Dunkle Wolken nach Rekord
Die zu 100 Prozent der Einwohnergemeinde Lenzburg gehörende SWL Energie AG verzeichnet im letzten Jahr einmal mehr ein Rekordergebnis. Doch so gehts nicht weiter.

Die Medienmitteilung zum Abschluss 2016 beginnt wie folgt: «Nach dem bereits starken Geschäftsjahr 2015 erreichte die SWL Energie AG ein noch besseres Ergebnis.» Der Gewinn steigerte sich um rund 50 Prozent auf 5,06 Millionen Franken vor Steuern und 4,21 Mio. danach.
Wie sind solche Zahlen – notabene mit einem tieferen Betriebsertrag – möglich in einer Zeit, in der alle Energiekonzerne lauter jammern als die Bauern? Verschiedene Faktoren hätten zu diesem Rekordergebnis beigetragen, lautet die Antwort: Das Bevölkerungswachstum macht in Lenzburg bei der Elektrizität die effizienteren und damit sparsameren Geräte wett. Zudem war der Winter deutlich kälter, was den Gasbedarf erhöhte.
Selbstbedienungsladen
Der auch den steten Innovationsbestrebungen der SWL-Verantwortlichen zu verdankende Rekordgewinn weckte Begehrlichkeiten. An der Aktionärs-GV wurde neben der Dividende von 600000 Franken beschlossen, die Ausschüttung aus der Kapitalreserve von ebenfalls 600000 Franken um eine halbe Million zu erhöhen. Ob sich diese Selbstbedienung durch die Stadt in Zukunft nicht rächt, wird sich weisen müssen, denn die Zeit der Rekordabschlüsse dürfte vorbei sein, wie an der Medienkonferenz diesen Dienstag zu hören war.
«Wir haben dieses Jahr massiv profitiert, weil wir keinen eigenen Strom produzieren», sagte Verwaltungsratspräsident Martin Steinmann. Will heissen: Mit Strom handeln geht noch, wenn man mit andern Bereichen wie Gas, Fernwärme, Telematik, Leitungsbau, Elektroinstallation gut aufgestellt ist.
Doch die Herausforderungen der Branche machen auch vor der SWL nicht Halt. «Das Stromgeschäft ist im Moment kein Geschäft», sagt Geschäftsführer Markus Blättler, der auch hier dunkle Wolken aufziehen sieht: «Wir müssen uns überlegen, wo wir künftig unser Geld verdienen.»
Weitere hohe Investitionen stehen an. Und so stehen die zusätzlichen 500000 Franken für die Stadt etwas schief in der Landschaft. «Wir haben da sicher keine Luftsprünge gemacht», so Blättler.



