Nach 41 Jahren ist Schluss
«Obwohl ich noch nicht weiss, wie es nachher ist; einmal muss man einen Schlussstrich ziehen.» Marlis Kromer zieht diesen Strich nun. Am 3. Juni schliesst sie ihre Papeterie in der Lenzburger Altstadt.

Sie ist eine Frau, die weiss, was sie will. Und das war schon früher so. Im Sommer 1976 eröffnete Marlis Kromer nach einer Vorlaufzeit von nur drei Monaten an der Kirchgasse 29 eine Papeterie. Nach einem Abstecher in die Werbewelt und nach Zürich strebte Kromer nach Selbstständigkeit und zurück nach Lenzburg.
Damals pulsierte das Leben in der Altstadt von Lenzburg noch. Der Verkehr wurde durchs Städtchen gescheucht und der Wochenmarkt fand deshalb auf der Promenade statt. Da war die Lage von Kromers Papeterie im Laden des heutigen Kleidergeschäfts Unikum ideal. «Eine gute Adresse», sagt Marlis Kromer im Rückblick.
«Eine farbige Branche»
Später dislozierte sie an ihr heutiges Domizil an der Kirchgasse 23. «Hier hatte ich ein wenig mehr Platz und konnte mein Angebot übersichtlicher präsentieren.» Im Gespräch spürt man, dass es die Ästhetik war, die Marlis Kromer an ihrer Tätigkeit faszinierte. Profession war Passion: «Es ist eine farbige Branche», hält sie fest und ergänzt: «Man hat mit verschiedenen schönen Materialien zu tun.»
Den Wechsel in die digitale Welt hat Kromer nicht mitgemacht. Sie, die am Anfang, als «Fotokopierer ein Luxus waren», noch Umdruckmatrizen verkauft hatte, und sie, die sich erinnern kann, dass Tipp-Ex-Streifen einst eine Sensation waren, verkaufte keine modernen Drucker oder Computer, organisierte jedoch für Stammkunden gerne die gewünschten Druckerpatronen. Das Hauptaugenwerk galt jedoch immer den gepflegten Papier- und Schreibwaren.
Marlis Kromers Domäne ist die Beratung und Kundenfreundlichkeit. Auch jetzt, wenige Wochen vor dem definitiven Ende am 3. Juni. Eine Kundin wünscht während des Gesprächs zwei Kassenbücher, solche wie früher. «Eins ist noch da, soll ich Ihnen das zweite bestellen?» Marlis Kromer pflegt den individuellen Service bis zuletzt.
«Es muss für mich stimmen»
Spezialisiert hat sich Marlis Kromer auf ein breites Sortiment an Kunstkarten. Hier spürt man das Herzblut, das in diesem Laden pulsiert. Doch nun, nach 41 Jahren ist Schluss. Was passiert dann mit der Energie der Inhaberin, die latent spürbar ist: «Ich werde es sicher ruhiger nehmen.» Mehr Zeit für den Lebenspartner, erhofft sie sich. Aber auch für Hobbys wie Nähen («Ich mache alle meine Kleider selbst.»), Kochen, Lesen und Klavierspielen.
Vorerst will sie jedoch «einen würdigen Abgang» mit ihrer Papeterie. «Wie der Start ist auch die Auflösung eines Geschäfts eine grosse Herausforderung», hat sie in den letzten Wochen gemerkt: «Es muss schliesslich auch für mich stimmen.»
Und die Öffentlichkeit muss sich nicht gross Sorgen machen wegen einem weiteren leeren Ladenlokal in der Lenzburger Altstadt: Im August öffnet hier wieder eine Lokalität mit Papierbezug: ein Buchladen.



