Anekdoten von Turnfüdli und Musiklehrer
Zur Frühlingsausgabe 2017 von «Lenzburg persönlich» am letzten Sonntag im Müllerhaus erzählten zwei Lenzburger Institutionen aus ihrem Leben.

Unter souveräner Gesprächsleitung von SRF-Moderatorin Christiane Büchli gaben Sportlehrerin Eva Baumann und Musiklehrer mit Kultstatus Edy Binggeli Einblicke in ihren Lebensalltag. Ein Gespräch von Lenzburgern für Lenzburger über Lenzburg, das Fremdsein und warum Offenheit die wichtigste Eigenschaft des Lenzburgers ist.
Eingeturnt und eingesungen versammelte man sich am letzten Sonntag zur ersten Ausgabe 2017 des Stadtgespräches im klassizistischen Festsaal des Müllerhauses, um in heimeliger Atmosphäre den Geschichten und Anekdoten zweier interessanter Mitbürger zu lauschen.
Eigentlich wäre Eva Baumann am liebsten Zirkusartistin geworden. Doch daraus wurde nichts. Wie so oft war es die Liebe, welche die studierte Sportlehrerin vor 35 Jahren aus der weiten Ferne St.Gallens in das beschauliche Lenzburg führte. Zunächst fremd im eigenen Land, fasste sie an der Seite ihres Mannes jedoch schnell Fuss in der Fremde und brachte mit innovativen Projekten rund um das Thema Sport Bewegung in das mittelalterliche Städtchen.
«Ich bin ein echtes Turnfüdli», schmunzelt die Sportskanone, die dank ihres aktiven und offenen Naturells schnell Anschluss bei den Mitbürgern und in Lenzburg eine neue Heimat fand.
Besonders schätzt Baumann die Herzlichkeit unter den Mitbürgern. «Ich geniesse es, in Lenzburg zu leben. Man kennt und grüsst sich. Das schweisst zusammen.»
Offenheit – gerade jetzt
Auch Musiklehrer und Chorleiter Edy Binggeli emigrierte einst aus dem Fricktal nach Lenzburg, schaffte den Sprung über die Jura-Berge und erlangte während fast vier Jahrzehnten als Musiklehrer an der Bezirksschule Lenzburg gar Kultstatus. «Ein Musiklehrer mit Promi-Status», titelte die Aargauer Zeitung am 28. Juni 2014 kurz nach seiner Pensionierung, die nicht nur für seine heute erwachsenen Schüler einen Wendepunkt bedeutete.
Lenzburg verändere sich rasant, stellt Binggeli fest. Und das in wesentlich schnellerem Tempo als noch vor einigen Jahren. Die neu entstehenden Aussenbezirke böten vielen Neuzugezogenen einen dauerhaften und attraktiven Lebensraum. «Ich wünsche mir, dass die Lenzburger grade jetzt offen bleiben, Fremde integrieren, freundlich sind miteinander und, auch wenn Lenzburg wächst, nicht in der Anonymität versinken», schliesst Binggeli.
Trotz allgemeiner Zustimmung verliessen die Besucher dieser dreizehnten Ausgabe von «Lenzburg persönlich» den Festsaal mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn auch das Müllerhaus steht vor einer Veränderung. Nach fast zwanzig Jahren in der Geschäftsführung verlässt Karin Büchli nun die heimischen Gemäuer und überlässt ihrer Nachfolgerin Ursula Furrer das Zepter.
Die wie Eva Baumann aus St.Gallen stammende Ursula Furrer blickt gespannt, aber optimistisch in die Zukunft und verkündet freudig: «Auch ich möchte eine echte Lenzburgerin werden.»



