Haus der Farben: Schauen, staunen, mitmachen – Kunstausstellung in Tennwil
Tennwil Im August luden Raphael Fahrni, Dario Martins und einige weitere Kunstschaffende zur Bella-Vista-Kunstausstellung nach Tennwil ein. Dort gab es neben vielen unterschiedlichen Bildwerken auch Musik und die Möglichkeit, sich selbst als Graffitikünstler auszuprobieren.
Schon ein wenig vom Haus entfernt steigt es der Besucherin oder dem Besucher in die Nase – der Duft nach Sprayfarbe. Ein Blick in den grossen Garten des alten Hauses bestätigt den Eindruck: An einer langen, hell grundierten Wand sind einige Leute eifrig dabei, verschiedene Graffitiwerke zu schaffen. Bunte Schriftzüge sind neben einer liebevollen Bekundung zu einem Fussballclub und künstlerischen Anfängen zu entdecken. «Gleich werde ich die Buchstaben mit Outlinern hervorheben», erzählt Manuel, während er nach der schwarzen Farbe sucht. An der Kunstausstellung sei er mit seinen Kollegen als musikalischer Act der Hip-Hop-Gruppe L.O.V.E.-Crew dabei. Das Sprayen sei nichts Neues für ihn: «Aber hier experimentiere ich mit der Schrift und bin sehr gespannt, wie es herauskommt.»
Inspirationen, um selbst zur Spraydose zu greifen, bietet die Ausstellung auf jeden Fall. Eine Besucherin bringt es auf den Punkt: «Es ist ein Haus der Farben.» Alle drei Kunstschaffenden, Raphael Fahrni, Dario Martins und VGK, der gern anonym bleibt, haben ihre Wurzeln im Graffiti. VGKs Werk nimmt auf dem Heuboden eine Wand fast komplett ein. Dreidimensional springt die Schrift fast heraus, ein spannender Kontrast zum rohen Putz.
Ein Wald aus Bildern
Daneben haben zwei grossformatige, mit surrealen Elementen spielende Bilder von Dario Martins, der auch als Atelier Miert bekannt ist, ihren Platz erhalten. Weitere seiner Ausstellungsstücke sind im Dachstock zugänglich. «Hier steht die Idee eines begehbaren Waldes dahinter», erzählt Martins während der Vernissage am Vorabend der Ausstellung. Vorbild für das Format seien die Werke der Künstlerin Vivian Suter. «Der Stil ist schon anders», merkt er an, «aber die Idee mit den überdimensionalen Bildern fand ich interessant.»
Da er gern auf Tüchern male, habe es sich angeboten, diese auf mehreren Leinen kreuz und quer im Dachstock zu arrangieren. Von einem Ventilator weht ein Luftzug durch den weiten Raum und bewegt die Werke, womit der Eindruck eines Waldspaziergangs unterstrichen wird. Dabei lässt sich mitunter der katalanische Maler und Meister des Surrealen, Joan Miró, in einigen Elementen entdecken. Lachend weist der Künstler auf einen Katzenpfotenabdruck: «Das Tuch lag zum Trocknen auf dem Boden, eine Katze ist darüber gelaufen.» Als Pendant habe er die Umrisse seiner Hand dazu gesetzt. «Interessanterweise erinnert mich die Form ein wenig an diese Handabdrücke, die in steinzeitlichen Höhlen entdeckt wurden.» Genaueres Hinschauen lohnt bei Martins Bildern, der ausserdem Collagen fertigt und mit weiteren Techniken wie Ölmalerei, Graffiti oder Skulpturen arbeitet.
Dritter im Bunde ist Raphael Fahrni, er wohnt in dem Haus mit dem weitläufigen Garten. Den Wunsch, das Areal für eine Kunstausstellung zu verwandeln, habe er bereits vor einem Jahr gehabt, berichtet er. Als Mystica Art sei er besonders vom New Yorker Graffiti-Style Writing sowie von der Hip-Hop-Kultur beeinflusst. «Daneben befasse ich mich mit Skulpturen, Upcycling und weiteren Kunstformen», beschreibt Fahrni sich selbst. «Dazu gebe ich Workshops und freue mich besonders, wenn ich dabei die Graffitikunst Kindern und Jugendlichen vermitteln kann.» Wichtig ist den drei Künstlern, noch zu betonen, dass die Kunstausstellung nicht dem Profit dienen soll. Dario Martins erklärt: «Ein Teil der Einnahmen ist für die Erdbebenopfer in Venezuela und das Frauenhaus Aargau-Solothurn gedacht.»
Neben seinen vielfältigen Graffitiwerken gibt es weitere Kunstprojekte sowohl im Haus als auch im Garten zu entdecken. Dort fällt besonders eine an einen alten Steinkreis erinnernde Formation aus Materialien wie Holz und kleinen Steinen auf. Als modernes Element dabei sind die Farben, mit denen sie angesprüht wurde, Grün, Weiss, Violett – ein wahrer Eyecatcher, der schnell zum Ort wird, an dem die Besuchenden Stühle aufstellen, um miteinander zu plaudern.







