Bald Liebesromanze hinter dem Gofi?
Bio-Landwirt Lukas Häusler und der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg verfolgen das Ziel, den Wiedehopf wieder anzusiedeln. Im letzten Frühling tauchte ein Männchen auf, doch ein Weibchen liess sich damals noch nicht blicken.
Lukas Häusler sorgt für Nistkästen und bemüht sich um Nischen und Löcher in Trockenmauern. Er identifiziert sich mit dem «Aktionsplan Wiedehopf Schweiz» und strengt sich in lobenswerter Weise an, den Wiedehopf in Lenzburg wieder anzusiedeln. Am 13. April 2017 wars, als er einen dem Wiedehopf ähnlichen Vogel über seinen Stall fliegen sah. «Ich habe den Verdacht, dass mich die Schreinerarbeiten an den Wiedehopfnistkästen schon ganz konfus gemacht haben und ich aus jedem Spatz einen Wiedehopf mache», gibt der die Natur liebende Bauer und Einwohnerrat offen zu.
Doch Lukas Häusler täuschte sich nicht. Wenige Minuten später erfuhr er, dass Brigitte Kieser den gleichen Vogel beim Bannhaldenweg beobachtet hatte und ihn als Wiedehopf ausmachen konnte. Mitte Mai tauchte der Wiedehopf erneut auf. Er konnte unterhalb des Gofischlösschens und in der Weide von Brigitte Vogel erkannt werden. Das Wiedehopfmännchen auf Brautschau? Seine inständigen Rufe verhallten im Leeren. Doch Lukas Häusler ist zuversichtlich, dass in diesem Frühjahr auch ein Weibchen auftaucht, und glaubt unbeirrt an eine Liebesromanze. Die «Wohnungen» stehen bereit. Über 25 Nistplätze haben er und der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg am Goffersberg eingerichtet. Mit der Sanierung von Trockensteinmauern durch die Stadt wurden zudem gezielt Nisthöhlen ausgespart.
Hohe Ansprüche an Lebensraum
Lukas Häusler kennt die Ansprüche des Wiedehopfs an sein Habitat. Der Vogel benötigt ein grosses Einzugsgebiet und sucht halboffene, reich strukturierte Kulturlandschaften. Dazu gehören Hecken, lockere Baumbestände und mit Trockenmauern durchsetzte Rebberge und Weiden. Zum Brüten braucht er Höhlen. Er schätzt Nistkästen in verschiedenen Formen und Grössen, braucht Nischen in alten Gebäuden und Trockenmauern. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten. Auf dem Menüplan stehen auch Feldgrillen, Engerlinge, Raupen und Käfer. Tatsache ist, dass die Insekten schwinden. Die Landwirte können viel zum Erhalt beitragen, beispielsweise durch den Verzicht auf Pestizide. Häusler ist überzeugt, mit dem Gofi, dem Büel, der Bannhalde und dem Chaibegarten seinen hohen Ansprüchen gerecht zu werden.
Ein Vogel zum Verlieben
Der Wiedehopf ist einer der bekanntesten und attraktivsten Vögel unseres Landes. Als Zugvogel überwintert er mehrheitlich in der Sahelzone Westafrikas. Dank seiner schwarz-weissen Flügel, dem langen, leicht gebogenen Schnabel und seiner prächtigen Federhaube ist er unverkennbar. Seine Gestalt erinnert an einen exotischen Vogel. Seit den 1970er Jahren ist der Wiedehopf aus dem ganzen Mittelland fast gänzlich verschwunden. Heute kommt er nur noch im Wallis sowie in wenigen Paaren im Tessin, in Graubünden und am Genfersee vor. Lukas Häusler und die Stellen, die das Projekt unterstützen wie der Bund, die Stadt und Birdlife, dürfen von einer Liebesromanze träumen. Läuten im nahen Frühling eventuell die Hochzeitsglocken hinter dem Gofi?







