51'152 Badigäste und 25 Schlaglöcher

Das städtische Leben auf 108 Seiten: Titelseite von «2019 Jahresberichte». Foto: zvg
Das städtische Leben auf 108 Seiten: Titelseite von «2019 Jahresberichte». Foto: zvg

Jahresberichte: Was ist im letzten Jahr in der Stadt gelaufen? Die Broschüre «2019 Jahresberichte» listet auf 108 Seiten das Wichtigste auf.

Damals war noch weitgehend heile Welt. Erneut hat die Stadt Lenzburg eine informative Broschüre über das öffentliche Geschehen im letzten Jahr herausgegeben, gespickt mit zahlreichen Grafiken und Fotos, zu denen städtische Mitarbeiter und Würdenträger Modell standen. «2019 Jahresberichte» bietet nicht nur kommunalen Politikern einen interessanten Querschnitt durchs städtische Leben.

In erster Linie richtet sich das Werk an die Mitglieder des Einwohnerrats, die hier erfahren sollen, was die Exekutivmitglieder und Angestellten der Stadt im letzten Jahr alles geleistet haben. Andernorts hiesse eine analoge Zusammenstellung «Rechenschaftsbericht», wäre kürzer, prägnanter und sicherlich weniger bunt ausgefallen.

Präsidialer Rück- und Ausblick

Doch auch in Lenzburg werden die wichtigsten Daten geliefert – nicht zuletzt weil im letzten Jahr einige Stadtparlamentarier vor lauter farbigen Bildli die Substanz kaum gefunden haben. Zu Handen der Nachwelt werden die Zahlen eingebettet in Beurteilungen und Einschätzungen, garniert mit Aussagen zu aktuellen Fragen und Werbespots zu etlichen städtischen Sehenswürdigkeiten, die auch vielen Alteingesessenen nicht geläufig sind.

In der einleitenden Würdigung durch Stadtammann Daniel Mosimann kommt das Klopfen auf die eigenen Schultern nicht zu kurz: «Im vergangenen Jahr ist sehr vieles gut gelungen und auf gutem Weg.» Doch die Einschränkung folgt auf dem Fuss: «Aber es gab auch Tiefschläge zu verdauen.» In seinem Editorial meint Mosimann damit die 2019 erfolgte Bekanntgabe der definitiven Schliessung des KV Lenzburg-Reinach. Das Ende der traditionsreichen Schule ist nah; das aktuelle, in diesem Sommer endende Schuljahr ist das letzte.

Ein Ende ist immer auch ein Anfang. Der Stadtrat will das nun frei werdende Hünerwadelhaus am Freischarenplatz mit dem Projekt «Lenzburg 21» in ein Verwaltungszentrum verwandeln. Diesem Vorhaben, zu dem die Bürger in diesem Jahr noch abzustimmen haben, ist in der Jahresbroschüre eine ganze Doppelseite gewidmet. Es gehe hier nicht nur um eine bauliche Zentralisierung der bisher an neun Standorten verstreuten städtischen Verwaltungseinheiten; das Projekt wird «kombiniert mit einer Prozess- und Aufgabenüberprüfung». Das Ziel soll eine «zentrale, kundenorientierte Anlaufstelle» sein, in der sich «Besucher in hellen Räumen willkommen geheissen fühlen sollen».

Erstmals mit Ortsbürgerteil

Neben solchen Aussichten zu verschiedenen Grossprojekten (Bahnhofumbau, Bau- und Nutzungsordnung, Schulraumplanung inklusive Mittelschule) findet man in «2019 Jahresberichten» naturgemäss viele Details und Zahlen. Rekordwerte – wenigstens, was die Vergleiche mit den Vorjahren betrifft – gab es etwa bei den Ordnungsbussen der Regionalpolizei (27739) oder bei den Gästen im Schwimmbad Walkematt (51152).

Auf der andern Seite gab es 2019 nur noch 87 Baugesuche, was gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von 17 Prozent bedeutet und immer noch 10 Gesuche unter dem Wert von 2015 liegt. Ebenfalls im Kapitel «Bau und Umwelt» findet man zum Thema Strassenunterhalt die Information, dass «25 grössere Schlaglöcher repariert» und «2400 Meter Belagsrisse vergossen» wurden. Nebst nüchternen Zahlen findet man unter «Bildung» eine blumige Schilderung einer (!) Herbstlagerwoche im gemeindeeigenen Ferienhaus in Samedan: Vorsorglicher Beruhigungsbalsam für unvermeidliche Interventionen im Einwohnerrat?

Erstmals sind auch die Belange der Ortsbürgergemeinde in der Zusammenstellung berücksichtigt. Man erfährt vieles zur Neuorganisation, zum Museum Burghalde, zum Kieswerk und zu den Forstdiensten Lenzia.

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