werden so saniert, dass sie verschiedensten Nutzungen (etwa Workshops, Seminare, Diskussionsabende) Platz bieten. Damit kann das Raumangebot auf dem Schloss Lenzburg für Vermietungen optimiert werden.

Die Stiftung Schloss Lenzburg wird zusätzlich zu den Vermietungen der Rittersäle auch für die Räume im Bernerhaus zuständig sein.

Kran auf Zugangsweg

Neben den Nutzungsanpassungen im Innern sind auch dringende bauliche Massnahmen bei der Fassade und dem Dach notwendig. Diverse Teile des Dachs haben das Ende der Lebensdauer erreicht. So musste zum Beispiel bereits im November 2015 aus Sicherheitsgründen die Dachkonstruktion des Bernerhauses provisorisch verstärkt werden.

Grossflächige Schadstellen sind an den Fassaden erkennbar. Damit die Bausubstanz nicht bleibend geschädigt wird, müssen diese Bereiche saniert werden. Diese Arbeiten können wegen der Abhängigkeit von der Aussentemperatur nur vom Frühling bis zum Herbst 2018 in Angriff genommen werden.

Da ein Gerüst um das ganze Haus erstellt werden muss, werden in diesem Zusammenhang an der Nordseite gegen den Rundweg die verwitterten Bereiche des Verputzes und der Gewände wie auch die Fensterläden saniert. Für die Sanierungsarbeiten am Bernerhaus wird auf dem Zugangsweg zum Schloss Mitte April ein Kran erstellt.

Neue Geschäftsführung gesucht

In den Jahren 2019 bis 2021 sind weitere Sanierungen geplant, unter anderem die Sanierungen Ostbastion, Uhrenturm, Vorratsraum und Zugang zum Lift, Mittleres Torhaus.

Mit dem angestrebten Abschluss der Sanierungen des Ritterhauses und des Bernerhauses im März 2019 wird der Schlosshof ab 2019 grösstenteils gerüstfrei sein und das Schloss – auch mit den neuen Nutzungen im Bernerhaus – wird wieder in seiner vollen Pracht besucht werden können.

Ebenfalls auf Saisonbeginn 2019 werden Peter und Renate Jud, die heutigen Geschäftsführenden der Stiftung Schloss Lenzburg, in den wohlverdienten Ruhestand treten. Eine neue Geschäftsführung wird die Geschicke des Schlosses Lenzburg in die Hände nehmen. (CHo)

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