Nur noch eine neue Kanti? Lenzburg muss wieder zittern

Kantonsschule Gemäss einer Medienmitteilung des Kantons will der Regierungsrat nichts mehr wissen von Windisch und Lenzburg. Neu heisst es: Windisch oder Lenzburg.

Was passiert mit dem Zeughausareal? So klar ist das nicht mehr.Foto: Michael Küng
Was passiert mit dem Zeughausareal? So klar ist das nicht mehr.Foto: Michael Küng

Der Kanton verschickte vergangene Woche eine Medienmitteilung, die es in sich hatte. Der Mittelschulstandort Lenzburg wird offiziell infrage gestellt. Weniger Kantischüler als ursprünglich prognostiziert, stagnierende bis abfallende Mittelschülerzahlen und der Bau eines neunten Schulstandortes auf 2050 wird als «nicht mehr erforderlich» genannt. Die konservativen Fraktionen im Einwohnerrat dürften sich bestätigt fühlen.

Weniger wollen an die Kanti: nur noch ein neuer Standort nötig

Während man an den Mittelschulen weiterhin mit steigenden Lernendenzahlen rechnet, nimmt der Anstieg der Kantischüler weniger schnell zu als vom Kanton angenommen. Dieser Anstieg verläuft tiefer, als dies bei der Festsetzung von Lenzburg und Windisch als neue Mittelschulstandorte im Sommer 2024 noch prognostiziert worden war. Zwar sieht man den zukünftigen zusätzlichen Mittelschulstandort Mitte der 2030er-Jahre noch immer als dringend, nur halt nur noch einen der beiden. Während man in Lenzburg einen verbindlichen Vorvertrag garantiert, gehört das Bauland in Windisch bereits dem Kanton. Die Synergien zwischen den bestehenden Schulen und einer potenziellen Kanti in Windisch sind nicht von der Hand zu weisen.

Von handzahm bis hässig: Das meint die Politik

Am 30. März präsentierte Grossrätin Jeanine Glarner (FDP Möriken-Wildegg) eine breit abgestützte Interpellation. Es ging den Verfassern um eine aktualisierte Schülerzahlentwicklung und die Notwendigkeit von zwei neuen Mittelschulstandorten. Am 10. Juni kam die Antwort. Ein zweiter Mittelschulstandort sei wohl nicht notwendig. In elegantem Verwaltungssprech wurde verkündet, es entscheide sich zwischen Windisch und Lenzburg. Der Entscheid soll im August gefällt werden. Für Philippe Minnig, Ortsparteipräsident FDP, legitim. Nur: «Und was soll das heissen?», fragt er sich. Schon wieder zuwarten macht ihm keine Freude. Er sieht die Stadt in der Pflicht, bei der Schülerzahlprognose noch einmal über die Bücher zu gehen. «Wenn der Kanton die Schülerzahlen korrigiert, muss das Lenzburg auch tun. Wie viel Schulraum brauchen wir wirklich?» Ebenso ist die SVP «not amused». Präsident Martin Stücheli sieht sich – leider – bestätigt: «Wir waren von Anfang an skeptisch gegenüber den Plänen. Wir befürchten, Recht zu behalten.»

Die Mitte war der Kanti auf dem Zeughausareal grösstenteils wohlgesonnen. Dass der Kanton nun die Pläne infrage stellt, findet hier kein Anklang. Vize-Präsidentin Cécile Kohler: «Wir haben uns immer mehrheitlich hinter den Kantistandort Lenzburg gestellt.» Sollte es zu einem «Nein» kommen, erwartet die Mitte, dass die Schulraumplanung neu ausgelegt wird. «Die bestehenden Schulen dürfen unserer Meinung nach nicht noch stärker verdichtet oder aufgestockt werden. Aber für einen dritten Schulstandort brauchen wir exakte Schülerprognosen. Es wäre zudem zu prüfen, welche nachhaltigen modularen Bauweisen möglich wären, um den schwankenden Schülerzahlen gerecht zu werden» Zu den bereits angelaufenen Kosten der Planung äussert sie sich kritisch. «Wir fordern, dass alles Mögliche getan wird, mindestens einen Teil der Gelder zurückzuerhalten.»Thomas Schaer (SP) begrüsst das Vorgehen des Kantons. Er findet nicht, dass sich der Kanton beim Kanti-Entscheid von der Lokalpolitik beeinflussen lassen sollte. Der Kanton soll eigenständig befinden. «Der Kanton muss für die gesamte Bevölkerung entscheiden.» Sollte dieser auf Windisch fallen, erwartet die SP, dass die Schulraumplanung neu ausgelegt und analysiert wird. Grünen-Politikerin Sigrid Schärer sieht es ähnlich wie er. Nur fügt sie noch an, dass bei einem «Nein» zu Lenzburg im Rahmen einer neuen Auslegeordnung der Schulraumplanung eine weitere Schülerzahlenprognose kein Tabu sein dürfe. «Wir müssen nichts Neues bauen, wenn Bestehendes sinnvoll aufgestockt werden kann.» Zu grosse Schulstandorte will sie aber keine: «Die Schulen dürfen nicht zu anonym werden.» Ändert sich nichts, hält sie an einem drittten Schulstandort fest.

Manuel Egli erklärt, dass die GLP hinter der Kanti steht. Man müsse nun zuwarten. Allerdings sieht es die Partei gleich wie die anderen: Keine Kanti würde bedeuten, die Schulraumplanung nochmals zu überprüfen. «Wir müssen mit den Prognosen arbeiten, die wir haben, und anhand derer entscheiden.» Man befürworte weiterhin den Standort Schützi für die Regelschule, sollte die Kanti nach Lenzburg kommen.

Stadtammann Andreas Schmid (FDP) vertritt den Standpunkt, dass der Kanton die beiden Standorte für die beste Lösung selbst beurteilen muss. Auch er warte ungern bis August. «Was wir in Lenzburg brauchen, ist Planungssicherheit. Wir haben sie dem Kanton auch gegeben.» Die Stadt stünde mit dem Kanton in diesem Geschäft in engem Austausch.

Zufrieden ist in Lenzburg niemand. Nach Jahren der Zusicherungen und hohen Planungskosten auf Stadt- und Kantonsebene steht man nun vor der grossen Unsicherheit.

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