Ein lichter Teegarten als Treffpunkt für alle

Kultur Der Widmipark ist die dritte Station von «Transformator, Kunst im Quartier», einer Kulturinitiative für die Integration neuer Stadtteile.

<em>Einladung zum Wohlfühlen:</em> «Teegarten»-Projektleiterin Prisca Keel.

<em>Einladung zum Wohlfühlen:</em> «Teegarten»-Projektleiterin Prisca Keel.

<em>Schon jetzt ein Selbstläufer:</em> Der «Teegarten im Widmipark» ist das neue «Transformator»-Projekt. Fotos: Stefanie Osswald

<em>Schon jetzt ein Selbstläufer:</em> Der «Teegarten im Widmipark» ist das neue «Transformator»-Projekt. Fotos: Stefanie Osswald

Lenzburg wächst. Seit mehreren Jahren entstehen neue Quartiere rund um den mittelalterlichen Stadtkern. Bereits im dritten Jahr in Folge schlagen die Initiatoren der Projektreihe «Transformator, Kunst im Quartier» Brücken von vertrauten Ansichten hin zu Veränderungen einer Stadt im Wandel.

Mit dem Projekt reagiert die Kulturkommission auf die grossen baulichen Veränderungen in der Stadt Lenzburg. Nach der Othmarsingerstrasse (2016), «Da war früher eine Wiese», und dem Quartier «Im Lenz» mit einem originellen Erdbeerfeld (2017) ist nun die «Widmi», eine vor der Bebauung als landwirtschaftliche Nutzfläche dienende Fläche, die letzte Station des Projekts.

Neun Lenzburger Kunstschaffende präsentieren ihre Werke ab dem 2. September unter dem Motto «Tod und Auferstehung». Mit dem besonderen Projekt «Teegarten im Widmipark» setzt sich Prisca Keel mit den baulichen Veränderungen in der Widmi auseinander.

Einladung an jedermann

Das sticht ins Auge: Seit dem 12. August säumen ein kleiner Bauwagen und eine sternförmige Skulptur den Pfad durch das neu entstandene Widmiareal am Fusse des Schlossberges und verleiten manch verwunderten Passanten dazu, genauer hinzusehen.

Was aus der Ferne scheint wie eine sternförmige Miniatur der JVA Lenzburg, nimmt aus der Nähe betrachtet alsbald die Gestalt eines begehbaren Holzpavillons an, der mit seinem bunten Schriftzug «Teegarten» jeden Vorbeikömmling dazu einlädt, es sich mit einer Tasse Tee oder frisch gebrühtem Kaffee in einem der Liegestühle bequem zu machen.

Der süssliche Duft von gebackenen Muffins und Früchten strömt herüber und weckt die Aufmerksamkeit zweier zwischen den Kräuterrabatten spielender Kinder.

«Den Tee oder den Kaffee darf sich jeder nach eigenem Gusto zubereiten», erklärt Initiatorin und Projektleiterin Prisca Keel und öffnet die kleine Türe des gleich gegenüber stehenden und als Teeküche umfunktionierten Bauwagens. Was zum Vorschein kommt, ist eine kleine Welt für sich. Getrocknete, an der bunt bemalten Holzwand aufgehängte Kräuter verbreiten ihren Duft, Bücher, ein feines Porzellanservice, eine Fülle an schmuck in Gläsern drapierten Teesorten stehen bereit, um gelesen, genutzt und verköstigt zu werden.

Ein Moment der Ruhe

«Die liebevolle Einrichtung lädt Menschen dazu ein, einen Moment zu verweilen und sich wohlzufühlen», meint Prisca Keel. Und das Prinzip ist einfach: Jeder, der möchte, ist eingeladen, spontan im Teegarten zu verweilen, etwas beizusteuern und sich nach Lust und Laune zu bedienen.»

Trotz den Befürchtungen und Einwänden einiger weniger Kritiker aus den umliegenden Quartieren findet der Teegarten allgemein regen Anklang. Der Pavillon entstand aus einem Berg ungehobelter Bretter an einem Wochenende durch den Einsatz vieler freiwilliger Helfer aus der ganzen Stadt und habe sich schon nach kürzester Zeit zu einem Selbstläufer entwickelt, strahlt Keel. Es habe bereits Initiativen ganzer Gruppen gegeben, die einen Jass-Abend im Teegarten organisierten. Eine im Bauwagen ausgehängte Gästeliste mit allerlei Anregungen und Lob zeuge davon.

Bis Ende September wird der Teegarten zum Treffpunkt, zum Begegnungsort für die Quartierbewohner der Widmi, Wanderer, Flaneure, aber auch für Geselligkeit und Ruhesuchende aus der ganzen Stadt. Und wer genau hinsieht, entdeckt sogar das Lenzburger Wappen im Dach des Pavillons.

Veranstaltungen

Sonntag, 2. September. 11 Uhr: Vernissage Kunst im Quartier. – 14 bis 15.30 Uhr: Quartierrundgang: Kindheitserinnerungen von und mit Ursula Steinmann.

Mittwoch, 5. September. 19.30 Uhr: Late-Night-Art-Tour.

Sonntag, 9. September. 11 bis 12.30 Uhr: Café littéraire mit Ruedi Debrunner: «Klangspur in die vergessene Welt». Ort: Ehemalige Kapelle, Ammerswilerstrasse 16.

Sonntag, 16. September. 14 bis 16 Uhr: Familienspieltag mit Familie Schärer.

Sonntag, 16., bis Samstag, 22. September. Je um 7 Uhr: Sonnenaufgang-Yoga: Anja Kroll und Team.

Treffpunkt jeweils beim Bauwagen auf der Widmi.

Tod und Auferstehung – sieben Kunstprojekte zur «Widmi»

Skulpturen Die Quartierausstellung auf der Widmi dauert vom 2. bis zum 22. September, wo die Werke von neun Kunstschaffenden in einem lockeren Rundgang besichtigt werden können.

Cosimo Gritsch & Roberta Müller: «Schwäne». Das Künstlerduo lässt überlebensgrosse Schwäne aus gebrauchten PET-Flaschen im Weiher eingangs Widmi landen. Schwäne wurden als Seelenvögel der Verstorbenen verehrt.

Karyna Herrera: Mit ihrer Installation «Paradoxon», bei welcher ein ausgestochenes Rasendreieck exakt über der Ausstichstelle auf einem Metallgestell platziert wird, symbolisiert die Künstlerin das Leben und assoziiert gleichzeitig ein Toten-Grab.

Ursula und Ueli Schneider: «Verbinden» vom Künstler- und Lebenspaar Schneider erinnert an die frühere Seilerei. Verbinden hat aber auch mit Verletzungen und Heilen sowie dem Verbinden verschiedener Orte zu tun, die wie hier durch eine Mauer getrennt sind.

Nina Schwarz: Mit «Himmel-Erde-Widmi», einer Art überdimensioniertem «Himmel und Hölle – Eile mit Weile», will die Künstlerin einen spielerischen Zugang zum Thema schaffen. Alte und neue Lenzburger können sich hier spielend begegnen. Die verschiedensten Wege führen zum Ziel, wie auch im realen Leben und im Widmi-Quartier.

Roman Sonderegger: «Lenzburger Landschaft mit Wohnquartier und Schloss». Man kann lesen, was der Künstler zu diesem Thema plante. Seine Hochsitze, wo sich diesseits und jenseits der gepflasterten Trennlinie Kultur und Natur auf fünf Metern Höhe Aug in Aug gegenübersitzen, konnten aus haftungsrechtlichen Gründen nicht bewilligt werden.

Sibylle Kessler: In ihrem «Lichtkreis» verbindet die Künstlerin schwarz bemalte Holzpfosten sowie ihre typischen geschnitzten Holzskulpturen zu einem Schmetterling, Symbol für Tod und Auferstehung.

Dominique Müller: Die Videoarbeit «Hulk», welche nur abends (etwa zwischen 18.30 und 22.30 Uhr) als Rückprojektion an ein Wohnungsfenster sichtbar ist, erinnert an die gleichnamige 60er-Jahre-Comicfigur, schwankend zwischen heroischer Machtdemonstration und Melancholie. Das Zusammenspiel zwischen architektonischer Fassadengestaltung und den farblichen Metamorphosen des Heros ist ein wunderbarer Nebeneffekt dieser Projektion.

Ein Übersichtsplan aller Werke hängt am Bauwagen und kann von dort auch für den Rundgang mitgenommen werden. Beschreibungen bei den einzelnen Kunstwerken helfen beim Einstieg ins Werk und geben auch Informationen über die Künstler. (abü)

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