Seetalkonferenz: Mobil über die Kantonsgrenze
Beinwil am See Die fünfte Seetalkonferenz fand am 21. September im Löwensaal in Beinwil am See statt. Auf dem Podium diskutierten Bundesrat Albert Rösti, der Aargauer Landammann Stephan Attiger und der Luzerner Regierungsrat Fabian Peter über die Mobilität im ländlichen Raum.
Die Seetalkonferenz – organisiert von der Begleitgruppe kantonsübergreifendes Entwicklungskonzept Seetal (KEK Seetal) des Verbands Lebensraum Lenzburg Seetal und des regionalen Entwicklungsträgers Idee Seetal – findet alle zwei bis drei Jahre statt. Ihr Ziel ist es, Behördenmitglieder zusammenzubringen und ein gemeinsames Verständnis für die Entwicklung der Region zu schaffen. Im Zentrum des fünften Netzwerkanlasses stand die Frage, wie die Mobilität im ländlichen Raum und vor allem im Seetal künftig gestaltet werden kann.
Interkantonale Zusammenarbeit
Raimund Wenger, Leiter KEK und Geschäftsführer Idee Seetal, begrüsste die Anwesenden, bevor er das Wort an Moderator Armin Camenzind übergab, der durch den Anlass führte. Zum Auftakt stellte Martin Grütter, Gemeindeammann Beinwil am See, den Veranstaltungsort vor und sagte: «Ich sehe keine kantonalen Unterschiede beim Wald, bei den Feldern und den Strassen. Entwicklungsthemen können nicht nur kantonal gelöst werden, deshalb sind wir heute hier.» Anschliessend sprach der Präsident von Idee Seetal, David Affentranger, die Kantonsgrenze an und appellierte an die Regierungs- und Gemeinderäte, gemeinsam daran zu arbeiten, dass die Grenze weniger spürbar werde. Aargauer und Luzerner sollten sich in Zukunft einfacher mit Velo, Auto oder öffentlichem Verkehr über die Kantonsgrenze hinweg bewegen können. Für Andreas Schmid, Stadtpräsident von Lenzburg und Präsident des Verbands Lebensraum Lenzburg Seetal, sei die Grenzüberschreitung im Alltag selbstverständlich. Für die politische Planung hingegen sei sie durchaus ein Thema. Deshalb sei er dankbar für den guten Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kantonen. «Wenn wir Seetalerinnen und Seetaler zusammenarbeiten, können wir bessere Lösungen umsetzen», so Schmid.
Automatisiertes Fahren
Im Fachreferat erklärte Verkehrsingenieurin Jacqueline Stutz, inwiefern automatisiertes Fahren künftig eine Lösung für unsere Verkehrsprobleme sein könnte. Sie eröffnete mit dem Satz: «Vorsicht, wenn Menschen von heute auf Strassen von gestern mit Autos von morgen fahren.» Automatisierte Fahrzeuge sind Fahrzeuge, die mithilfe entsprechender Technologien selbstständig manövrieren können. Während diese in den USA, in China und Israel schon Realität sind, stecken sie in der Schweiz noch «in den Kinderschuhen». In Europa sollen automatisierte Fahrzeuge künftig als Shuttlebusse zur Entlastung des öffentlichen Verkehrs eingesetzt werden. Beim sogenannten Ridepooling buchen Personen per App ein automatisiertes Fahrzeug und teilen sich die Fahrt mit anderen Personen, die ähnliche Routen fahren. In der Schweiz gibt es bereits verschiedene Projekte in der Testphase. Man brauche allerdings noch Geduld. Jacqueline Stutz regte deshalb an, nicht bloss zu warten, sondern sich frühzeitig zu informieren und entsprechendes Know-how aufzubauen.
Bundesrat Rösti zur Grossvorlage
Bundesrat Albert Rösti, Vorsteher des eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, betonte die Bedeutung einer gesamtheitlichen Verkehrsplanung. Strasse und Bahn sollten nicht getrennt betrachtet oder gegeneinander ausgespielt werden, sondern Teil eines gemeinsamen Verkehrskonzepts sein. Das gesamtschweizerische Projekt Verkehr 45, das umfangreiche Strassen- und Bahnprojekte bis 2045 umfasse, betreffe ausserdem das Seetal direkt. Für die Region sei insbesondere der geplante Durchgangsbahnhof Luzern von Bedeutung. Dieser stelle beim Ausbauplan ein Prioritätsprojekt dar, da er eine umfassende Entlastung und Fahrplanerweiterungen ermögliche – auch für das Seetal.
Stadt und Land vernetzen
Die Verkehrsdrehscheiben stellen laut Fabian Peter, Luzerner Regierungsrat, ein wichtiges Element der Verbindung zwischen Stadt und Land dar. Diese Knotenpunkte erlauben die Vernetzung verschiedener Verkehrsarten. Die Seetalbahn spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie die Bahnanbindung an diese Verkehrsdrehscheiben sicherstellt. Damit auf der Seetalbahn künftig dicht getaktete Verbindungen möglich würden, komme wiederum der Durchgangsbahnhof Luzern ins Spiel. Peter sprach sich dafür aus, Nationalstrassen, Bahnsystem und Agglomerationsprojekte zusammen in einer Gesamtschau zu betrachten – denn: «Mobilität muss vernetzt sein.»
Gemeinsame Grundlagen
Der Aargauer Landammann Stephan Attiger betonte die Bedeutung einer aufeinander abgestimmten Planung über die verschiedenen Ebenen hinweg. Der Bund decke die Hauptverkehrsadern ab, der Kanton die Kantonsstrassen und die Hauptrouten des öffentlichen Verkehrs. In den Regionen könne darauf aufbauend die entsprechende Erschliessung sichergestellt werden. Ein regelmässiger Austausch zwischen den beiden Kantonen finde bereits statt. Auch die Planungsgrundlagen seien dieselben. Damit sind wichtige Voraussetzungen für eine gemeinsame Weiterentwicklung der Mobilität im Seetal geschaffen.







