Abschied von der «Oberstadt»

Chlausmärt am Donnerstag sowie Uustrinkete am Freitag und Samstag mit geladenen Gästen: Bevor die Wirtsleute Pia und Toni Peterhans die «Oberstadt» verriegelten, wurde letztmals kräftig angestossen.
Pia (61) und Toni Peterhans (66) haben den Schritt in die Pension behutsam vorbereitet. Nach 28 Jahren vollem Einsatz und Hingabe für die Gäste ziehen sich die beiden zurück. Die «Oberstadt» am Metzg- platz in Lenzburg wurde an Investor Heinz Walti in Untersiggenthal verkauft. Der neue Eigentümer sieht vor, die Liegenschaft mit 13 Hotelzimmern, Restaurant und Bar umzubauen.
Seit dem Kauf Ende 1989 von Metzgermeister Paul Vogt hat Toni Peterhans das Gebäude im Innern aufgemöbelt und Hotelzimmer eingebaut. Was im Innern verändert wurde, trägt seine Handschrift. Er, der gerne Architekt geworden wäre. Doch der junge Toni musste vor 50 Jahren seinen Wunsch zurückstellen. Als ältester Metzgerssohn erlernte er den Beruf als Metzger, legte erfolgreich die Meisterprüfung ab und besuchte die Handelsschule.
Gewandeltes Verhalten der Gäste
Pia und Toni Peterhans harmonierten optimal zusammen. Er ist denn auch voll des Lobes über seine Frau. Sie führte das Hotel, besorgte die Wäsche und diente im Service, während Toni sich um den Einkauf kümmerte und als Chef de Cuisine dafür sorgte, dass das Speiserestaurant immer gut lief.
In den vergangenen 28 Jahren haben die beiden einen Wandel im Verhalten der Gäste festgestellt. «Nach 22 Uhr kommen nur noch vereinzelt Gäste», erklärt Pia Peterhans. Vor allem die Vereine bleiben aus. Ganz im Gegensatz zu früher: «Da mussten wir mit Lüften beginnen und so die Gäste auf die Polizeistunde aufmerksam machen.» Kommt hinzu, dass das Rauchverbot und die 0,5-Promille-Grenze einschneidende Folgen hatten. Leicht nachzuvollziehen, warum Toni Peterhans ein Fumoir eingebaut hat.
Nun wird zusammengepackt und in das neue Haus in Hägglingen gezügelt. Die Umstellung dürfte gewaltig sein: vom emsigen Treiben im Restaurant und auf dem Metzgplatz hin in die Ruhe des beschaulichen Dorfes Hägglingen. Wehmut dürfte sicherlich aufkommen. Verständlich, denn die Gäste sind ihnen eben ans Herz gewachsen.



