Darum logierte die Armee im Hotel Krone

Wegen Corona in der «Krone»:  Das Hotel, wo das Kader des Gebirgsinfanteriebataillons 91 logierte, wurde bewacht (links unten). Foto: Fritz Thut

Wegen Corona in der «Krone»: Das Hotel, wo das Kader des Gebirgsinfanteriebataillons 91 logierte, wurde bewacht (links unten). Foto: Fritz Thut

Frischluft-Krafttraining: Die Soldaten hielten sich bei der Mehrzweckhalle fit. Foto: zvg

Frischluft-Krafttraining: Die Soldaten hielten sich bei der Mehrzweckhalle fit. Foto: zvg

Militär: Es spielten sich ungewohnte Szenen rund um das geschlossene Mercure-Hotel Krone ab: Vor dem Haus patrouillierten bewaffnete Soldaten, der Zugang war nicht erlaubt. Grund: Ein Militärbataillon hatte dort bis gestern seine Kommandozentrale eingerichtet und dirigierte von hier aus den Unterstützungsdienst an der Schweizer Grenze.

Stop – Zugang verboten!» Das knallig rote Plakat mit der schwarzen Schrift beim Hoteleingang liess keinen Interpretationsspielraum zu. Zudem markierten bewaffnete Soldaten Präsenz. Auf die Frage des Journalisten, was denn da los sei, antwortete der diensthabende Armeeangehörige unmissverständlich, aber freundlich, dass er dazu keine Aussage machen dürfe.

Zwei Minuten später trat Stabsadjutant Manuel Bangerter vor das Hotel und gab bereitwillig Auskunft. «Entschuldigen Sie, dass ich Sie nicht ins Hotel bitten kann. Aber Zivilisten haben leider keinen Zutritt», sagte der Informationsbeauftragte. Dann erläuterte er den Grund der Stationierung des Gebirgsinfanteriebataillons 91 in der Bezirkshauptstadt.

Auftrag an der «grünen Grenze»

Seit der Bundesrat Ende März die Grenzkontrollen verschärft hat, leistet die Armee Assistenzdienste und greift dabei der Zollverwaltung respektive dem Grenzwachtkorps helfend unter die Arme. Zum einen mit Militärpolizisten an den geöffneten Grenzübergängen, zum anderen mit Milizsoldaten im so genannten Zwischengelände.

Dort, an der «grünen Grenze», wird beobachtet, angehalten und gemeldet. Um die Einsätze der drei Kompanien in den Regionen Genf, Basel und Schaffhausen zu koordinieren, hatte sich die Kommandoebene in Lenzburg eingerichtet. Wie gross das Kontingent von Armeeangehörigen in Lenzburg bis gestern war, ist nicht bekannt. «Tut mir leid, aber das darf ich nicht bekannt geben», entschuldigt sich Bangerter.

«Muscle Beach» bei der MZH

Gearbeitet, geschlafen und gegessen wurde im Hotel, die Verpflegung wurde aus der unterstützenden Stabskompanie, mit Sitz in der Lenzburger Mehrzweckhalle, angeliefert. Laut Beitrag auf der Facebook-Seite des Gebirgsinfanteriebataillons 91 durfte man «dank unseren fachkundigen Köchen und den engagierten Küchenmannschaften stets sehr gut essen». 

In der Mehrzweckhalle waren ebenfalls Armeeangehörige stationiert. Und dort kam es in den vergangenen Tagen und Wochen zum einen oder anderen prominenten Besuch. Am Ostersonntag machten beispielsweise Korpskommandant Aldo C. Schellenberg sowie Chefadjutant Hutmacher ihre Aufwartung und bedankten sich bei der versammelten Truppe für ihren grossen Einsatz. 

Die Soldaten zeigten auch abseits das Militäralltags viel Engagement. Wie auf ihrer Instagram-Seite zu sehen ist, bauten sie auf dem Parkplatz der Mehrzweckhalle ein Outdoor-Fitnesscenter auf. Quasi ein «Muscle Beach» in Lenzburg. «Wir haben unseren Aufenthalt hier trotz der Umstände genossen», bilanzierte Stabsadjutant Manuel Bangerter.

Hotelmanager zeigt sich zufrieden

Dass die Führungsriege des Gebirgsbataillons 91 in seinem Hause logierte, freut Harald Raab. «Wir haben geschlossen. Aber so konnten wir immerhin 26 Zimmer belegen und die Konferenzräume zur Verfügung stellen», bilanziert der Manager des Mercure-Hotels Krone den Aufenthalt der speziellen Gäste. 

Dass sein Betrieb ausgewählt wurde, sei wohl ein Zufall gewesen. Raab: «Ich erhielt einen Anruf des Quartiermeisters. Der suchte ein Hotel in Lenzburg – so einfach war das.» Der Aufwand für Raab und sein Team hielt sich in engen Grenzen, die Küche blieb beispielsweise geschlossen. 

Jetzt, da das Militär wieder abgezogen ist, wartet er wie alle seine Berufskollegen darauf, dass der geordnete Alltag möglichst bald wieder losgehen möge. Raab: «Das ist das, was wir in dieser Situation machen können – warten.»

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