Alle Kandiaten wollen Dialog stärken
Es ging um Profilschärfung in der Öffentlichkeit. Diese Vorgabe konnte das Podium der neu für den Lenzburger Stadtrat Kandidierenden nur bedingt erfüllen. Unterschiede und klare Bekenntnisse fehlten weitgehend.

Die Ausgangslage der Stadtratswahlen von Lenzburg ist klar. Am 24. September stellen sich vier Bisherige der Wiederwahl. Für den freien Platz der nicht mehr antretenden Heidi Berner (EVP) bewerben sich offiziell drei Kandidaten: Beatrice Burgherr (SP, Jahrgang 1960, Projektleiterin Helvetas), Beat Hiller (GLP, 1956, Geschäftsführer eines Ingenieurbüros) und Andreas Schmid (FDP, 1988, Leiter Sozialhilfe des Kantons Solothurn).
Um diese potenziellen Stadtratsmitglieder besser kennen lernen zu können, veranstaltete der Gewerbeverein Lenzburg und Umgebung im Restaurant Echt ein Podiumsgespräch. Moderator Jörg Kyburz versprach dem Publikum Entscheidungshilfe beim Ausfüllen des Wahlzettels.
«Das Gespräch suchen»
Dass diese Vorgabe nur bedingt erfüllt wurde, lag weniger an Kyburz als an den drei zu sehr auf Konsens bedachten Kandidaten. Besonders auffällig war dieser Zug beim Stichwort Bauboom/Stadtentwicklung. Man müsse und wolle früh den Dialog mit den Investoren und Planern suchen, wurde fast unisono verkündet. Das Trio meldete auch Bedenken an, ob die von der Stadt bisher angebotenen Mitsprachemöglichkeiten, etwa zur aktuell laufenden Nutzungsplanungsrevision, nicht doch nur eine Alibiübung darstellen.
Hiller bemängelte konkret, dass nicht einmal der Eingang einer Eingabe bestätigt werde: «Die Einbindung der Bevölkerung ist jetzt schlecht; der Dialog ungenügend.» Für Schmid ist solches Verhalten nicht tolerierbar; das sei eine Haltungs- und Stilfrage.
Während hier alle für mehr echten Dialog plädierten, konnte keiner der drei Kandidaten gegen das permanente Verkehrproblem ein Patentrezept liefern. Burgherr will den «Durchfahrts- vom Binnenverkehr trennen», Hiller weiss von Plänen, «den Stau vor die Stadt zu verlagern», und Schmid macht sich keine Illusionen und hielt fest, dass es «langfristig eine echte Umfahrungsstrasse braucht».
Investieren, reduzieren, einsparen
Dass in den nächsten Jahren die Finanzen auch für die Stadt Lenzburg immer mehr zu einem raren Gut werden dürften, kommentierten die drei Kandidaten unterschiedlich. Während es für die sozialdemokratische Kulturkommissionspräsidentin Burgherr klar ist, dass die Stadt mit mehr Einwohnern auch mehr Mittel investieren muss, plädierte der freisinnige Einwohnerrat Schmid für die Abkehr von Idealvarianten: «Wir müssen von 100-Prozent-Lösungen wegkommen und die Gesetze auch mal grosszügiger interpretieren.»
Während Schmid einige Steilpässe von Kyburz, sich doch explizit für Steuerfusssenkungen auszusprechen, bewusst ungenutzt verstreichen liess, ortete der grünliberale Einwohnerrat Hiller als einziger ein konkretes Sparpotenzial: «Beim städtischen Personal kann man 10 bis 15 Prozent einsparen.»
Mit diesen und andern klaren Aussagen profilierte sich Beat Hiller an diesem Podium dank seiner grössten politischen Erfahrung am stärksten, doch beim anschliessenden Apéro wurde betont, dass je nach persönlicher politischer Ausrichtung alle Kandidaten wählbar sind.



