Gemeinsam statt einsam
Während sieben Schreibnächten versuchten sich Autorinnen und Autoren im geselligen Schreiben. Am «Sommernachtsschreiben» im Literaturhaus Lenzburg gab es Einblicke in die Schreibnachttexte.

Beim Wort Autor erscheint vor dem geistigen Auge unweigerlich das Bild einer einsam schreibenden Person, wie sie bei schwachem Licht des Nachts an einem Schreibtisch sitzt, mit nichts weiter als der Schreibarbeit und einer Tasse Kaffee als Gesellschaft.
Dass es auch anders geht, zeigte die Abschlussveranstaltung «Lesung und Sommernachtsschreiben» vom vergangenen Montag im Literaturhaus Lenzburg. Vor gut einem halben Jahr war dort Auftakt einer neuen Literatur-Werkstattserie: den «Schreibnächten». Siebenmal haben sich Schreibbegeisterte oder solche, die es werden wollten, seither getroffen, um im geselligen Rahmen zu schreiben. «Eine Schreibnacht ist wie ein Theaterbesuch», zitiert Werkstattleiterin und Autorin Jaël Lohri ein Schreibnachtzitat in ihren Begrüssungsworten. Die Werkstattleiterin ist überzeugt: «Gesellschaft und gegenseitiger Austausch unter Autoren sind fruchtbarer Boden zum kreativen Schreiben.»
Vielseitige Textgrundlagen
Dass dem so ist, davon konnten sich die Besucherinnen und Besucher der Literaturveranstaltung, eine Co-Produktion von Literaturhaus und Schreibuniversum.ch, gleich selbst überzeugen. Zur Einstimmung gab es von Schreibnachtautoren 15 Einblicke in ihr Schaffen à 60 Sekunden.
Die Zuhörenden wurden mitgenommen auf eine abwechslungsreiche Sinnesreise – von der kühlen Frühlingsnacht, wo kalter Tau Narzissen frösteln lässt und sich erste Vögel im Morgengrauen verzwitschern, über ein Eintauchen in Musikempfindungen, die in jedem Kubikzentimeter Körper nachklingen, bis zu einem nüchternen Abstecher in den Umbettraum der Pathologie, wo Pfleger Stefan routinemässig einen Toten in der Kühlzelle versorgt. Stoff genug für Inspiration.
Diese durften sich die Teilnehmenden im folgenden Teil der Veranstaltung zunutze machen. An verschiedenen Stationen erhielt man Inputs zum Schreiben. Bilder, Worte, Aufgaben- oder Fragenstellungen oder ein Würfelspiel sorgten für Anstoss, um zum Stift zu greifen. Besonders begehrt war der Tisch mit den Bildwürfeln und der Aufgabenstellung, dass die erwürfelten Bilder im Text vorkommen müssen.
Die kreativen Outputs – wie eine Suchanzeige für eine Haushaltshilfe mit Familienanschluss, eine nicht ganz ernst zu nehmende Geburtsanzeige oder ein Fussballgedicht – sorgten unter den Schreibnachtautoren für Erheiterung und angeregten Austausch. Mit dem Sommernachtsschreiben geht im Literaturhaus die letzte Veranstaltung der Saison zu Ende. Mit der letzten Schreibnacht wurde aber auch der Samen für die Veranstaltungen der kommenden Saison gesät. Sommernachtsschreiberin Steffi Rüfenacht steuerte mit «Nachtragend» das Motto für eine der neuen Schreibnächte der Saison bei und gewann damit die Teilnahme daran. Saisonauftakt für die Schreibnächte ist am 3. September 2017.



