Fanfaren und Goldregen für die «Freunde»
Nicht Attacken katholischer Krieger, sondern allein der Zahn der Zeit hat Tor und Wehranlage von Schloss Lenzburg zugesetzt. Mit finanzieller Unterstützung der «Freunde der Lenzburg» konnte der Zwinger saniert werden.

Fanfarenklänge hiessen die edlen Spender unter den weit offenen Toren willkommen, welche zur Einweihung im untern Vorhof bei mildem Abendsonnenschein den Apéro riche geniessen durften. Das war vor Jahrhunderten kaum so geplant, als die Wehranlage in unruhigen Zeiten mit 30-jährigem Krieg und Reformationswirren erbaut wurde. Unerwünschte Besucher mussten damit rechnen, als «Pechvögel» unverrichteter Dinge abziehen zu müssen. Der Berner Landvogt Peter Bucher, welcher von 1622 bis 1628 die Burg bewohnte, versah die Eingangspartie nach damaligem Brauch mit Wehrgang und Pechnasen und hinterliess am Bauwerk als Andenken auch sein Familienwappen.
Tor und Gemäuer saniert
Obwohl Schloss Lenzburg bis heute noch nie Schauplatz von Scharmützeln wurde, war es jetzt an der Zeit für eine gründliche Sanierung von Tor und Gemäuer. So strahlt das Wappenschild mit Berner Bär, Habsburgadler, Reichsapfel und Schwert des Heiligen Römischen Reiches in neuem Glanz. Die «Freunde der Lenzburg» haben dafür den ansehnlichen Betrag von 48255 Franken und die Dr.-Hans-Dietschi-Stiftung einen zusätzlichen grossen Batzen geleistet. Zur Feier des Tages liess «Freunde»-Präsident Peter Jud die Pechnase zur Goldnase mutieren, und unter den Fanfarenklängen breitete sich ein goldener Vorhang übers ganze Tor aus.
Die statutarischen Geschäfte wurden von den rund 100 Anwesenden des mit 1558 Mitgliedern grössten Gönnervereins weitherum im grossen Rittersaal erledigt. Während der Saison haben 998 erwachsene und 686 kleine Freunde vom Gratiseintritt in das Schloss profitiert. Jugendfest-Serenade, Familiennachmittage, Eröffnung des neuen Kindermuseums, das Auffahrtskonzert und der Ausflug in die Zürcher Altstadt waren rege besucht. Das Programm 2017 sieht den Besuch der Ausstellung «Heimat» des Stapferhauses, die traditionellen Konzerte an Auffahrt und im Jugendfest-Vorfeld, den Familiennachmittag und eine Reise zum Stockalperpalast vor.
Bautätigkeit geht weiter
Die Finanzierung eines neuen Projektes liegt noch nicht vor, doch bietet sich sicher bald die Gelegenheit dazu. Wie Schloss-Geschäftsführer Peter Jud ankündigte, wird die Bautätigkeit nahtlos weitergeführt: Noch heuer sind die Sanierung der Fassade beim Aufgang zwischen Mittlerem Torhaus und Eingang bei der Ziehbrücke sowie die Sanierung der Nord- und Südfassade der Landvogtei vorgesehen. 2018 ist das Ritterhaus an der Reihe, es wird eingerüstet und aussen wie innen saniert. Im Weiteren steht nach dem Auszug des Stapferhauses die Frage nach der weiteren Nutzung des Bernerhauses im Raum. Schloss-Stiftungsratspräsident Stadtammann Daniel Mosimann betonte in seiner Grussadresse, dass von dieser Seite grundsätzlich kulturelle Aktivitäten gefördert werden sollen.
Nebst kulinarischen Köstlichkeiten aus der «Krone»-Küche klang der Abend mit einem doppelten Dessert aus: Während Crème brulée aufgetischt wurde, rockten auf der Bühne die schon fast legendären Grossmütter mit ihrer Band gleichen Namens, was das Zeug hielt: Nostalgisches für Leib und Seele.



