«Man sieht von aussen nicht, was alles dahintersteckt»

Jubiläum Am 6. September feiert die Höhere Fachschule Gesundheit und Soziales in Aarau «20 Jahre Pflege HF». Ein Berufsbild, das von unzähligen Gesichtern geprägt wird. Eines davon gehört Simea Kissling aus Seon.

Simea Kissling hat ihre Berufung in der Pflege gefunden.Foto: Graziella Jämsä

Ich habe in verschiedensten Berufsgattungen geschnuppert, als es um meine Zukunft ging», erinnert sich Simea Kissling mit einem leichten Schmunzeln. «Ich war in einem Blumenfachgeschäft, bei einem Bäcker, ich war in einer Drogerie und versuchte mich als Pferdepflegerin.» Doch Klick gemacht habe es erst während ihrer Zeit im Kantonsspital Aarau (KSA). «Es war die Kombination, die mich fasziniert hat: der soziale Aspekt des Miteinanders und die Komplexität der Medizin.»

Simea Kissling absolvierte direkt nach Schulabschluss die Ausbildung Fachangestellte Gesundheit. Aktuell ist sie im fünften Semester zur diplomierten Pflegefachfrau. Wie hat sich ihre Berufsbetrachtung entwickelt? «Wenn man einen Menschen pflegt, kommt man ihm sehr nahe. Also sollte ich unvoreingenommen sein. Es ist nicht meine Aufgabe, zu werten. Ich bin da, um zu helfen.» Alle Begegnungen, alle Erfahrungen würden sie auch als Privatperson bereichern. «Ich habe an Selbstbewusstsein gewonnen und werde angesichts unerwarteter Ereignisse viel weniger nervös.»

Mit Herz dabei

Im Alltag einer Pflegefachfrau hat der Tod seine Präsenz. Was bedeutet das für sie? «Ich bin auch dem Tod von Kindern auf der Onkologie begegnet. Man baut zu den Kindern und ihren Familien eine Beziehung auf über die Zeit während der Spitalaufenthalte. Wenn Kinder dann sterben, macht mich das sehr betroffen.» Sie schweigt einen Moment. «Aber man kann den Tod nicht verhindern. Ich kann nur jeden Moment mein Bestes für die Menschen tun.» Bei all ihren Schilderungen strahlt Simea Kissling eine grosse Ruhe aus. Man kann sie sich gut in ihrer geplanten Ausrichtung «Kinder-, Jugend- und Familienmedizin» vorstellen. «Man bekommt von jedem Patienten, jeder Patientin etwas zurück. Aber bei Kindern ist es noch direkter, es hat eine eigene Energie.»

Schöne und schwere Zeiten

Was wünscht sie sich von Seiten der Gesellschaft? «Wenn ich von meinem Beruf erzähle, gibt es in der Regel zwei Reaktionen.» Die einen grenzen sich durch den Satz «Also ich könnte das nicht» ab. «Das hat etwas von einer Schwere, einem Opfer, das ich nicht so empfinde.» Natürlich könne sich eine Schicht mal lang anfühlen oder man hätte an einem Wochenende gerne frei. «Aber ein freundliches ‹Guten Morgen› von Seiten der Patienten macht das schnell wett.» Die anderen dächten bei «Pflegefachfrau» nur an die reine Körperpflege. «Dabei sieht man von aussen nicht, was alles dahintersteckt. Wenn man sich das bewusst macht, wird echte Wertschätzung möglich. Weil man sich dann über alle Facetten des Alltags unterhalten kann.»

Mehr Informationen zum Jubiläumsprogramm am 6. September gibt es auf der Website www.hfgs.ch unter dem Stichwort Veranstaltungen..

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