J+S-Förderung in Gefahr

Jugend+Sport Die geplanten Sparmassnahmen im Rahmen des Entlastungspakets 2027 sorgen im Aargau für Diskussionsstoff: An der Informationsveranstaltung im Traitafina-Turnzentrum äusserten Vertreterinnen und Vertreter aus Sport, Politik und Wirtschaft deutliche Kritik an den geplanten Kürzungen. Sie warnten vor den Folgen für das Sportförderprogramm Jugend+Sport und den damit einhergehenden Auswirkungen.

Luigi Ponte, Präsident des Aargauer Fussballverbands, hofft auf einen Vernunftsentscheid des Aargaus.Foto: Debora Hugentobler
Luigi Ponte, Präsident des Aargauer Fussballverbands, hofft auf einen Vernunftsentscheid des Aargaus.Foto: Debora Hugentobler

Mit 680000 teilnehmenden Kindern und Jugendlichen, über 41 Millionen absolvierten Teilnehmerstunden und 1,8 Millionen Lagertagen war 2024 ein Rekordjahr für J+S. Doch genau dieser Erfolg bringt das System ins Wanken: Der jährliche Kreditrahmen von 115 Millionen Franken ist ausgeschöpft – das Bundesamt für Sport kündigt für 2026 eine Kürzung der Subventionen um 20 Prozent an. «Wir wurden Opfer unseres eigenen Erfolgs. Das ist ein Armutszeugnis», so Jörg Sennrich, Präsident der IG Sport Aargau. Mit dem Entlastungspaket 2027 strebt der Bundesrat eine Gesamteinsparung von 6 Milliarden Franken an. Rund 18 Millionen sollen allein im Sportbereich gekürzt werden – darunter 2,5 Millionen beim J+S-Programm.

Konkrete Folgen für den Aargau

Im Aargau profitieren heute rund 60000 Kinder und Jugendliche von J+S-Angeboten. Das geplante Sparprogramm würde dem Kanton nächstes Jahr 1,73 Millionen Franken an Fördergeldern entziehen – allein dem Aargauer Turnverband rund 300000 Franken. Auch der Aargauer Fussballverband, Cevi, Pfadi, Jubla und andere Jugendorganisationen wären direkt betroffen. In vielen Lagern macht die J+S-Förderung bis zu 50 Prozent des Gesamtbudgets aus – weshalb die Kürzung einen Anstieg des Teilnahmebeitrags bedeutet und besonders für Familien mit kleinem Budget eine ernsthafte Hürde darstellt. «Wir als Aargauer Turnverband sagen klar Nein zum Sparen auf Kosten der Zukunft», unterstrich Sandro Erdin, Leiter Sport Aargauer Turnverband. Die Redner betonten: Es geht nicht nur um Zahlen, sondern um gesellschaftliche Werte. J+S fördert Integration, Bewegung, psychische Gesundheit und den sozialen Zusammenhalt. Allein im Aargau engagieren sich 6500 J+S-Leitende ehrenamtlich. «Was im Ehrenamt geleistet wird, ist enorm – dem müssen wir Sorg geben», sagte Lukas Fischer, Geschäftsführer IG Sport Aargau. Wenn die Strukturen unterfinanziert sind, drohen ein Einbruch beim ehrenamtlichen Engagement sowie höhere Beiträge für Eltern, ein Rückzug der kleineren Vereine und langfristige Folgekosten im Gesundheitswesen.

Hoffnungsschimmer: Neues kantonales Sportgesetz

Inmitten der bundesweiten Sparpläne setzen die Aargauer Sportverbände Hoffnung auf ein neues Instrument: das geplante Aargauer Sportgesetz. Es soll als Rahmengesetz mehr Planungssicherheit und Fairness bringen und eine zukunftsorientierte Sportförderung – kommunal und kantonal – ermöglichen. «Die Gemeindeammännervereinigung hat sich klar für das neue Sportgesetz ausgesprochen», so Andreas Schmid, Geschäftsführer der Vereinigung. Denn: «Eine gute Koordination ist wichtig.»

Gemeinsam für die Jugend

Die Aargauer Sportverbände fordern vom Bund und den Parlamentariern, auf Kürzungen bei J+S und im Sportbereich zu verzichten, die Sport- und Jugendförderung zu stärken und das geplante Aargauer Sportgesetz zu unterstützen. Die Informationsveranstaltung schloss mit einem eindringlichen Appell an die Politik. Luigi Ponte, Präsident des Aargauer Fussballverbands, sagte: «Ich hoffe, dass unsere Aargauer Politiker den Fehlentscheid korrigieren.» Aber auch die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, Petitionen zu unterzeichnen, offene Briefe zu unterstützen, Vereinsarbeit sichtbarer zu machen und Druck aufzubauen.

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