Ausgegraben: Mein lieber Schwan

Keineswegs sterbend: Wisa-Gloria-Schwan im Museum Burghalde in Lenzburg. Foto: zvg
Keineswegs sterbend: Wisa-Gloria-Schwan im Museum Burghalde in Lenzburg. Foto: zvg

Wie einst die Kinderwagen am Fliessband der ehemaligen Lenzburger Wisa-Gloria-Spielwarenfabrik drehen heute Trottinette, Lastwagen und Schaukeltiere aus Holz und Metall ihre Runden im Dachgeschoss des Museums Burghalde.

Beim Anblick der farbenfrohen Spielsachen werden Kindheitserinnerungen wach. Viele der historischen Trouvaillen haben mehrere Generationen von Kindern erfreut. Was sie wohl alles erlebt haben?

Besonders anmutig schwebt der Schaukelschwan vorbei. Er ist nach dem Vorbild eines Höckerschwanes gefertigt. Als er vor rund 70 Jahren zum ersten Mal in einem Kinderzimmer stand, hatte er natürlich noch keine Dellen im Holz und die Farbe glänzte an allen Stellen. Vielleicht erzählte ja die Mutter manchmal die Geschichte des hässlichen Entleins, und die Kinder bewunderten dabei ihren schönen, neuen Schwan. So prächtig sah er aus mit seinen geschwungenen, spitzzulaufenden Flügeln.

Seine jüngeren Verwandten wurden später nur noch mit runden Flügeln gebaut. Zu dieser Zeit hatte er zwar schon ein paar Stürze hinter sich, und seine Kinder waren ihm schon entwachsen. Trotz der ersten Lackschäden konnten ihm die neuen Schaukelschwäne mit ihren runden Flügeln die Show nicht stehlen und heimlich spottete er etwas über sie.

Einmal wurde er versehentlich die Treppe hinuntergestossen. Hätte er seine Flügel bewegen können, er wäre davongeflogen. Stattdessen holte er sich eine arge Delle am Schnabel. Er fühlte sich zwar nicht sonderlich wertgeschätzt, doch er war ein unzerstörbares Spielzeug, kein sterbender Schwan. Welche echten und fiktiven Abenteuer der hübsche Schwan alles erlebt hat, lässt sich nur erahnen.

Jedenfalls wurde kein anderes Spielzeug der Firma Wisa Gloria so lange produziert wie der Schwan und seine hölzernen Artgenossen. Und das aus gutem Grund. Sie waren Meisterwerke aus Lenzburger Schreinereien. Im Laufe der Jahre aber ging das Interesse an den stabilen Holzspielsachen immer mehr verloren, und die meisten Objekte landeten nach dem Ausfliegen der Kinder und Kindeskinder im Estrich – oder erhielten, fein säuberlich restauriert, einen Ehrenplatz in der Sammlung des Museums Burghalde.

Der Schaukelschwan und viele weitere Spielzeuge der Firma Wisa Gloria können in der Dauerausstellung des Museums Burghalde bestaunt werden.

«Ausgegraben». Hier schreiben Mitarbeiter des Lenzburger Museums Burghalde jeweils in der ersten Ausgabe des Monats über originelle Fundstücke.

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