«Fenster zum Himmel» im ehemaligen Weinkeller
Ikonenmuseum Bevor dieses Wochenende das völlig neu gestaltete Museum Burghalde seine Tore offiziell wieder öffnet, wurde das integrierte Ikonenmuseum im Beisein des russischen Botschafters eingeweiht.

Ikonen sind spezielle Heiligenbilder, die in der östlichen orthodoxen Kirche einen hohen Stellenwert besitzen. Zum Lenzburger Museum Burghalde gehört seit 16 Jahren eine 64 Einheiten umfassende Ikonensammlung. Zusammen mit der Neugestaltung des gesamten Museums Burghalde erfuhr die schweizweit einzigartige Kollektion eine massive Aufwertung.
Einbettende Erklärungen
Im Untergeschoss sind nicht nur die 64 Heiligenbilder – neu und sinnvoll arrangiert – zu sehen, die Ausstellung im Museum gewinnt durch ergänzende Massnahmen. In einem kleinen Kino mit Sitzen, die an eine Kirche gemahnen, gibt es eine filmische Einführung in den Ursprung und die Bedeutung dieser Bilder des Glaubens.
In einem Malatelier wird anschaulich erklärt, wie aus Naturstoffen die speziell wirkenden Farben gewonnen und angewendet werden. An Hörstationen werden einzelne Ikonen geschildert und lassen so die Besucher in die spezielle Bilderwelt der Ostkirchen eintauchen.
«Neu können wir die Ausstellung erklären und so den Besuchern nahebringen», freut sich Museumsleiterin Christine von Arx über die Möglichkeiten, die der Umbau auch dem Ikonenmuseum gebracht hat. «Die Museumsleitung hat es bestens verstanden, die Ikonen in ihren Kontext einzubetten», zollt Urs F. Meier, der Präsident des Stiftungsrates des Museums Burghalde, seiner Direktorin ein grosses Lob.
Hochkarätige Gäste
Die offizielle Einweihung des Ikonenmuseums fand vorgängig der Publikumseröffnung vom nächsten Samstag statt. Urs F. Meier konnte dabei den russischen Botschafter Sergei Garmonin und die serbische Botschafterin Snezana Jankovic begrüssen. Er schilderte die Geschichte, wie er den Kontakt zum gebürtigen Lenzburger Chefarzt Urs Peter Haemmerli herstellte, der der Stadt schliesslich die 64 Heiligenbilder vermachte.
Die Stadt sei «stolz und glücklich», diese «bedeutende Sammlung» zu beherbergen, hielt Stadtammann Daniel Mosimann fest: «Ikonen faszinieren; sie öffnen das Herz und berühren die Seele.» Zum Ende bedankte sich Mosimann mit einem fast akzentfreien: «Spasibo.»
Für Botschafter Garmonin tragen Ikonen «zum besseren Verständnis der russischen Mentalität» bei. Diese Kunstart, deren Ursprung weit über 1000 Jahre zurückliegt, werde oft als «Schlüssel zum Verstehen unendlicher Weisheit» angesehen, erklärte der Diplomat den Vernissagebesuchern – auf Hochdeutsch.
Für Stiftungsratspräsident Meier haben die 64 von Dr. Haemmerli zusammengesuchten Ikonen, die auch als «Fenster zum Himmel» bezeichnet werden, im Untergeschoss des Burghaldemuseums einen «würdigen, nahezu sakralen Ort» bekommen. Dass sich hier früher der städtische Weinkeller befand, tut der besonderen Ambiance keinen Abbruch.
Von Professor Wiesel bis zum vergoldeten Fundstück
Einweihung An diesem Samstag, 29. September, ist die Bevölkerung zur Wiedereröffnung des neuen Museums Burghalde eingeladen. Ab 10.30 Uhr folgt eine Attraktion auf die andere. Um 11 Uhr wird beispielsweise Professor Wiesel, das neue Museumsmaskottchen, getauft und um 19 Uhr schildern die Macher in einer «Prosecco»-Gesprächsrunde den «Weg zum neuen Museum Burghalde».
Einen philosophischen Aspekt birgt das Kunstprojekt «Wunschhalde» vom «Forward Collective»: Ein Stein aus dem Fundament der Burghalde wird nach abertausenden von Jahren entlang der Stadtgrenze spazieren geführt, um schliesslich nach der 24 Kilometer langen Prozession an den Fundort zurückzukehren. Mit Blattgold überzogen wird er zum musealen Erinnerungsstück. Die ebenfalls vom Künstlerkollektiv konzipierte Kügelibahn am Fusse des Schlosshügels erinnert an ein Wisa-Gloria-Spiel aus der Kindheit. Die Kugeln beziehen sich auf das Logo der Stadt und laden Klein und Gross ein, die 1001 Murmeln mit ihren persönlichen Wünschen auf die Reise zu schicken. (lba)



