Goldmedaille für den «Goffersberger»

Die traditionelle Chlausmarktzusammenkunft der Gemeindeammänner und -schreiber des Bezirks Lenzburg stand diesmal ganz im Zeichen von erheiternden Fake-News.

Sorgte mit «alternativen Fakten» für eine lockere Stimmung: Stadtammann Daniel Mosimann an der traditionellen Chlausmarktzusammenkunft der Gemeindeammänner und -schreiber des Bezirks Lenzburg im Burghaldenhaus. Fotos: Chris Iseli

Sorgte mit «alternativen Fakten» für eine lockere Stimmung: Stadtammann Daniel Mosimann an der traditionellen Chlausmarktzusammenkunft der Gemeindeammänner und -schreiber des Bezirks Lenzburg im Burghaldenhaus. Fotos: Chris Iseli

Erheiternde Müsterchen: Berufsschul-Rektor Ruedi Suter als Referent.

Erheiternde Müsterchen: Berufsschul-Rektor Ruedi Suter als Referent.

Der Rahmen im Lenzburger Burghaldenhaus ist zwar gediegen – wenn auch etwas eng. Doch das Treffen von Ammännern und Kanzlern am Chlausmärttag ist eine lockere Angelegenheit; fernab von Protokoll oder politischen Auseinandersetzungen. Manchmal wähnt man sich fast wie an einem Schnitzelbankabend.

Diesmal war die Stimmung schon fast ausgelassen, vor allem als Stadtammann Daniel Mosimann in seiner Begrüssung als Gastgeber feststellte, dass das zu Ende gehende «bewegte und intensive Jahr» geprägt gewesen sei von «alternativen Fakten» – der Begriff wurde lanciert im Umfeld von USA-Präsident Donald Trump – und «Fake News».

U-Boot mit Sonnendeck

Mosimann lieferte prospektive Neuigkeiten aus der Region, die Beispiele für die zwei Begriffe sein könnten: Staufen nimmt Fusionsverhandlungen mit der Stadt Lenzburg auf, die Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee nimmt ein Unterseeboot mit Sonnendeck in Betrieb, der Spatenstich zum Ausbau des Bahnhofs Lenzburg findet am nächsten Jugendfest-Zapfenstreich statt.

An dieser Zusammenkunft soll laut dem Stadtammann nach der Hektik des Jahres Raum sein für Heiteres. Da darf natürlich eine Prise Selbstironie nicht fehlen: Der an diesem Anlass ausgeschenkte, am besten mit Eiswürfeln zu geniessende (?) «Goffersberger» bekomme im nächsten Jahr eine Goldmedaille. Mosimann hatte die Lacher auf seiner Seite.

Untergehende Eidgenossen

Ob dieser Flachserei konnte Gastreferent Ruedi Suter nicht abseitsstehen. Der Rektor der Berufsschule Lenzburg (BSL) verstand es bestens, bedenkenswerte und nachdenklich stimmende Trends innerhalb der Berufsbildung mit verschiedenen Müsterchen aus dem Schulalltag zu garnieren. 2500 Schüler aus 27 Berufen werden an der BSL ausgebildet und nicht wenige davon tragen ausländisch klingende Namen.

Ein grosser Anteil ist eingebürgert. Höhepunkte in den Sportlektionen seien jeweils die Fussballspiele zwischen Schweizern und Eidgenossen. «Ich habe diese Matchs verbieten müssen: Die Eidgenossen gingen jeweils brutal unter.» Man müsse diese jungen Leute mit Migrationshintergrund hoch schätzen, so Suter. Ohne sie gäbe es kein schlagkräftiges Fussball-Nationalteam und einige Berufszweige gar nicht mehr.

Steuern mit Superpunkten

Der Stadtchlaus, der jeweils nach Pause und Wurstweggen-Schmaus den Gemeindeammännern und -schreibern die Leviten liest, kam ebenfalls nicht um die «Fake-News» herum. Dölf Egli habe in seinem letzten Ammann-Jahr die Gemeinde Schafisheim an Coop verkauft. Deshalb, so hat der Chlaus gehört, könne man dort künftig die Steuern mit Superpunkten bezahlen.

Während Ammerswil eine Rute dafür bekam, dass es Asylbewerber nach kurzer Zeit in einem Mehrfamilienhaus wieder in die unterirdische Zivilschutzanlage verbannte, wurde auch der Gastgeber getadelt. Die Tatsache, dass man den 10000. Einwohner nicht habe eruieren können, sei etwa so, wie wenn man an Silvester den 12-Uhr-Schlag verpasst.

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