«Das alte Haus von Rocky Docky» geht Ende Schuljahr in Pension
Musikschule Nach 38 Jahren wird die Musikschulvilla an der Angelrainstrasse aus dem Schuldienst entlassen. In Musikschulleiter Heinz Binder weckt der Abschied «Wehmut und Freude».
Idyllisch, unzeitgemäss, aber sicher immer stimmungsvoll. Dies sind einige Adjektive, die mit dem Sitz der Musikschule Lenzburg verbunden werden. Seit 1983 werden die immer zahlreicheren Musikschüler in einer ehemaligen Fabrikantenvilla an der Angelrainstrasse 4 unterrichtet.
Die Jugendstilvilla, die zu einem Ensemble mit drei anderen Fabrikantensitzen gehört, wurde mit viel Engagement der Lehrpersonen – teilweise unter Mithilfe der Schüler – von einem Wohnhaus in ein Schulgebäude umgerüstet.
Die drei Jahre vorher offiziell gegründete Musikschule löste mit ihren Angeboten eine derart grosse Resonanz aus, dass in den Schulhäusern Angelrain und Bezirksschule alsbald jedes vorübergehend freie Zimmer in Beschlag genommen wurde. Für die «räumlichen Engpässe» musste eine Lösung gesucht werden. Mit der Musikschulvilla wurde sie gefunden.
«Stimmige Atmosphäre»
«Das neue Heim schaffte nicht nur mehr Raum zum Unterrichten, sondern auch Raum für Begegnungen, für besondere Veranstaltungen und sorgte damit für eine stimmige Atmosphäre», erinnert sich Ruth Lüthi, die damalige Präsidentin der Musikschulkommission, an den Bezug.
Inzwischen haben fast zwei Generationen von Lenzburger Schülern hier ihren Musikschulunterricht besucht. Zahlreiche Musiklehrer haben dabei innerhalb des Hauses eine veritable Odyssee hinter sich.
Blockflötenlehrerin Sibylle Hämmerli, die nach 28 Musikschulvilla-Jahren im Sommer pensioniert wird und froh ist, den Umzug nicht mehr mitmachen zu müssen, unterrichtete der Reihe nach in den Zimmern 8 («sehr hell und sonnig»), 12 («mit unvergleichlichem Blick aufs Schloss», 11 («klein») und 4 («mit grossem Einbauschrank»).
Zwiespältige Gefühle
Der aktuelle Musikschulleiter Heinz Binder betont die «emotionale Verbundenheit mit dem altehrwürdigen Musikschulhaus». Als Mitglied der Baukommission blickt er jedoch mit Zuversicht dem Wechsel in die umgebauten Räume im ehemaligen Bezirksschulhaus entgegen: «Dort werden uns helle, bestens eingerichtete Unterrichtszimmer in genügender Anzahl zur Verfügung stehen.» Mit «Wehmut und Freude» umschreibt Binder seine Gefühle.
Vor dem Wechsel wird jedoch «unser altes Haus von Rocky Docky gebührend verabschiedet». Letzter Programmpunkt des Finales vom 9. Juni ist um 17.30 Uhr der Auftritt von rund 100 Kindern, die das textlich an die besonderen Lenzburger Verhältnisse angepasste Lied vom «Rocky Docky»-Haus singen.
Das Finale der Musikschulvilla mit Konzerten, Führungen und einer «Besetzung»
Programm Am übernächsten Samstag, 9. Juni, wird mit einem abwechslungsreichen Programm Abschied genommen von der Musikschulvilla. Unter dem Titel «Grosses musikalisches Finale zu Ehren unseres Musikschulhauses» werden zwischen 10 und 18 Uhr verschiedene Musikschulensembles aufspielen.
Dies geschieht auf drei verschiedenen Bühnen: im Haus, in einem Festzelt auf der Angelrainstrasse und im grossen Garten. Hier kann das Publikum nicht nur der Musik lauschen, sondern hat auch einen schönen Blick Richtung Schloss. «Die Darbietungen zeigen das vielfältige Schaffen an unserer Schule», heisst es im Programm-Flyer. Neben diesen «musikalischen Leckerbissen» gibt es eine Verpflegungsmöglichkeit durch die Metzgerei Häusermann und eine eigens eingerichtete Kaffeestube. In drei Führungen um 12, 14 und 16 Uhr erläutert der ehemalige Stadtschreiber Christoph Moser den Interessierten Wissenswertes über die Geschichte des Gebäudes – und zwar nicht nur über die letzten 38 Jahre in der Funktion als Musikschulvilla.
Schon an diesem Wochenende wird in der Musikschulvilla gefeiert. Vom Freitag, 1. Juni, auf Samstag kommt es zu einer «friedlichen Besetzung», wie es Musikschulleiter Heinz Binder umschreibt. Die Musikschullehrer feiern ein «internes Fest» mit Grillieren und Übernachten im Schlafsack. Eine Jam-Session wird sicher auch nicht fehlen. (tf)







