Die Zuschauer schrieben das Ende

Mit palliative aargau und der Theatergruppe impuls konnten Interessierte am Montag im Alten Gemeindesaal in Lenzburg eine ganz besondere Uraufführung erleben. Das Publikum selbst lenkte die Handlung auf gute Bahnen.

Ein todkrankes Familienmitglied pflegen kann Angehörige an den Rand ihrer Kräfte bringen.

Ein todkrankes Familienmitglied pflegen kann Angehörige an den Rand ihrer Kräfte bringen.

Applaus für die 6 Schauspieler vom impuls Theater (li) und die 5 freiwilligen Akteure aus dem Publikum (re). (Fotos: MS)

Applaus für die 6 Schauspieler vom impuls Theater (li) und die 5 freiwilligen Akteure aus dem Publikum (re). (Fotos: MS)

Es ist Weihnachten bei der Familie Hermann. Grossmutter Louise scheint bedrückt, und das aus gutem Grund: Ihr Hausarzt hat ihr unheilbaren Darmkrebs attestiert – Louise ist todkrank. Zu Weihnachten hat sie nur einen Wunsch an ihre Familie: Sie möchte zu Hause sterben, nicht in einem Hospiz. Ein Wunsch von vielen unheilbar Kranken. Die Angehörigen kann so eine Situation aber rasch überfordern. Auch bei Familie Hermann startet alles mit guten Absichten und endet ein Jahr später – wieder an Weihnachten – in einem Scherbenhaufen. Die zum Nachdenken anregende Entwicklung in der Geschichte der Hermanns ist nur gespielt, von Schauspielern des Theaters impuls. Die dargestellte Familiendynamik der Hermanns treffen Fachleute in der Palliative Care jedoch oft an, sie ist durchaus realistisch. «Die Familien reden zu wenig miteinander und holen sich zu spät Entlastungsmöglichkeiten», weiss Regula Blaser-Imhasly, Bildungsverantwortliche bei palliative aargau. Aus diesem Grund hat palliative aargau das Theaterprojekt initiiert. «Mit dem Theater wollen wir darauf sensibilisieren, in Betreuungssituationen offen in der Familie zu reden, über Möglichkeiten, aber auch Grenzen», sagt Blaser-Imhasly. Dass für betroffene Familien das Gespräch untereinander nicht einfach ist, zeigten vergangenen Montag die Impuls-Schauspieler. Das Bedürfnis, den «letzten» Wünschen der sterbenden Person zu entsprechen, ist gross und dabei die eigenen Möglichkeiten nicht ausser Acht zu lassen, nicht einfach. Dank dem beherzten Eingreifen der Zuschauer, aber auch dank der Interaktion durch Fachpersonen aus dem Publikum gab es im Stück «Ich sterbe zu Hause – meine Familie wirds richten» für die Familie Hermann am Ende eine Lösung, mit der sich alle gut arrangieren konnten.

«Ich bin überzeugt, dass heute Abend jeder etwas nach Hause mitnehmen kann,» sagte Regula Blaser-Imhasly in ihrem Schlusswort. Sie freute sich sichtlich über die rege Interaktion aus dem Publikum. Das interaktive Theater zum Thema Palliative Care hat sich in seiner Uraufführung in Lenzburg bewährt, damit steht laut Blaser-Imhasly einer Folgeveranstaltung nichts mehr im Wege.

Infos unter palliative-aargau.ch

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