Knusprige Brötchen und filigrane Drucktechnik
Schloss An 40 Ständen bot der Mittelaltermarkt Einblick in eine längst vergangene Epoche.
Das Mittelalter liegt zwischen den Epochen der Antike und der Neuzeit. Wann das Mittelalter aber beginnt und endet, darüber sind Historiker unterschiedlicher Ansicht. Die Epoche lässt sich in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter unterteilen.
Neben wissenschaftlichen Entwicklungen und den damit verbundenen Erfindungen war das Mittelalter vor allem von Kriegen geprägt. Die Kriegsherren wollten ihre politische Macht wahren oder ausweiten, das Christentum verbreiten, Reichtum und Territorien erobern. Auf dem Gebiet des heutigen Europas entstanden viele grosse und kleine christlich geprägte Feudalstaaten, deren Gesellschaft nach Ständen geordnet war: der Klerus, der Adel, die Bürger (Kaufleute und Handwerker) und die Bauern.
Am Mittelaltermarkt vom vergangenen Wochenende auf Schloss Lenzburg spürte man von der Schwerfälligkeit des Lebens im Mittelalter nicht viel. Zu heiter und aufgestellt waren die vielen «aktiven» Teilnehmer, die in entsprechender Kleidung und mit allerlei Gegenständen aus dieser Zeit rund ums Schloss und innerhalb der Mauern umherzogen.
An den rund 40 Marktständen wurde die damalige Lebensart aufgezeigt: Ob Esswaren oder handwerkliches Arbeiten – die Marktleute vermittelten viel Wissenswertes an die Besucher.
Mittelalterliche Druckkunst
Erst zum zweiten Mal an einem Mittelaltermarkt sind die Appenzeller Gebrüder Adalbert und Maurus Fässler. Mittels einer Walzenpresse, wie sie bis ins 17. Jahrhundert in Gebrauch waren, druckten die zwei wunderschöne Bilder auf Büttenpapier. Mit Stift und Hämmerchen wird das Sujet in eine Messingplatte «gedrückt», dieses Verfahren wird Ziselieren genannt.
Es entsteht also eine neue Oberfläche – das Relief. Die Messingplatte wird mit Druckerschwärze eingefärbt und mit einem Lappen wieder abgewischt. In den entstandenen Vertiefungen bleibt die Farbe haften. Der Druck mit der Walzenpresse erfolgt auf Büttenpapier. Das Papier muss weich sein, damit es sich in die Vertiefungen der Messingplatte pressen lässt und so die Farbe schön aufnimmt.
Nachgebauter Lehmbackofen
Auf grosses Interesse stiess der fahrbare Brotbackofen aus Lehm, den ein freiwilliges Kochteam von Museum Aargau im Innenhof des Schlosses betreute. Eva Grädel legte hin und wieder Holz nach, um den Lehmofen auf Betriebstemperatur zu halten: «An drei Tagen werden wir etwa 20 Kilogramm Dinkel- und Vollkornmehl zu Brötchen backen, aber auch Lasagne oder Käsekrapfen wollen wir den Besuchern anbieten.»
Der fahrbare Lehmbackofen wurde in Zusammenarbeit mit einem Experimentalarchäologen und Freiwilligen des Museums Aargau nach historischen Vorlagen nachgebaut. Und er funktionierte schon am ersten Tag: Die frisch gebackenen Brötchen schmeckten ausgezeichnet.









