Damit Lenzburg nicht zur verblühenden Stadt wird
Die Künstlerin Irma Hediger stellt mit kritischem Auge die Veränderungen in ihrer Umgebung fest. In ihren Bildern hält sie Veränderungen in Lenzburg fest.

Eine «blühende Stadt» hatte einst ein Stadtammann versprochen. Etwas ernüchtert stellen wir heute fest, dass vor allem das Baugewerbe floriert, währenddem das innerstädtische Gewerbe serbelt. Beides hat seine guten Gründe. Zum Beispiel positiv, dass Lenzburg ein beliebter Wohnort ist und darum wächst. Das notwendige verdichtete Bauen aber geht auf Kosten der Grünflächen. Die einstige Gartenstadt wird zur Betonville. Es gilt, zu den noch verbleibenden natürlichen Inseln Sorge zu tragen. Damit Lenzburg auch in dieser Beziehung grünt und blüht.
Irma Hediger stellt seit Jahren mit dem subtilen kritischen Auge der Künstlerin die Veränderungen ihrer Umgebung fest. Werden und Vergehen spiegeln sich immer wieder in ihren Werken. Wie ein Vermächtnis für die Zukunft hält sie mit luziden Aquarellen und kraftvollen Ölbildern auf gross- und kleinformatigen Bildern fest, wie Dinge und Situationen verschwinden oder neu entstehen.
Noch im Atelier im Wisa-Gloria-Areal waren es die Um- und Abbauten beim Werkhof und die brachliegenden Schienen. 2009 trat sie mit einer Dokumentation der Bauarbeiten rund um die Stadtmauer an die Öffentlichkeit. 2014 widmete sie sich dem romantischen Garten von Peter Mieg am Sonnenberg. Und aktuell ist es das Blumenfeld beim Autobahnanschluss im Neuhofgebiet, welches dem ungebremsten Bauboom zum Opfer fällt: Die Profilstangen zeigen eine Grossüberbauung an.
Seit Irma Hediger gerüchteweise von den Überbauungsplänen am Stadtrand gehört hat, besucht sie diesen Ort und begleitet die üppige Vegetation durchdie Jahreszeiten. Der Selbstbedienungs-Pflanzgarten wird seit 20 Jahren von Lukas Frey vom Klosterhof Muri gehegt und gepflegt. Ein an unerwarteter Lage liegendes Blumenparadies, an dessen bunter Farbenpracht sich wohl nicht wenige im Stau steckende Automobilisten gelegentlich delektieren. Die Garten- und Blumenfreundin will damit so zu sagen posthum den Passanten die Augen öffnen dafür, was hier endgültig verloren geht.
Es ist eine riesige Pflanzen-Vielfalt, welche wie ein Teppich die Einfamilienhäuser von den Betonpisten trennt und sich im natürlichen Zyklus der Natur stetig verändert. Frühlingsboten, Sommerflor, Herbstgewächse, Narzissen, Tulpen, Osterglocken, Anemonen, Iris, Sonnenblumen, Lilien, Astern, Gladiolen, Steinnägeli – und wunderbare Rosen. Irma Hediger kennt sie alle und bringt sie ins Atelier am Sandweg, wo sie je nachdem akribisch genau oder auf Farben und Formen reduziert porträtiert werden.
Diese Ernte wird sie jetzt der Öffentlichkeit präsentieren. Das Motto der Ausstellung im HächlerHaus heisst deshalb «Letzte Rose». Es ist, wie Irma Hediger sagt, ihr stiller – und stilvoller – Protest gegen die Verarmung der natürlichen Umwelt. Und eine Mahnung, Lenzburg nicht vollends zur verblühenden Stadt werden zu lassen.
Ausstellung
HächlerHaus beim Kronenplatz: «Letzte Rose», Ausstellung von Irma Hediger, Lenzburg. Vernissage: Freitag, 4. November, 18 Uhr. Wort & Klang: Freitag, 11. November, 19 Uhr, mit Silviaanna Gut, Poesie, und Kurt Gobetti, Gitarre. Finissage: Sonntag, 20. November, 16 Uhr. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr.



