Erwartet uns ein Gewittersommer?

Region Der Sommer hat bisher eine sehr grosse Wetteraktivität geliefert. Blitz, Donner, Hagel und Hochwasser sind innert kurzer Zeit in der Region Lenzburg aufgetreten. Gibt es in diesem Sommer überdurchschnittlich viele Gewitter?

Immer wieder Blitz, Donner und Starkregen: Gewitter über dem Seetal bei Hallwil am Abend des 18. Juni. Foto: Andreas Walker
Immer wieder Blitz, Donner und Starkregen: Gewitter über dem Seetal bei Hallwil am Abend des 18. Juni. Foto: Andreas Walker

Nach Angaben von MeteoNews fielen in der Region Lenzburg bereits bis am 25. Juni 227 Liter Regen pro Quadratmeter, was mehr als der doppelten Menge des langjährigen Mittels entspricht. Ein Starkregenereignis führte unter anderem dazu, dass der Bahnhof Aarau am Abend des 24. Juni unter Wasser gesetzt wurde.

Immer wieder zogen auch Gewitter mit Blitz, Donner und zeitweise Hagel über das Seetal. Wird dieser Sommer durch die bestehende Witterung geprägt werden?

Siebenschläferregel

Eine Bauernregel sagt: «Das Wetter am Siebenschläfertag noch sieben Wochen bleiben mag». Oder auch: «Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.»

Der Tag des «Siebenschläfers» ist der 27. Juni. Mit der gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 wurde der Sonnen- und Mondkalender neu angepasst, um die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche wieder auf den 21. März zu bringen. Deshalb bestimmte Papst Gregor XIII., dass im Jahre 1582 zehn Tage übersprungen werden sollten. Der ursprüngliche Siebenschläfertag ist also der 7. Juli.

Gute Trefferquote

Damit sagt die Siebenschläfer-Bauernregel Folgendes aus: So wie das Wetter Anfang Juli ist, wird es oft noch einige Wochen lang bleiben. Die Bauernregel trifft in etwa zwei von drei Fällen zu, vorausgesetzt, dass man sie nicht nur auf den Siebenschläfertag, sondern auf mehrere Tage bezieht und auch nicht gleich sieben, sondern nur etwa die folgenden vier Wochen betrachtet.

Es gibt auch eine meteorologische Erklärung dafür. Anfang Juli ist die Wetterlage so stabil, dass keine grossen Änderungen wahrscheinlich sind, egal ob jetzt ein Azorenhoch oder ein Islandtief vorherrschend ist. Liegt der Jetstream – ein Starkwindband in der Höhe – im Norden, so verlaufen die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete meistens in Richtung Nordeuropa und die Hochdruckgebiete dominieren das Wetter im südlichen Mitteleuropa. Liegt der Jetstream jedoch weiter südlich, so können die Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa – und damit auch über uns – hinwegziehen.

Die Unwetter, die bisher im Juni auftraten, wurden durch eine dominierende Südwestströmung verursacht, die auf der Vorderseite eines Tiefdruckgebietes warme und labile Gewitterluft zu uns transportierte. Damit kamen wir immer wieder in den Mischbereich von warmen und kalten Luftmassen, die starke Gewitter generierten. Behält die Siebenschläferregel auch dieses Jahr recht, dürften uns in diesem Sommer noch einige Gewitter erwarten.

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