Ausgegraben: Missale – Messbuch auf Umwegen

Nach Odyssee im Museum Burghalde gelandet: Das Missale von Ulrich Hirslin. Foto: zvg
Nach Odyssee im Museum Burghalde gelandet: Das Missale von Ulrich Hirslin. Foto: zvg

Eines der grossen Highlights in der Sammlung des Museums Burghalde ist das Missale des Ulrich Hirslin aus Lenzburg. Das historisch wertvolle liturgische Messbuch enthält die Gebete, die vom Priester gesprochen oder gesungen werden.

Wichtiger als der Inhalt dieses Missales ist jedoch die künstlerische Gestaltung des geschriebenen und gemalten Werkes. Es handelt sich somit um Luxushandschriften – verfasst rund drei Jahrzehnte nach der Erfindung des modernen Buchdrucks von Johannes Gutenberg.

Start bei Kaspar von Hallwyl

Das Missale des Ulrich Hirslin hat im wahrsten Sinne eine bewegte Geschichte. Es wurde 1483 verfasst. Der Auftraggeber ist nicht bekannt. Die ersten bekannten Besitzer des Werkes waren die Herren von Hallwyl. Sie waren möglicherweise bereits Ende des 15. Jahrhunderts im Besitz der kostbaren Handschrift. Jedenfalls war der erste namentlich erwähnte Besitzer Kaspar von Hallwyl.

Als dieser seinen Wirkungskreis von Schloss Hallwyl in die Ostschweiz verlegte, gelangte das Missale nach Schloss Wartensee in Rorschacherberg und in den Besitz von Kaspars Schwiegersohn, Wilhelm Blarer. Wie allerdings aus einer Notiz von 1572 hervorgeht, sollte das Missale – nach der gottgefälligen Rückkehr des Ortes zum katholischen Glauben – zurück nach Hallwil kommen. Denn einzig der Ort Hallwil habe Anspruch auf dieses Buch (!), so liess man verlauten.

Danach verliert sich die Spur des Missales, bis es 1932 auf einer Londoner Auktion vom Buchantiquariat Laube aus Zürich erworben wurde. Das kostbare Werk, dazumal im Besitz einer englischen Privatsammlung, sollte einen neuen Besitzer finden. Wie das Missale einst nach England gelangte, lässt sich nur erahnen. Möglicherweise kam es durch den englischen Komponisten Baron Robert Lucas Pearsall de Willsbridge dorthin. Dieser nämlich erwarb im Jahr 1843 das Schloss Wartensee – vermutlich – mitsamt Bücherbestand.

Den Zuschlag erhielt bei der Londoner Auktion ein Schweizer Händler, in dessen Besitz das Missale bis 2005 verblieb. Als bei einer Ausstellung im Disteli-Museum in Olten das kostbare Stück gezeigt wurde, kam bei Gottfried Wälchli, dem Betreuer dieser Ausstellung, der Wunsch auf, dass die mittelalterliche Handschrift eines Tages zurück nach Lenzburg gelangen würde. Also an den Ort, wo das Buch einst von Ulrich Hirslin vor Jahrhunderten geschaffen wurde. Mit der Erwerbung der Handschrift für das Museum Burghalde ging dieser Wunsch in Erfüllung.

Ob Kaspar von Hallwyl und seine Erben erfreut wären, dass ihr Missale heute im reformierten Lenzburg im Museum Burghalde ausgestellt ist? Ulrich Hirslin jedenfalls dürfte sich hoffentlich freuen.

Das Missale und zahlreiche andere Lenzburger Kostbarkeiten können im Museum Burghalde bestaunt werden.

«Ausgegraben». Hier schreiben Mitarbeiter des Lenzburger Museums Burghalde jeweils in der ersten Ausgabe des Monats über originelle Fundstücke.

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