«Fuck off, please» – Reise zur Freiheit
Schultheater An bisher vier Aufführungen sorgte die neuste Eigenproduktion des Oberstufentheaters Lenzburg, «Fuck off, please» für Begeisterungsstürme in der Aula Lenzhard.

Das Theater gibt Einblicke in die Lebensrealitäten und Umgangsweisen der Jugendlichen mit aktuellen Gesellschaftsthemen – es ist ein Theaterstück über Freundschaft, Freiheit und das Fremdsein.
Laut und leise. Unnahbar und unscheinbar, so sind Fenja (Noemi Luccarelli) und Eli (Liselotte Fink). Zwei Aussenseiterinnen einer ganz normalen Klasse. Eli, die schüchterne Schweizerin, lebt in ihrer eigenen Gedankenwelt und bemerkt kaum ihre neue Klassenkameradin Fenja mit rumänisch-slowenischen Wurzeln, die mit frechen Sprüchen und Dauerkaugummi nicht nur ihre Lehrerin fast auf die Palme bringt. Was die beiden Mädchen verbindet, ist das plagende Gefühl, anders zu sein.
«Fuck off, please.» Das sagen sich Fenja und Eli und reissen aus. Eine abenteuerliche Reise mit geklautem Töff quer durch die Deutschschweiz beginnt. Auf ihrem Weg begegnen die beiden Freundinnen verschiedenen Menschen, ihren Leben und erzählten Geschichten, die auch sie mitten ins Herz treffen.
Seit Dezember feilen die vierzehn jugendlichen Teilnehmer des Freifachs Theater unter Leitung von Tarzis Lüscher und Nicole Koch nun bereits an den Rollen, ihren Texten und der Dramaturgie der Geschichte, die lose basiert auf dem Jugendroman «Tschick» von Wolfgang Herrndorf.
Erhaltenswerte Tradition
Seit letztem Sommer leitet die 26-jährige Lehrerin an der Bezirksschule Lenzburg an der Seite von Tarzis Lüscher den Theaterkurs der Oberstufe und tritt somit in die Fussstapfen des langjährigen Theaterleiters Herbert Rinderknecht.
«Das Oberstufentheater Lenzburg hat längst Tradition, die erhalten werden muss. Man lernt auf der Bühne und im Spiel so viel fürs echte Leben. Das Theater schafft kreative Räume», schwärmt Nicole Koch, die sich als Mathematiklehrerin auch selbst für das Theaterspiel begeistert. Bei der neusten Produktion des Oberstufentheaters ginge es vor allem um eine schülernahe Themenwahl.
«Natürlich machen wir kein politisches Theater», stellen die beiden Schauspieler Carlo Nöthiger und Noemi Luccarelli klar. Und dennoch seien Integration, Rassismus, Identität und das Fremdsein die Themen, die nicht selten seit der Zusammenführung von Bezirks-, Sekundar- und Realschule zum Oberstufenzentrum auch die Pausengespräche befeuerten. Der soziale Druck im Klassenzimmer sei spürbar, der Leistungsdruck steige, stellen die Schüler dar. Das Theaterspiel helfe, damit umzugehen.
Freiraum für Neues
«Für mich ist das Theater ein neuer Freiraum, um Dinge auszuprobieren, die ich im echten Leben vielleicht nicht tun würde. Man sollte immer Dinge tun, die einem noch nicht so liegen. Sich konfrontieren und sich auch manchmal überwinden. Nur so lernt man Neues. Wer Theater spielt, hat mehr Energie fürs Leben», meint Sheyla Skrijelj, die als französische Schulleiterin Noelle Macron eine ganz köstliche Karikatur mimt.
Vor diesem Hintergrund bleibt die neuste Theaterproduktion der Neuntklässler nicht bloss Freiraum zur Selbstdarstellung, sondern setzt auch für aufmerksame Besucher ein Zeichen aus den Reihen der Jugendlichen zur notwendigen Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Rolle zu übernehmen. Sehenswert.
«Fuck off, please». Letzte Aufführung: Freitag, 10. Mai, um 20 Uhr in der Aula Lenzhard.



