Ein heisser Sommer und seine Folgen für den Hallwilersee
Seetal Der Hitzesommer 2026 hat Spuren am Hallwilersee hinterlassen: Der tiefe Wasserstand schränkt die Schifffahrt ein, während steigende Wassertemperaturen das Ökosystem belasten. Die Hoffnung liegt nun auf anhaltendem Regen.

Der Sommer 2026 war lang und heiss. Die Hitze und die Trockenheit sind an der Natur nicht spurlos vorbeigegangen. Prominentes Beispiel dafür ist der Hallwilersee. Sein Wasserpegel ist so tief, dass die Seniorenrundfahrt Mitte Oktober abgesagt werden musste. «Infolge Niedrigwasserstands können aus Sicherheitsgründen keine Personen mit Gehbehinderungen, Rollstühlen oder Rollatoren auf Kurs- und Rundfahrten mitgenommen werden. Der Einstiegswinkel ist zu gross, als es die Sicherheitslage zulässt.» Bei der Schifffahrtsgesellschaft versucht man, den aktuellen Problemen mit kreativen Lösungen entgegenzuhalten. «Wir probieren, den tiefen Einstieg mit Holztreppen abzufedern. Aber auch hier ist es ein Problem, dass die Gefahr besteht, sich den Kopf beim Einsteigen anzuschlagen», erklärt Ueli Haller, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft. Wichtig sei es, dass die Sicherheit der Gäste und Mitarbeitenden gewährleistet werden könne. Die derzeitige Situation bewertet Haller aber als kritisch.
Der derzeitige Wasserpegel ist nicht der tiefste, der jemals gemessen wurde. «1947 war der Pegel noch vier Zentimeter tiefer», sagt Haller. Derzeit hoffe man vor allem auf mehr Regen. Doch es brauche durchgehend mehrere Tage Niederschlag, damit sich der See einigermassen erholen könne, sagt der Geschäftsführer und Kapitän. An das Worst-Case-Szenario, also eine vorübergehende Schliessung der Schifffahrtsgesellschaft will Haller derweil nicht denken. Man bete lieber zum Wassergott, sagt er.
Oberflächentemperatur steigt um ein halbes Grad pro Jahrzehnt
Beim Kanton hat man derweil genaue Daten, wie es dem Hallwilersee derzeit geht. Seit September 2022 ist eine Boje mit Solarpanel im See installiert. Die darin befestigte Messkette liefert genaue Daten zur Seegesundheit in unterschiedlichen Tiefen. «Die Messkette ergänzt die Langzeitdaten, womit seit den 1980er-Jahren der Zustand des Hallwilersees beurteilt wird, und ermöglicht, die Temperaturen und die Durchmischung des Wassers detaillierter zu verfolgen», erklärt Giovanni Leardini, Leiter Kommunikation vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Zusammengenommen zeigen die Messungen einen Anstieg der Oberflächentemperatur um etwa 0,4 bis 0,5 Grad pro Jahrzehnt. Da Oberflächen- und Tiefenwasser im Sommer länger getrennt bleiben, verkürzt sich die winterliche Mischungsphase. Dadurch gelangt weniger sauerstoffreiches Wasser in die Tiefe, was die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers erschwert. Auch für die Tierwelt im See machen die hohen Temperaturen einen Unterschied, wenn auch kleiner als vermutet: «Aus Sicht der Fachexperten Fischerei werden die Auswirkungen des tiefen Wasserpegels im Hallwilersee auf die Fische als von untergeordneter Bedeutung eingeschätzt», so Leardini. Die kritische Phase für gewisse Fischarten wie zum Beispiel die Laichzeit der Krautlaicher sei bereits im Frühling gewesen. «Ganz anders präsentiert sich die Situation in den Bächen, die im Hitzesommer 2026 durch die Austrocknung stark gelitten haben», so Leardini.



