«Man muss nicht alles glauben, was Politiker sagen»

Vortrag Die Teilnehmer am KMU-Apéro von Hypothekarbank Lenzburg und SWL Energie AG kamen in den Genuss eines fesselnden Referats von Carla Del Ponte. Die ehemalige Bundesanwältin und Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes erzählte frei aus ihrer vielfältigen Schaffenszeit.
Ihre Karriere wurde im Tessin und in der Eidgenossenschaft lanciert. Als sie erzählte, dass sie den Chef der Hypothekarbank (in Luzern) einmal habe verhaften lassen, zuckte Hypi-Chefin Marianne Wildi nicht etwa zusammen, sondern schmunzelte wie die zahlreichen Zuhörer. Mit viel Witz liess Del Ponte einen Blick hinter die Kulissen zu, auch wenn die Materie mit Kriegsverbrechen und Völkermord ernst bis tragisch ist. Vielleicht sind Leid und Intrigen nur mit einer tüchtigen Portion Sarkasmus zu ertragen.
Wichtige Kernsätze
Bei all den vielen, teilweise schön ausgeschmückten Anekdoten, mit denen die Referentin ihr Publikum in Bann zog, gingen einige Kernsätze fast unter: «Die volle Wahrheit weiss man nie», musste die verbissene Jägerin nach der Wahrheit erkennen. Ihre Motivation bezog Del Ponte aus ihrer Nähe zu den Notleidenden: «Gerechtigkeit ist enorm wichtig für die Opfer.»
Mit der Bitte um Unterstützung für die Jagd auf Kriegsverbrecher, etwa auf dem Balkan, sprach Carla Del Ponte auch bei den Grossen der Weltpolitik vor. Support wurde vordergründig oft versprochen, doch gehandelt wurde nicht oder mit gehöriger Verzögerung. So stieg die Skepsis laufend: «Man muss nicht alles glauben, was Politiker sagen.» So endete ihre Arbeit am Gerichtshof mit einer grossen Ernüchterung: «Zero Justiz für Syrien.»(tf)



