Reichen die Rücklagen für kommende Ausgabenwellen?

Einwohnerrat Die letzte Einwohnerratssitzung war von Zahlen geprägt – und mahnenden Worten.

Der Bahnhof Lenzburg wird die Kasse weiterhin belasten.Foto: Raphaël Dupain

Vergangene Woche hat der Einwohnerrat mehrere finanzrelevante Geschäfte beinahe einstimmig durchgewunken. Trotz einem erfreulichen Jahresabschluss blieb ein mahnender Ton nicht aus: Die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission zeigte sich besorgt über zukünftige Belastungen und formale Versäumnisse.

Gute Zahlen mit Nachgeschmack

Die Stadt blickt auf ein solides Rechnungsjahr zurück: Ein Überschuss von 2,1 Millionen Franken konnte erzielt werden – ein Resultat, das das Budget übertrifft, jedoch hinter dem Vorjahr zurückbleibt. «Grundsätzlich ein erfreulicher Abschluss», betonte Thomas Schär, Präsident der Finanzkommission, vor dem Rat. Dennoch blieb es nicht bei Lob: Der Rückgang gegenüber 2023 löste Nachdenklichkeit aus.

Finanzielle Routine, kleine Pannen

Drei Abrechnungen, ein Verpflichtungskredit und die Jahresrechnung standen auf der Traktandenliste. Die Zustimmung erfolgte nahezu einstimmig, hitzige Diskussionen blieben aus – was auch dem Umstand geschuldet war, dass ein Viertel der Ratsmitglieder abwesend war.

Kritik blieb aber nicht aus: Bei der Sanierung der Ringstrasse Nord wurde der Einbau neuer Bushäuschen schlicht vergessen, was zu Mehrkosten führte. Zudem verpasste es die Stadt bei einem Projekt zur Erneuerung von Sportgarderoben, einen bereits zugesicherten Swisslos-Beitrag über 20 000 Franken abzurufen.

Mängel bei Ausschreibungen

Für deutliche Worte sorgte GPFK-Mitglied Corin Ballhaus. In mehreren Bereichen – konkret Stadtplanung, Hochbau und Soziale Dienste – seien Vergaben festgestellt worden, die nicht korrekt ausgeschrieben worden seien. Bei Summen über 160000 Franken sei eine öffentliche Ausschreibung zwingend, erinnerte sie. Solche Versäumnisse könnten den Anschein von Intransparenz oder Begünstigung erwecken.

Der Blick nach vorn: Teure Jahre stehen bevor

Während die aktuellen Zahlen noch Anlass zur Zufriedenheit geben, richtet sich die Sorge vieler Ratsmitglieder auf die kommenden Jahre. Das städtische Vermögen hat sich weiter verringert und liegt nun bei 349 Franken pro Einwohner. Präsident Schär warnte: Es stehen kostspielige Projekte an – genannt wurden der Freiämterplatz, die Schulraumplanung und der Bahnhof. Die Fraktionen von FDP und SVP äusserten sich besonders kritisch. Francis Kuhlen (FDP) lobte zwar das Resultat, erinnerte aber daran, dass es massgeblich auf ausserordentlich hohen Steuereinnahmen beruhe: «Ein Glücksfall, auf den man sich nicht verlassen sollte.» Auch Michael Häusermann von der SVP schlug in dieselbe Kerbe: Die Bilanz sei durchzogen. Besonders die steigenden Gesundheitskosten und der wachsende Personalaufwand bereiteten ihm Sorgen. Sein Fazit: «Wir leben über unsere Verhältnisse.» Mit klaren Worten gehe die Stadt in eine unklare Zukunft. Eine Lanze sei für den Stadtrat jedoch gebrochen: Für die steigenden Gesundheitskosten kann er wenig. Für die systemischen Fehler muss man zum Grossen Rat blicken.

Weitere Artikel zu «Stadt Lenzburg», die sie interessieren könnten

Erbauer der NanoCubes Markus Dürrenberger baute die fünf Säulen in seiner eigenen Werkstatt zuhause.Foto: zvg
Stadt Lenzburg13.05.2026

Burghalde erweitert Angebot in Zusammenarbeit mit dem Swiss Nanoscience Institute der Uni Basel

Museum Das Museum Burghalde erweitert sein Angebot mit der neuen Spur «NanoCube», die Einblicke in die Nanotechnologie gibt. An fünf Stationen lassen sich…

Marcel Mattenberger,Leiter des Projekts LIFT Lenzburg.Foto: zvg
Stadt Lenzburg13.05.2026

Gute Voraussetzungen erleichtern die Berufswahl

LIFT Am 6. Mai konnten 24 Schülerinnen und Schüler der Heilpädagogischen Schule Lenzburg, der Rudolf-Steiner-Sonderschule und der Oberstufen Lenzburg und…
Der Lenzburger Einwohnerrat tagte an der dritten Sitzung 2026 erneut im Lenzhard. Besonders drei Traktanden standen im Fokus.Foto: rfb
Stadt Lenzburg13.05.2026

Von Containern und Sanierungen: Das war die Mai-Sitzung des Einwohnerrates

Einwohnerrat Am 7. Mai trafen sich Stadt- und Einwohnerräte zur 3. Sitzung des Jahres. Primär ging es um Schulraumplanung und zwei Strassenprojekte.