Gefiedertes Personal beim Militär
Meisterschwanden In der Militärsammlung in Meisterschwanden gibt es viele Exponate zu entdecken. Seit dem 1. November läuft die «Sonderausstellung Brieftauben», an der Besuchende mehr über dieses besondere Personal im Dienst der Armee erfahren können.
Tauben als Nachrichtenübermittler, das ist allgemein bekannt. Dass Brieftauben auch lange in der Armee in diesem Bereich ihren Einsatz taten, das weiss vielleicht nicht jeder. Und dann gab es sogar die Idee, sie mit einer winzigen, automatischen Kamera auszustatten, um Bildinformationen zu sammeln. «Gefiederte Spione» sozusagen, doch als Serienproduktion liess sich das Vorhaben nicht umsetzen.
An der Sonderausstellung wird genauer erklärt, wie aus Brieftauben Soldaten wurden und in welchen Bereichen sie eingesetzt waren. Eine Vitrine stellt ausgestopfte Tauben vor, eine ausgestattet mit Fusshülsen für Nachrichten, eine andere trägt eine Minikamera vor ihrer Brust. Fasziniert verweilten die Besucher der Ausstellungseröffnung vor den Exponaten und tauschten sich dazu aus.
Als Koordinator der Ausstellung stellte Martin Widmer die beiden Referenten Hans-Peter Lipp und Adrian Michel von der Adrian Michel AG vor. Lipp ist der ehemalige Chef des Brieftaubendienstes der Schweizer Armee, Michels Vater entwickelte die Brieftaubenkamera. Als emeritierter Professor am Institut für Evolutionäre Medizin an der Universität Zürich stellte Hans-Peter Lipp dar, wie Tauben bereits in der Antike zur Sendung von wichtigen Botschaften eingesetzt wurden. «Eine Prägung auf Geburts- und Aufzuchtsort ermöglichte Heimkehr aus allen Richtungen», schilderte er und hatte zudem ein interessantes Beispiel: «An den Olympischen Spielen wurden Tauben von zu Hause mitgenommen und brachten Siegesnachrichten nach Hause.»
Nachrichtenübermittler in gefiederter Mission
Diese Form der hilfreichen Nachrichtenübermittlung hätten sich schliesslich verschiedene Armeen zunutze gemacht, beispielsweise im Ersten Weltkrieg 1914–1918. «In der Schweizer Armee wurden Brieftauben seit 1917 eingesetzt», so Hans-Peter Lipp. Die Brieftauben seien hauptsächlich bei Aufklärungspatrouillen eingesetzt worden. Dabei transportierten sie Notizen, Skizzen und sogar Bodenproben in kleinen Hülsen, die an ihren Füssen oder der Brust angebracht waren. «Die Tiere wurden immer paarweise losgeschickt», führte der Referent aus. «Greifvögel können nur eines erjagen.» Allerdings habe es auch Nachteile gegeben, denn Brieftauben müssten immer erst an feste Plätze, zu denen sie zurückkehren, angewöhnt werden. «In einem Bewegungskrieg mit Panzern sind sie ungeeignet.»
Doch wie war das noch mit der Brieftaubenkamera? Hier berichtete Adrian Michel, wie sein Vater Adrian Michel besagte Kamera entwickelte. «Unbeantwortet bleibt, ob mein Vater etwas von einem deutschen Apotheker namens Julius Neubronner gewusst hat», merkte Michel an. Jener habe bereits 1903 Brieftaubenkameras gebaut und sogar an die Deutsche Armee verkauft. Diese Kameratechnik war Michels Vater bekannt, als er 1931 beim Brieftaubendienst in der Schweizer Armee eingeteilt wurde. Sein Sohn erzählte: «Nun, er hat dieses Projekt erneut aufgegriffen und perfektioniert.» Seine Kamera sei handlicher und technisch ausgefeilter gewesen. Trotz angemeldeter Patente erwies sich die Brieftaubenkamera leider nicht als geschäftlicher Erfolg. «Niemand wollte sie in grosser Stückzahl bauen.» Dafür waren zwei dieser Objekte Jahrzehnte später ein wahrer Preishit. «An einer Versteigerung von Christie’s wurden Kameras für 19000 bis 29000 Franken angeboten», schilderte Adrian Michel. Zuvor hätte die Familie diese zu einem weitaus günstigeren Preis an einen Interessenten verkauft. Er resümierte trocken: «Nun war eindeutig klar, wir hatten die Kameras viel zu billig verkauft.»
In der Schweizer Armee hatten Brieftauben irgendwann ausgedient. Bis 1994 taten sie ihren Dienst – die Armee arbeitete mit privaten Taubenzüchtern zusammen. Dabei zeigten die Vögel sich als vielseitiger, als manch Kritiker dachte: Hans-Peter Lipp erklärte, die gelehrigen Brieftauben hätten sich durchaus für Nachtflüge und für Zweiwegverbindungen trainieren lassen. Dennoch führten Sparmassnahmen und die Entwicklung der elektronischen Datenübermittlung zur Einstellung des Brieftaubendienstes. Zum Abschluss hatten die Gäste noch die Möglichkeit, diese ebenso intelligenten wie schönen Vögel aus der Nähe kennenzulernen und mitzuerleben, wie die Vögel aus ihren Transportboxen heraus zum Flug starteten.
Vom 1. November bis Ende Mai läuft die Sonderausstellung «Brieftauben». Die Militärsammlung Meisterschwanden bietet Besuchstage und Gruppenführungen nach vorheriger Anmeldung an. Dieses Jahr finden noch zwei Besuchstage am 28. November und 29. Dezember statt.







