Drei Tage «Festa» zwischen Salami und Servelat
Kulturtage Am übernächsten Wochenende verwandelt sich das Zeughausareal in eine stimmungsvolle Piazza: Die Kulturkommission lädt zur «Festa Svizzera Italia».

Aus den erst sehr distanziert betrachteten Gastarbeitern haben sich die italienischen Immigranten zu einer respektierten, ja oft heimlich bewunderten Bevölkerungsgruppe gemausert. Parallel entdeckten in den letzten Jahrzehnten immer mehr Schweizer das Reiseziel; Italien wurde zum unbestrittenen Lieblingsnachbarn.
Auch Stadt und Region Lenzburg wurden für viele Italiener zum neuen Domizil. Die Kolonien der Industrie- und Bauarbeiter aus dem Süden hinterliessen hier Spuren – bis heute. Kein Wunder, lag für die örtliche Kulturkommission das Motto für die Premiere des neuen Veranstaltungsformats «Kulturtage Lenzburg» auf der Hand: Vom 13. bis 15. September steigt im Zeughausareal eine dreitägige «Festa Svizzera Italia» mit einem bunten Programm.
Menschen zusammenbringen
Ein Kernziel des Anlasses ist es, verschiedene Menschen zusammenzubringen. «Gemeinsames soll unterstrichen werden, etwa beim gemeinsamen Singen von italienischen Liedern mit Edy Binggeli», sagt Kulturkommissionspräsidentin Beatrice Burgherr.
Indirekt ist die «Festa Svizzera Italia» aus dem Projekt «Transformator» entstanden. Mit verschiedenen Aktionen hatte sich die Kulturkommission in den letzten Jahren um bessere Integration neuer Quartiere in die Stadt bemüht. Nun verfolgt man ähnliche Absichten «mit einer viel grösseren Reichweite», wie Kulturkommissionsmitglied Cynthia Luginbühl erwähnt.
Bewusst richtet man die Piazza, um die sich während der «Festa» die verschiedenen Spielbühnen gruppieren, nicht in der Altstadt ein. Luginbühl: «Wir gingen explizit in ein Aussenquartier.» Im Westen der Stadt will man das Zusammentreffen von verschiedenen Generationen fördern: «Es finden im Programm sicher alle etwas, was ihnen zusagt», ist Andrea Bühler von der Kulturkommission überzeugt.
Angebote für alle Bedürfnisse
Bereits die intensive Vorbereitung habe mitgeholfen, das Ziel zu erreichen: «Das Arbeiten an diesem Projekt hat schon viele Leute miteinander verbunden», so Bühler. Die Kulturkommission konnte auf die Kooperation mit Italienerorganisationen wie der Sektion Lenzburg der Christlichen Internationalen Arbeitnehmervereinigung (kurz Acli) bauen. Und so wird an der «Festa» ein breites Angebot von kulinarischen, kulturellen und gesellschaftlichen Programmpunkten geboten. Das reicht von Lesungen über Filme bis hin zu Scopa und Boccia und verschiedenen kulinarischen Köstlichkeiten. Am Samstagnachmittag kann man sich sogar in die Kunst des Wurstmachens einweisen lassen. Salami oder Servelat?
Programm der Festa Svizzera Italia
Freitag, 13. September. Ab 18 Uhr: Tommasini-Bar. – 18.30 Uhr: Specialità gastronomiche von Melina d’Ambrosio. – 19 Uhr: CH-Dok-Film «Non ho l’età». – 22 Uhr: Musica mit dem Trio «Senza Parole». – 23.30 Uhr: Spielfilm «Pane e Cioccolata».
Samstag, 14. November. Ab 12 Uhr: Specialità gastronomiche, Pizze, Arancini, Gelati, Espresso. – 13 Uhr: Italienische Spiele für alle. – 14 Uhr: Worte zum Thema Italien–Schweiz. – 14.30 Uhr: Worte zur Wurst. – 15 Uhr: Wir füllen unsere Wurst (Workshops). – Ferruccio Cainero: Caineriade (Erzählkunst). – 17 Uhr: Italienische Lieder singen (mit Edy Binggeli). – Ab 18 Uhr: Pasta, cuccinata dalla Missione e Acli di Lenzburg. – 19.30 Uhr: Prosecco-Künstler-Gespräch mit Ferruccio Cainero. – Ab 20.30 Uhr: Ballo, Tanz mit Andrea Capezzuoli e Compagnia.
Sonntag, 15. September. 9.30 Uhr: Führung mit Christoph Moser auf italienischen Spuren in Lenzburg, Treffpunkt beim Rathaus. – 11.15 Uhr: Café Littéraire mit Anna Felder und Geschichten für Kinder. – Ab 12.30 Uhr: Specialità gastronomiche und italienische Spiele für alle. – 13 Uhr: Vespa-Parade. – 14 Uhr: Lesung von Franco Supino. – 15 Uhr: Schlusspunkt mit…
An allen drei Tagen. Fotoausstellung «Immigranti in Lenzburg». – Italienkarte: Woher kommen Sie? Wohin fahren Sie? – Witze-Board, Italiener über die Schweizer und Schweizer über die Italiener. – Ausstellung über die ehemalige Teigwarenfabrik (Tommasini).



