«Ich identifiziere mich mit dem Bezirks-Anzeiger»
Elsbeth Howald hat den Lenzburger Bezirks-Anzeiger während über 18 Jahren geprägt – unmerklich für die Leser. Die Korrektorin hat sie vor Fehlern bewahrt. Nun wird sie pensioniert.

Im Jahre 1999 begann Elsbeth Howald ihre Tätigkeit als Korrektorin beim Lenzburger Bezirks-Anzeiger (LBA) und den verbrüderten Wochenzeitungen. Arbeitsplatz war damals das Kromer-Gebäude am Unteren Haldenweg.
Die im zürcherischen Rheinau aufgewachsene gelernte Kauffrau hat viele verschiedenartige Stellen besetzt, ehe sie vor gut 18 Jahren ins Medienfach wechselte. Groundhostess auf dem Flughafen Zürich-Kloten war sie oder Kantonalbankangestellte in Grindelwald. Mit einer Anstellung bei der Otto Suhner AG kam sie in den Aargau – und blieb.
In Seon wurde sie sesshaft, bezog mit dem Ehemann ein Haus und zog drei Kinder gross. Nach dieser Erwerbspause leitete sie zehn Jahre die örtliche Niederlassung der Concordia-Krankenkasse, ehe das Korrektoren-Inserat eine neuerliche Umorientierung brachte.
Sechs Redaktionsleiter
«Die Sprache hat mich schon immer fasziniert», erinnert sich Howald an ihre damalige Motivation. In der Startphase absolvierte sie den zweijährigen Korrektoren-Fernkurs und erlangte das eidgenössische Diplom.
In der Praxis erlebte Elsbeth Howald viele Veränderungen. Während zuerst in einem grösseren Team neben dem redaktionellen Teil auch die Inserate und Todesanzeigen «gelesen», also korrigiert wurden, fiel später – inzwischen unter den Fittichen der AZ-Medien-Gruppe – die Korrektur des kommerziellen Teils der Zeitung weg.
Das Korrektorenteam schrumpfte ebenfalls. Mittlerweile in ein etwa zwei auf zwei Meter kleines Kabäuschen am Lenzburger Kronenplatz umgezogen, ist die Korrektorin zur Einzelkämpferin gegen Orthografie-, Tipp- und andere Fehler mutiert. «Am Arbeitsplatz habe ich mich nie gestört: Hier hatte ich meine Ruhe.» Trotzdem war der Weg zu den Redaktionen stets kurz.
Allein beim Lenzburger Bezirks-Anzeiger hat Elsbeth Howald sechs verschiedene Redaktionsleiter erlebt; hinzu kommen die Redaktoren anderer Anzeiger, heute noch der «Limmatwelle». Und den Interventionen der Chefredaktionen hat Elsbeth Howald zu verdanken, dass sie nicht weggespart wurde: «Man hat mir gekündigt, doch während der Kündigungsfrist hat man eine Lösung gefunden, den Schritt rückgängig zu machen.»
Ziemlich rote Seiten
Und so liest Elsbeth Howald bis zu dieser LBA-Nummer die Seitenauszüge, streicht rot an, was der Redaktion «durchgerutscht» ist, und dies ist nicht wenig. Anders als in der Startphase führt sie heute die Korrekturen anschliessend am Bildschirm gleich selbst aus.
Und sie korrigiert mehr, als sie müsste. Neben den üblichen Fehlern entdeckt sie, wenn der Name eines Gemeinderates falsch ist oder in der «Agenda» der Lenzburger Wochenmarkt mal vergessen gegangen ist. Der Grund für diesen Zusatz-Effort ist klar: «Ich identifiziere mit dem Bezirks-Anzeiger, mit der Region und mit den Leuten hier.»
Doch nun ist Schluss. Abgesehen von Ferienablösungen, für die sich Elsbeth Howald bereit erklärt hat, wird nun das Kapitel LBA geschlossen. So hat die Neu-Pensionärin wieder mehr Zeit und Musse für ihre Hobbys: Kalligrafie («darauf freue ich mich am meisten»), das Panflötenspiel, das Lesen, den Garten und, natürlich, das Hüten der Enkelkinder.



