Qualität, aber welche Qualität?
Nutzungsplanung Am Info-Abend über die Gesamtrevision der Lenzburger Nutzungsplanung drehte sich nahezu alles um einen Begriff.
Die Bedeutung des Themas manifestierte sich mannigfach am Orientierungsanlass in der Berufsschul-Aula: Auf der Bühne sass der vollständige Stadtrat, verstärkt mit Stadtplanerin Helen Bisang, sowie Oliver Tschudin und Daniel Schluep vom zugezogenen Planungsbüro Planar AG.
Davor sass ein mehrhundertköpfiges Publikum, gebildet aus informationshungrigen Bürgern, Betroffenen, Partei- und Interessenvertretern. Bis zur Begrüssung von Bau-Stadtrat Martin Stücheli war eine Folie an die Leinwand projiziert, auf der stand zu lesen: «Mit Qualität nach innen verdichten.»
Lesehilfen – nicht viel mehr
Stücheli unterstrich in seiner Einleitung die Bedeutung der jetzt vollständig überarbeiteten Planungswerke wie Bauzonen- und Kulturlandplan sowie der Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Die Bewohner als «wichtigste Partner» würden die nächsten 15 bis 20 Jahre mitbestimmen.
Lenzburg, das zuletzt in wenigen Jahren um einen Viertel gewachsen sei, gelte es «als lebenswerte Stadt in eine gute Zukunft zu führen», so Stücheli. Der Informationsanlass solle einen «Überblick über den aktuellen Planungsstand» geben. Noch deutlicher wurde Stadtplanerin Bisang. Ziel sei es, Überblick und Lesehilfen zu bieten.
Lesehilfe ist sicher angebracht angesichts der schieren Masse von Daten, zu denen die Bevölkerung im Rahmen des bis 25. Mai dauernden Mitwirkungsverfahrens Stellung beziehen und Verbesserungsvorschläge anbringen soll. Mehrere hundert Seiten, mehrheitlich in für Normalbürger nur schwer verständlichem Planungsdeutsch gehalten, umfasst die neue Nutzungsplanung. Da tat ein wenig Übersetzungshilfe gut.
Wer entscheidet über «Qualität»?
Konkrete Eingaben zum «urbanen Entwicklungsraum Lenzburg» mit «innerer Verdichtung», zu Entwicklungsgebieten mit besonderen Regeln, Arealen mit Gestaltungsplanpflicht, Bedingungen für «höhere Bauten und Hochhäuser», zur neuen Altstadtverordnung und zu Quartier- und Strukturerhaltungszonen waren an diesem Abend nicht möglich. Die haben schriftlich zu erfolgen.
Die teilweise sehr engagiert vorgetragenen Diskussionsvoten drehten sich immer um den einen Begriff: um Qualität. In der Stadt wird Qualität etwa 11000 Mal anders definiert. Aber wer bestimmt die Zusammensetzung der Jurys, die dereinst bestimmen, was in Lenzburg als Qualität gilt? «Qualität ist immer auch Interessenabwägung», so Planer Daniel Schluep. In diesem Sinn wird der weitere, lange Weg zur neuen Nutzungsordnung spannend.



