Erstmals Minus beim Betriebsergebnis
Die goldenen Zeiten bei den Finanzen der Stadt Lenzburg scheinen vorbei: Im Jahresabschluss 2016 wird erstmals ein Minus beim Betriebsergebnis ausgewiesen; das Gesamtergebnis ist auf 3,8 Millionen Franken geschrumpft.
Ohne rot zu werden, sprach Vizeammann und Finanzministerin Franziska Möhl bei der Präsentation der Jahresrechnung 2016 der Stadt Lenzburg von «einem sehr guten Abschluss». Die hohe Kunst der Politik und speziell der Finanzpolitik besteht ja darin, überall das Positive zu sehen und herauszustreichen. Doch Möhl musste bereits im zweiten Satz die etwas zu euphorisch geratene erste Formulierung relativieren: «Wir können mit dem Ergebnis 2016 nicht an die Vorjahre anknüpfen; doch konnte man dies auch gar nicht erwarten.»
Die nüchternen Zahlen des Ergebnisses der Einwohnergemeinde Lenzburg ohne Spezialfinanzierungen präsentieren sich wie folgt: Das – laut Möhl erstmalige – Minus bei der betrieblichen Tätigkeit liegt mit 780000 Franken fast eine Viertelmillion höher als budgetiert. Diese negative Premiere konnte mit den Finanzierungsergebnissen nur teilweise kaschiert werden: Das Gesamtergebnis von 3,8 Mio. liegt 3,9 Prozent unter Budget und gar 42 Prozent unter dem Vorjahr.
Der Cashflow (Selbstfinanzierung) sank auf 4,9 Mio., den tiefsten Wert seit 2005. Zusammen mit höheren Investitionen als ursprünglich vorgesehen stieg die Nettoschuld um fast 3 auf 8,5 Millionen Franken. Gerade bei den anstehenden Grossprojekten wie den Schulbauten lasse sich die Aufteilung der anfallenden Kosten auf die einzelnen Jahre schlecht planen, so Marc Lindenmann, Leiter Finanzen, bei der Rechnungspräsentation.
Steuern hinken hintennach
Die Steuereinnahmen blieben im letzten Jahr um 5,6 Mio. hinter der Budgetvorgabe. Und diese lag über eine halbe Million tiefer als der Vorjahresertrag. Besonders dramatisch, aber angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und den Nachwirkungen des zu starken Frankens nicht erstaunlich, wiegt der dramatische Einbruch bei den Aktiensteuererträgen. Eine Million fehlt alleine hier.
Da wertet es Franziska Möhl als sehr erfreulich, dass bei den Steuern der natürlichen Personen gegenüber dem Jahr 2015 eine, wenn auch kleine, Zunahme zu registrieren ist. «Wir haben noch eine Steigerung, doch die wird immer flacher», so die Finanzchefin. Für die Zukunft nachdenklich stimmt die Tatsache, dass die Steuereinnahmen mit der deutlich «steigenden Einwohnerzahl nicht Schritt halten» können.
Trotz der grossen Ausgabendisziplin – alle Verwaltungsabteilungen mit Ausnahme der Sozialen Sicherheit schnitten 2016 besser ab, als budgetiert – hat Franziska Möhl bei einem Blick in die Zukunft Sorgenfalten auf der Stirn: «Wir haben viele Investitionen, die anstehen. Da macht uns die aktuelle Situation schon ein wenig Bauchweh.»







