Mit Freude der eigenen Neigung folgen
Zum dritten Mal lud die Berufsschule Lenzburg zum Anlass «Sek I trifft Sek II». Die Referenten zeigten, welche Karrieren nach einer Berufslehre möglich sind.

Mit dem regelmässigen halbtägigen Anlass «Sek I trifft Sek II» will die Berufsschule Lenzburg (BSL) seit 2016 das Verständnis zwischen Oberstufen-Lehrkräften und Schulleitungen auf der einen und den Berufsschulen auf der andern Seite fördern. «Wir sind Partner», sagte BSL-Rektor Ruedi Suter in seiner Begrüssung: «Wir begleiten beide Jugendliche in die Berufswelt.» Der Anlass solle dazu beitragen, dass «Schnittstellen zu Nahtstellen» werden.
Nicht zuletzt geht es den Organisatoren darum, «auf die Attraktivität von Berufslehren hinzuweisen». Vor allem Christine Davatz, Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes, wies auf die Einzigartigkeit des Schweizer Systems mit seiner grossen Durchlässigkeit hin. Mit einer Berufslehre stünden einem jungen Menschen anschliessend alle Möglichkeiten offen; selbst der akademische Weg ist nicht verbaut.
Zu wenig Schnupper-Chancen
Wie ein roter Faden führte eine Erkenntnis durch die Einstiegsreferate, bevor die Gäste aus dem Sek-I-Sektor bei individuell wählbaren Rundgängen und Besuchen den laufenden BSL-Betrieb verfolgen konnten: Den jungen Menschen ist am besten gedient, wenn sie mit Freude und Überzeugung ihren eigenen Neigungen folgen können. Allerdings wurde von den Lehrkräften auch darauf hingewiesen, dass es im Oberstufenalter nicht einfach ist, diese Neigungen zu eruieren – auch weil Wirtschaft und Gewerbe zu wenig Gelegenheit bieten, unverbindlich in verschiedenen Berufsfeldern zu schnuppern.
Dass in jedem Segment Herausforderungen lauern und der Wille zu Leistung ausgelebt werden kann, zeigte die Präsenz von Formenbauer-Berufsexperten Rainer Honegger und von Zimmermann Florian Nock. Nock wurde an den letztjährigen Worldskills in Abu Dhabi Vize-Weltmeister. Nock kam via Umweg zur Meisterschaft im Beruf. Das Gymnasium brach er nach einem halben Jahr ab: «Das war nicht mein Ding. Ich empfehle allen Jungen, ihren Neigungen zu folgen.»
Polizistin Marianne Wildi
Eine prominente Umsteigerin, die auf dem Podium von ihren Erfahrungen berichtete, war Marianne Wildi, die heutige CEO der Hypothekarbank Lenzburg, die verriet, dass sie ursprünglich Polizistin habe werden wollen. Weil dies eine abgeschlossene Berufslehre erforderte, wurde sie einem eigenen Grundsatz untreu: «Ich wollte ursprünglich nie in einem Büro arbeiten.»
Via KV und Informatik kam ihre Laufbahn voran. «Ich habe immer gern etwas Neues gelernt. Und bei uns ist auf verschiedenen Ebenen alles möglich.» Diese Erkenntnis sollte, gemäss Wildi, allen Jugendlichen weitergegeben werden, denn: «Die Welt steht allen offen – allen, die etwas wollen.» Wo der eigene Weg sie hinführt, liess die Bankdirektorin offen: «Vielleicht an die Senioren-Uni oder ich werde Musiklehrerin», scherzte sie.



