Das KV als Opfer auf dem Finanz-Altar
Berufsschulstandorte Mitte nächstes Jahr verliert Lenzburg seine Kaufmännische Berufsschule (KV). Der Kanton hat das entschieden. Der Stadtrat ist nicht begeistert.

Die Medienorientierung von Bildungsdirektor Alexander Hürzeler in Aarau war noch nicht richtig beendet, da flatterte bereit eine Stellungnahme der Lenzburger Exekutive in die Mail-Boxen der Redaktionen: «Der Stadtrat Lenzburg bedauert den Entscheid des Regierungsrats, das KV Lenzburg Reinach auf Ende Schuljahr 2019/2020 zu schliessen, ausserordentlich.»
Weiter halte der Stadtrat fest, dass mit der geplanten Schliessung der Schule ein hervorragendes Kompetenzzentrum für die kaufmännische Grund- und Weiterbildung sowie für die Berufsmaturität geschlossen werde. Und wörtlich: «Aus regional- und finanzpolitischen Gründen wird eine ausgezeichnete Schule geopfert.»
Effizientes Kompetenzzentrum
Wie der Stadtrat weiter schreibt, ist das KV Lenzburg das Kompetenzzentrum für die kaufmännische Ausbildung in allen Leistungszügen. Es biete Ausbildungen für Kauffrau/Kaufmann im B-Profil, E-Profil, M-Profil und ist kantonales Kompetenzzentrum der BM2 Wirtschaft und Dienstleistungen (WIDL), Typ Wirtschaft. Dank diesem Angebot ist die Durchlässigkeit bei Leistungsschwankungen gegeben. Zudem bildet das KV Lenzburg seit über 20 Jahren erfolgreich die Lernenden der BM2 Wirtschaft und Dienstleistungen, Typ Wirtschaft, aus (einziger Standort im Kanton Aargau) und ist somit der grösste Anbieter im Kanton Aargau.
Lenzburg verfügt heute über ein effizientes Kompetenzzentrum für die berufliche Grundbildung und die Berufsmaturität.
Bedauerlich ist aus Sicht des Startrates, dass der Regierungsrat die von den KV-Schulen und -Schulvorständen in Angriff genommenen Kooperations- und Fusionsabsichten bei seiner Beurteilung nicht berücksichtigt, «denn mittels dieser Kooperationen respektive Fusionen könnte der gewünschte Sparbeitrag über Klassenoptimierungen erreicht werden».
In der Mitteilung des Stadtrats wird zudem daran erinnert, dass vom Kanton und von der Schule vor wenigen Jahren das KV-Schulhaus für rund 4,5 Millionen Franken saniert und für einen modernen, zeitgemässen KV-Schulbetrieb fit gemacht wurde.
Der Stadtrat vertiefe seine Überlegungen betreffend zukünftige Nutzung des Gebäudes im Eigentum der Stadt Lenzburg.
Aussenstandort keine Alternative
Die vom Kanton angedachte Nutzung des Schulhauses am Freischarenplatz als Aussenstandort für Fachangestellte Betreuung der Berufsfachschule Gesundheit (BFGS) in Brugg kommt für Stadtammann Daniel Mosimann «überhaupt nicht Frage».
Da rückt eher wieder in den Fokus, das ehemalige Handelshaus der Familien Hünerwadel aus dem 18. Jahrhundert intensiver in die Standortplanung der Stadtverwaltung einzubeziehen. Die ebenerdigen Räume liessen sich etwa für ein hindernisfrei zugängliches Stadtbüro verwenden.
Berufsschule zufrieden
Im Gegensatz zum aufzulösenden KV Lenzburg Reinach wird die gewerblich-industrielle Berufsschule Lenzburg (BSL) durch die Planung des Kantons mit der Übernahme einer weiteren Holzbaugruppe leicht gestärkt. «Für meine Schule bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Kantons», sagt BSL-Rektor Ruedi Suter.



