Intensive Minuten im Einst und Jetzt einer starken Frau

Theater: Lenzburg feiert «Hundertfüfzg Johr Sophie Haemmerli-Marti». In ihrem Theaterstück «s0f1e» anlässlich des 150. Geburtstages beschäftigten sich Schüler der Oberstufe mit Leben und Texten der Mundartdichterin.

<em>Kreativ und theaterbegeistert:</em> Schüler in der Kulisse von «s0f1e», dem Theater über Sophie Haemmerli-Marti. Foto: Stefanie Osswald
<em>Kreativ und theaterbegeistert:</em> Schüler in der Kulisse von «s0f1e», dem Theater über Sophie Haemmerli-Marti. Foto: Stefanie Osswald

Wer kennt sie nicht, diese bildhaft melodiös gedichteten Kinderlieder und Lebenssprüche der Sophie Haemmerli-Marti. Doch wer war sie wirklich, die Mundartdichterin? 22 theaterbegeisterte Schüler der Oberstufe Lenzburg begeben sich im Rahmen des Freifachkurses Theater und unter Leitung von Herbert Rinderknecht und Fabio Rudolf mit einer Inszenierung auf Spurensuche ins letzte und vorletzte Jahrhundert.

Mehr als eine Dichterin

Sophie Haemmerli-Marti wurde im Februar 1868 in Othmarsingen geboren. Im Jahr 1900 zog sie mit ihrem Mann, dem Arzt Max Haemmerli, nach Lenzburg. Hier richtete Haemmerli seine Praxis ein und seiner Frau und Mutter von vier Töchtern ein Studierzimmer.

Über zehn Bände mit Gedichten hat Sophie Haemmerli-Marti bis zu ihrem Tod 1942 herausgegeben. Doch Sophie Haemmerli-Marti war nicht nur eine Dichterin. Sie war auch eine fortschrittliche Frau, deren Worte in eine andere Zeit wehten. Mit Sinn für Gerechtigkeit setzte sie sich für die Frauenrechte in Politik und Beruf ein. Über die berufstätige Frau schreibt sie: «Uf em i fehlt immer s Tüpfli. S Schwizerland brucht Ma und Frau. Lönd is rote, hälfe, dänke und lo stimme, lönd is au!» 1928 hielt sie als erste Frau die Rede zum Jugendfest in der Stadtkirche.

Einladung ins heutige Lenzburg

«Wir haben uns im Unterricht mit dem zwanzigsten Jahrhundert auseinandergesetzt und uns vorgestellt, was Sophie wohl in unserer heutigen Zeit alles bewirken könnte. Wir haben sie praktisch zu uns nach Lenzburg eingeladen. Wir wollten wissen, wer sie als Person war. Daraus ist unser Theaterstück entstanden», erklärt Oberstufenschülerin Gloria Ryter und ergänzt: «Die inhaltliche Vorgabe kam von unseren Lehrern Herbert Rinderknecht und Fabio Rudolf. Die Ideen zur Umsetzung, zur Dramaturgie, zu den Kostümen, zur Inszenierung bis hin zum Bühnenbild kamen von uns.»

Geprobt haben die Schüler seit einem Dreivierteljahr zwei Stunden in der Woche. Was herauskam, ist eine aufwändige und authentische Bühnengestaltung. Grossformatige Rückprojektionen auf Leinwand lassen den Zuschauer eintauchen in die Atmosphäre der Stadt Lenzburg zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.

Abschied von Rinderknecht

Seit 1991 leitet Herbert Rinderknecht die Theatergruppe der Abschlussklassen in Lenzburg und begeistert junge Menschen seither mit unermüdlichem Engagement und innovativen Projekten für das Theaterspiel. Nun verlässt der ab dem nächsten Schuljahr pensionierte Lehrer die Schule mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Ich hoffe, dass die Theaterprojekte weitergehen. Sie sind auch wie ein Markenzeichen der Schule. Junge Leute sind begeisterungsfähig. Wenn man sie holt, sind sie zu vielem bereit», meint Rinderknecht und betont die Bedeutung des Spiels in Zeiten, in denen virtuelle Welten längst auch Teil der Lebensrealität geworden sind.

«Ich hätte gerne in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gelebt. Es war eine Zeit, in der sich viel bewegt hat, in der man etwas bewirken konnte», schwärmt der projektbeteiligte Schüler und begeisterte Schauspieler Silvan Taubert: «Das Theaterspielen ist ein Ausgleich zum doch sehr kopflastigen Unterricht in der Schule. Man kann mit Kollegen zusammen sein, sich körperlich einbringen und lachen.»

Im Theaterstück «s0f1e» wird Sophie Haemmerli-Marti aufgeweckt, gleich mehrfach. Ihre Texte spuken in den Köpfen, ihre Lieder spielen verrückt, ihr Körper tanzt. War sie nur oder ist sie wahr? Das Publikum erlebt intensive Minuten im Jetzt und in der Vergangenheit einer starken Frau und fast in Vergessenheit geratenen Schriftstellerin.

Theater «s0f1e». – Daten: Samstag, 28. April, 20 Uhr; Sonntag, 29. April, 17 Uhr; Freitag, 4. Mai, und Samstag, 5. Mai, je 20 Uhr. – Ort: Aula des Oberstufenzentrums Lenzhard. – Kosten: Erwachsene 15, Kinder/Jugendliche 7 Franken. – Vorverkauf: Vitrine, Rathausgasse 31, Lenzburg, Telefon 0628914658.

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