Eine Ausstellung in Bewegung
Kunst Das Aargauer Kunsthaus widmet dem Lenzburger Künstler Stefan Gritsch eine umfassende Einzelausstellung mit dem Titel «Bones n’ Roses». Seine Werke sind noch bis 11. August in Aarau neu zu entdecken.

Das Schaffen des national viel beachteten und in Lenzburg lebenden Künstlers ist im weitesten Sinn in der Malerei verankert. Nebst der wiederkehrenden Auseinandersetzung mit der Farbe als Material zeigt die neueste Ausstellung vor allem aktuelle und speziell für sie konzipierte Werkkomplexe und Themen.
Dabei bildet die Malerei eine konzeptionelle Klammer, von der ausgehend Gritsch die Arbeit in andere Genres – Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Druckgrafik – ausdehnt und für diese räumliche und auch performative Formulierungen sucht.
Diverse Überraschungen
Die als installativer Parcours angelegte Schau dürfte auch den einen oder anderen Gritsch-Kenner überraschen und er wird dabei nicht zufällig Gegenstand punktueller Eingriffe durch den Künstler selbst.
Gleich im ersten Ausstellungssaal lässt Gritsch den Besucher tief in seine Arbeit eintauchen. Für seine Rauminstallation «Inversion 2019» kehrt der Künstler das Aussen einer seiner charakteristisch bunten Acrylblöcke in ein Innen um, indem er die Farbstruktur vielfach vergrössert auf die Museumswand tapeziert.
Die Auseinandersetzung mit Farbe als Material fand in Gritschs Schaffen bereits Anfang der 1990er-Jahre ihre heute noch aktuelle Ausformulierung. Seitdem bildet eine in immer neue Zustände gebrachte Masse an Acrylfarbe die Basis der meisten dreidimensionalen Arbeiten.
Wechselnde Konglomerate
Im Zeichen von Wiederholung und Übertragung bearbeitet der Künstler dieses Farbvolumen, schneidet, zerteilt und übermalt es mit neuen Schichten von Farbe und setzt es zu wechselnden Konglomeraten in der Gestalt von Kugeln, Blöcken, Platten und anderen Formen zusammen.
Neben Installationen und Objekten auf der Basis von Acrylfarbe werden in der Ausstellung auch weniger bekannte Werkgruppen gezeigt, beispielsweise die als «Impacts» bezeichneten Schlagzeichnungen. Für diese Zeichnungen auf weichem Büttenpapier verwendet Gritsch einen zum Schlagobjekt umgeformten Farbklumpen als Malmittel und schlägt damit in einer gezielten Umkehrung von Werk und Werkzeug auf das Papier ein. Zurück bleiben bunte gestische Zeichnungen, Spuren der kraftvollen Bearbeitung des Papiers.
Teppiche aus Konfliktherden
Für den Werkstrang der «Warflowers» (Kriegsblumen) und «Warcarpets» (Kriegsteppiche) bilden Karten diverser globaler Konfliktherde, wie sie uns die Tagespresse präsentiert, den Ausgangspunkt. Diese Landkarten sammelt Gritsch seit vielen Jahren und bearbeitet sie anschliessend digital weiter. Er legt sie mehrfach übereinander und spiegelt sie zu einem ornamentalen Teppichmuster oder, mit einer zusätzlichen Drehung versehen, zu einer abstrahierten Blume. Erstere lässt er als Teppiche grossformatig produzieren, während die Blumen auf Leinwand gemalt werden.
In den Gemälden und Teppichen erscheinen die Schauplätze globaler Schreckensereignisse befremdlich verführerisch und hinterfragen den Umgang mit Krieg und Zerstörung in den Medien.
Das konzeptionelle Zentrum und somit Kopf und Herz der Ausstellung bildet ein Raum, der eine Arbeitssituation suggeriert. Gritsch transferiert darin ein intimes von intuitiven Schaffensprozessen geprägtes Umfeld in den Ausstellungsraum. Selbst ist er regelmässig zugegen, während sich auf Tischen, auf denen die Atelierarbeit zahlreiche Spuren hinterlassen hat, Zeichnungen, Drucke, Objekte und Werkzeuge stapeln. Häufig haben Gritschs Bildobjekte bloss für eine gewisse Zeit Bestand. Nach Ablauf der Ausstellung werden sie im Atelier weiterverarbeitet und zu neuen Konglomeraten zusammengesetzt. Das Schaffen von Stefan Gritsch ist eine Arbeit über die Zeit. Was Gritsch schafft, ist eine Ausstellung, die in Bewegung ist.
«Stefan Gritsch – Bones n’ Roses». Ausstellung im Aargauer Kunsthaus. Bis 11. August. – Finissage und Konzert: Sonntag, 11. August, 17 Uhr: Das Jazz-Trio Day&Taxi führt unter anderem das Stefan Gritsch gewidmete Stück «Klumpen» auf.



