Bundesfeier in Seengen: Bildung als wichtiger Schweizer Rohstoff
Seengen Die Gemeinde Seengen beging auf dem Eichberg die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am vergangenen Freitag. Als Festrednerin war Margret Baumann, Rektorin der Berufsfachschule Aarau, eingeladen worden.
Nach und nach trafen die Besuchenden der Bundesfeier am Ort der Feier ein. Das warme Sommerwetter lud dazu ein, Essen und Getränke vorwiegend draussen zu geniessen mit dem schönen Ausblick auf den Hallwilersee und das Seetal.
Gemeindeammann Susanne Rölli begrüsste die Anwesenden herzlich und freute sich über die vielen fröhlichen Gesichter. Dazu dankte sie der Musikgesellschaft Seengen und den Örgeli-Chnächte Honeri für den Start in einen gelungenen Abend. «Die Bundesfeier ist ein besonderer Anlass, an dem man den Alltag für ein paar Stunden hinter sich lassen kann», sagte Rölli. Es sei ein Anlass, um zusammenzusitzen und zusammen zu geniessen. Sie bekräftigte: «Denn genau das macht Seengen aus: Eine Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Gefühl, dort daheim zu sein.» Weiter dankte sie allen, die an der Feier mitgewirkt haben.
Dann stellte sie Festrednerin Margret Baumann vor, diese sei Rektorin der Berufsschule Aarau, Chemikerin und lebe mit ihrer Familie in Lenzburg. «Wer so eine grosse Schule führt, weiss, wie wichtig gegenseitiger Respekt, Offenheit und Zusammenhalt sind», bekundete Susanne Rölli. Werte, die nicht nur in der Schule, sondern auch in einer Gemeinde und eben einer Gesellschaft bedeutend seien.
Als Margret Baumann ans Rednerpult trat, bedankte sie sich: «Es ist mir eine grosse Ehre, heute hier zu sein und die Festrede zur Bundesfeier halten zu dürfen.» Gerne erinnerten sich die Schweizerinnen und Schweizer am Geburtstag der Eidgenossenschaft daran, dass das Land zwar klein, dafür aber umso vielfältiger sei. Dennoch wolle sie nicht die Schweizer Geschichte im Detail in Erinnerung rufen, so Baumann. Vielmehr wolle sie «ein paar Rosinen aus dem Bildungsbereich erzählen». Bildung sei in der Schweiz der wichtigste Rohstoff. Die Festrednerin blickte in ihrer Ansprache auf die Geschichte der Berufsschule Aarau zurück, die in diesem Jahr ihren 199. Geburtstag feiere.
Das duale Bildungssystem als Erfolgsmodell
Bereits in den 1960er-Jahren sei in Aarau über Reformen der Berufsbildung diskutiert worden. Margret Baumann zum Ergebnis: «Mit der Idee der Begabtenförderung wurden 1968 dann in Aarau probeweise die ersten beiden Klassen einer Berufsmittelschule mit total 38 Schülern und einer Schülerin ins Leben gerufen.» Das sei die Grundlage für das heutige Berufsbildungssystem mit Berufsattest EBA, Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis EFZ und Berufsmaturität BM.
Ein aktueller Blick auf die Schweiz zeige ein Land mit starken Wurzeln und grossen Herausforderungen. Die Rednerin führte aus: «Digitalisierung, Fachkräftemangel, gesellschaftlicher Wandel, Nachhaltigkeit, internationale Vernetzung und all das betrifft auch die Bildung.» Diese weiterzuentwickeln sei wichtig, um den jungen Menschen ein Rüstzeug für die schnelllebige Zeit mitgeben zu können. Immerhin werde das duale Bildungssystem im Aargau von knapp 80 Prozent der Jugendlichen gewählt, so Baumann. Neben Digitalisierung und künstlicher Intelligenz müssten ebenfalls Werte wie Respekt, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Kollegialität vermittelt werden.
Das System habe sich bewährt und sei zudem im Ausland gefragt. «Auch die USA wollen mittlerweile unser duales Bildungssystem kopieren», erläuterte die Rektorin und ergänzte humorvoll: «Dies ist gut nachvollziehbar, denn es scheint, dass der Fachkräftemangel in diesem Land sogar bereits in der Politik angekommen ist.» Das duale System sei wertvoll. «Es verbindet Tradition und Zukunft, Praxis und Theorie, Nähe zur Realität und den Blick nach vorne.»
Abschliessend merkte Margret Baumann an: «Und auch wenn wir heute kein Feuerwerk abfeuern dürfen, so kann ich Ihnen versichern, eine gute Schule ist wie ein gutes Feuerwerk.» Es käme auf Vorbereitung, gute Zutaten, Teamarbeit und einen Moment, in dem alles zusammenkomme, an – aber hoffentlich mit längerer Wirkung. «Ich wünsche Ihnen weiterhin eine schöne Bundesfeier mit guten Gesprächen und vielleicht auch einem Moment zum Innehalten und Zufriedensein. Merci.»







