Das letzte seiner Art in Europa: das Arbeiterstrandbad Tennwil

Tennwil Das Arbeiterstrandbad Tennwil bietet im Sommer nicht nur hervorragende Möglichkeiten zum Abkühlen und Campieren, sondern auch kulturell ein abwechslungsreiches Programm. Heuer ist im Säli im Restaurant eine Fotoausstellung eingerichtet, welche Einblick in die spannende Historie bietet.

Jürg Lienhard in der Fotoausstellung.Foto: VSc

Jürg Lienhard in der Fotoausstellung.Foto: VSc

Die ersten Atemzüge des Arbeiterstrandbads in Tennwil.Foto: zvg

Die ersten Atemzüge des Arbeiterstrandbads in Tennwil.Foto: zvg

Ein schwarz-weisses Bild zeigt eine Wiese hinter einigen Bäumen sowie ein Gebäude mit grosser Terrasse. Gleich daneben ein weiteres Foto, welches einen Teil der Terrasse mit der Liegewiese davor abbildet. Sommeridylle aus dem Jahr 1936. Diese und noch einige mehr sind Teil der Fotoausstellung im Arbeiterstrandbad – in diesem Jahr feiert es sein 90-jähriges Bestehen. «Viele der älteren Bilder stammen aus dem Familienbesitz der Ehefrau von Stiftungs-Kassier Roberto Mazzocco», informiert Jürg Lienhard, Präsident der Stiftung Arbeiterstrandbad.

Weiter merkt er an: «Es ist mittlerweile das einzige in Europa, das noch besteht.» Jenes in Wien sei vor Jahren aufgehoben worden und stehe nun als öffentlicher Arbeiterstrand ohne Infrastruktur der Allgemeinheit zur Verfügung. Nach wie vor erfreut sich die Badi in Tennwil unglaublich grosser Beliebtheit. Für Sonnenhungrige und Badefreunde bietet das Strandbad eine Liegewiese mit Volleyfeld und Spielplatz. Im See punktet besonders bei jüngeren Besuchenden der Sprungturm. An einem schönen Wochenendtag könnte es zumindest schwierig werden, einen Parkplatz zu ergattern. Entspannter ist die Anfahrt mit dem Velo.

Gründung mit Weitsicht

An Badefreuden dachten die Menschen zur Zeit der Gründung des Arbeiterstrandbades nicht unbedingt. So erläutert Lienhard, dass der Aarauer Oberrichters Fritz Baumann die Initiative zur Einrichtung des Bades ergriff. Dieser ahnte richtig, wie stark die Anziehung der damals noch unbebauten Hänge am Hallwilersee für gut Betuchte sein könnte. «Selbst in der Arbeiterschaft hatten viele mitten in der Wirtschaftskrise andere Sorgen, als an Baden und andere Freizeitvergnügen zu denken», führt der Präsident aus. Auch die Bevölkerung in Tennwil habe dem Ansinnen skeptisch gegenüber gestanden. «Trotzdem wurde nach einer kurzen Bauzeit das ‹schönstgelegene Seebad› als Werk sozialistischer Solidarität am 7. Juli 1935 offiziell eingeweiht.» Mit dem Anliegen, allen Menschen den Zugang zum schönen Ufer des Hallwilersees sicherzustellen – ein Anliegen, auf das immer noch Wert gelegt werde.

Sorgenvoll waren die Jahre des Zweiten Weltkrieges. Ein Lichtblick danach das Sommerlager des Landesverbandes der Schweizerischen Kinderfreunde-Organisation (LASKO). Weitblick zeigte Fritz Baumann Jahre später erneut: 1965 wandelte er den Verein in eine Stiftung um. Lienhard zu den Zielen: «Diese Stiftung soll das Strandbad selbsttragend und öffentlich betreiben, den zeitgemässen Ausbau und Unterhalt sicherstellen.»

Die Jahre brachten Veränderungen mit sich, 1990 wurde das heutige Hauptgebäude eingeweiht. Sturm Lothar setzte 1999 dem Gruppenhaus ziemlich zu, ein Foto in der Ausstellung zeigt es deutlich – ein Ersatzbau folgte. Mit der Zeit musste der Campingplatz vergrössert werden, es gab Ausbauten am Hauptgebäude und es gab weitere Investitionen. «Die Corona-Pandemie 2020/21 stellte uns zwar vor viele organisatorische Schwierigkeiten, erlaubte uns aber als Aussenanlage einen weitgehend guten Betrieb», resümiert der Stiftungspräsident.

Das Vergnügen kommt im Arbeiterstrandbad nicht zu kurz, jedes Jahr organisiert die Kulturkommission der Stiftung ein vielfältiges Programm: Dazu zeigt die Ausstellung zahlreiche Bilder zu den Anlässen wie Modeschauen mit historischer Badekleidung, Lesungen, Feierlichkeiten und Yogastunden. Nicht zu vergessen die Besuche von Mitgliedern der SP-Bundeshausfraktion sowie diversen SP-Bundesrätinnen und Bundesräten. Das Fest der Solidarität zieht mitunter auch internationale Gäste an. Für diese Saison hofft Jürg Lienhard: «Es wäre schön, wenn in diesem Jahr das Wetter im Sommer besser ist als im letzten.»

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