Ein 154-faches «Ich gelobe es»
In einer feierlichen Zeremonie im Alten Gemeindesaal in Lenzburg wurden diese Woche die Gemeinderäte der Bezirke Lenzburg und Aargau von Innenminister Urs Hofmann in Pflicht genommen.
Bevor die 154 neu oder wieder gewählten Ammänner, Vizeammänner und Gemeinderäte mit einem lauten «Ich gelobe es» in Pflicht genommen wurden, redeten die zwei Bezirkspräsidenten der Gemeindeammännervereinigung und Urs Hofmann, der Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres, den Kommunalpolitikern ins Gewissen.
Mit der Annahme der Wahl übernehme man eine Vielzahl von Pflichten, mahnte Hofmann: Gleichbehandlung aller Bürger, Wahrung von Amtsgeheimnissen und Vertraulichkeit sowie Akzeptieren eines Mehrheitsentscheides und ein kollegiales Vertreten eines gefällten Entschlusses, der ja nicht immer mit den eigenen Präferenzen deckungsgleich sein muss.
Neben diesem rhetorischen Wedeln mit der Rute dominierte das symbolische Ausschütten von Nüssen und Mandarinen: «Sie erhalten nun die Gelegenheit, unser Gemeinwesen konkret und nach Ihren Vorstellungen mitzugestalten», hielt Hofmann fest. Regieren sei eben viel mehr als Verwalten, sondern umfasse auch das «Entwerfen, Vorschlagen und Zur-Diskussion-Stellen».
«Keine aussterbende Art»
Mit dem Amt in einer kommunalen Exekutive nehme man eine privilegierte Stellung ein, sagte Daniel Mosimann, als Lenzburger Stadtammann so etwas wie der Hausherr. Und fuhr fort: «Ihr seid nun an der Schaltstelle der direkten Demokratie.» Gemeinderäte machten 1,7 Promille der Aargauer Bevölkerung aus: «Damit sind wir eine seltene, aber keine aussterbende Art.»
Der Präsident der Gemeindeammänner des Bezirks Lenzburg streifte die Tatsache, dass dieses Amt nicht nur Sonnenseiten hat, doch soll man das Negative tunlichst nicht überbewerten: «Lasst euch die Freude am öffentlichen Amt nicht nehmen.»
Mosimanns Amtskollege aus dem Bezirk Aarau, der Ende Jahr aus dem Amt scheidende Suhrer Gemeindepräsident Beat Rüetschi, dankte allen Anwesenden für ihre Bereitschaft, ein öffentliches Amt auszuüben: «Immer weniger Bürger wollen sich noch engagieren.» Diese Zurückhaltung könne «eine grosse Herausforderung für die direkte Demokratie werden».
Die Gewählten rief Rüetschi zu vermehrtem Kontakt über die Grenzen hinweg auf: «Die Solidarität unter den Gemeinden hat in den letzten Jahren nachgelassen.» Zu einer ersten vertieften Nachbarschaftspflege diente sicherlich der anschliessende Apéro unter den Arkaden des Gemeindesaals.









