Lind/Boll: Spannender, als man denkt

Waldumgang Die Ortsbürger Lenzburg luden im Lind/Boll zum Waldumgang 2018. Erlebt wurde ein lockerer Nachmittag als Spaziergang zum Kennenlernen von Märchen bis hin zu wenig bekannten Realitäten.

<em>Auf dem höchsten Punkt von Niederlenz:</em> Dorfchronist Willi Bürgi erklärt die Geschichte des Steins. Foto: Alfred Gassmann
<em>Auf dem höchsten Punkt von Niederlenz:</em> Dorfchronist Willi Bürgi erklärt die Geschichte des Steins. Foto: Alfred Gassmann

Einen 30 Meter hohen Grabstein bestaunen, den dicksten Nadelbaum im Forstrevier umarmen, einem Märchen im Vrenelis Gärtli lauschen oder einfach auf dem «Alte Züriweg» unterwegs sein und eine neue Waldinformationstafel einweihen.

Willi Bürgi, der Niederlenzer Dorfchronist, wurde konkret: Der Wald Lind/Boll ist spannender, als man denkt. Der höchste Punkt von Niederlenz wird seit vier Jahren von einem über zwei Tonnen schweren Quarzit markiert. Neu ist er beschriftet. Auf der Tafel ist seine Höhe mit 431 Meter über Meer eingraviert. Willi Bürgi erkennt im Stein einen Tierkopf. Über die Tierart darf gerätselt werden. Der Standort ermöglicht neu einen offenen Blick in den Jura.

Frank Haemmerli, Leiter der Forstdienste Lenzia, hat mit Ausholzen für den Aussichtspunkt «Vue du Jura» gesorgt. Niederlenz ist direkt an der Gemeindegrenze zu Lenzburg um eine Perle reicher.

Besucht wurde auf dem Spaziergang auch der dickste Nadelbaum im Forstrevier. Vier Männer braucht es, um die Rottanne mit dem Umfang von 5,4 Meter zu umspannen. Haemmerli schätzt das Alter des Baumes auf 150 bis 180 Jahre und die Höhe auf 40 Meter.

Lindwald ist auch ein Friedhof

Wohl noch nie ist bei einem Umgang der Lenzburger Ortsbürger ein Friedhof besucht worden. Seit März 2016 besteht im Lindwald die Möglichkeit, im Wurzelwerk eines Baumes beigesetzt zu werden. Die Bestattung im Eichenwaldreservat kommt unter dem Namen «Himmlische Eichen» daher. Gemäss Markus Dietiker von den Forstdiensten Lenzia sind 135 Bäume als Bestattungsort ausgeschieden.

Der «Alte Züriweg» stellt einen historischen Verkehrsweg in der Aargauer West-Ost-Richtung dar. «Er wurde 1510 erstmals erwähnt», führte Cornel Doswald, Bremgarten, Fachexperte für historische Verkehrswege, aus. Grund genug für Martin Killias, Präsident Schweizer Heimatschutz, den alten Weg erlebbar zu erhalten. Doswald und Killias enthüllten eine Waldinformationsprojekt-Tafel zum «Alte Züriweg» und zeigten sich dankbar, dass der Grasweg zweimal im Jahr gemäht wird.

Im Vrenelis Gärtli verstand es Therese Wüthrich, Lenzburg, trefflich, die 60 Teilnehmer mit einem Märchen in Bann zu ziehen. Frank Haemmerli versprach ein Zvieri beim Römerstein wie im 7. Himmel. An einem Waldumgang darf auch ein wenig übertrieben werden.

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