«Ab 2040 hätten wir strukturelle Schwierigkeiten»
Leutwil Die Fusionspläne von Leutwil und Dürrenäsch haben eine wichtige Hürde genommen: Die letzte Leutwiler Gemeindeversammlung hat der Prüfung eines Zusammenschlusses ohne Gegenstimme zugestimmt. Gemeindeammann Lukas Spirgi sieht darin ein positives Signal. Die Pläne werden weiterverfolgt.
Herr Spirgi, an der letzten Gemeindeversammlung gab es zum Antrag für die Prüfung einer Fusion keine Diskussion und keine Gegenstimmen. Waren Sie überrascht?
Dass es keine Diskussion gab, hat mich überrascht. Zwar habe ich mit einer Annahme gerechnet, aber auch noch mit einigen Inputs zu Themen wie dem Dorfleben. Ich denke, es lag vor allem daran, dass wir die Bevölkerung bereits an einer Infoveranstaltung umfassend über das Projekt informiert haben. Die klare Annahme ist ein positives Zeichen für das kommende Projekt.
Wo steht Leutwil 2030, wenn die Fusion mit Dürrenäsch nicht zustande kommt?
Es würde Leutwil immer noch geben, es würde auch noch funktionieren. Finanziell würden wir auch noch so dastehen, dass wir alleine als Gemeinde bestehen könnten. Aber die finanzielle Situation und auch die personelle auf Stufen Verwaltung und Gemeinderat würden sich immer mehr verschärfen. Ich hätte keine Angst vor 2030, aber so ab 2040 hätten wir wahrscheinlich strukturelle Schwierigkeiten.
Also kann man sagen, für Leutwil gibt es keine langfristige Zukunft, wenn nicht eine andere Gemeinde hilft, die Last zu tragen?
Für Leutwil gibt es langfristig eine bessere Zukunft, wenn es eine zweite Gemeinde gibt, die hilft, die Last zu tragen, und wir gemeinsam eine nachhaltige Struktur schaffen können. Es ist kein Weltuntergang, wenn die Fusion nicht zustande kommt, aber wir stehen gemeinsam sicherlich besser da und sind effizienter.
Gab es in Leutwil nach der Gemeindeversammlung Zuschriften zur Fusionsabklärung?
Wir haben ein bis zwei Fragen im Vorfeld der ersten Informationsveranstaltung erhalten, die wir an der Infoveranstaltung beantworten konnten. Uns ist es wichtig, dass jeder und jede die Möglichkeit hat, sich zu melden. Ich nehme an, dass im Verlauf des Projekts noch mehr Inputs und Fragen kommen werden.
Gab es schon Freiwillige für die Kommissionen zur Ausarbeitung?
Ja, es haben sich einige wenige Personen gemeldet. Dabei handelt es sich meist auch um Menschen, die bereits Fachwissen mitbringen. Wir planen zudem auch noch eine Reflexionsgruppe. Dort geht es weniger um fachspezifische Themen. Auch für diese Gruppe gibt es bereits Interesse.
Leutwil und Dürrenäsch arbeiten schon seit Jahren zusammen. Aus dem gemeinsamen Schulverband wollte Leutwil aber bereits einmal austreten. Machen Sie sich dahingehend keine Sorgen für eine weitere Zusammenarbeit?
Fachliche Probleme wird es immer geben. Dafür werden wir konstruktive Lösungen finden. Die Schulverbandgründung und die Fusionsabklärungen möchte ich aber nicht vergleichen. Wir hatten in den letzten Jahren einen regelmässigen Austausch zwischen den verschiedenen Gemeinderäten. Wir kennen uns relativ gut und können auch gut zusammenarbeiten. Der Schulverband war ein Spezialfall. Das Thema Schule ist sehr emotional. Zudem fiel die Gründung in den gleichen Zeitraum wie die Abschaffung der Schulpflege, das hat die Sache komplizierter gemacht. Es hat auch dazu geführt, dass viele Personen involviert waren, etwa Schulpflegen und Gemeinderäte von zwei Gemeinden.
Gehen wir davon aus, dass die Gemeinden 2030 fusionieren. Wo könnte Leutwil am meisten vom Zusammenschluss mit Dürrenäsch profitieren?
Ich glaube, dass insbesondere in der Organisation der Verwaltung beide Gemeinden sehr profitieren können. Diese wird widerstandsfähiger. So kann beispielsweise der Ausfall von Personal besser abgedeckt werden. Auch auf Gemeinderatsebene sehe ich viel Potenzial. Leutwil hatte in den letzten Jahren immer wieder Mühe, Vakanzen im Gemeinderat zu besetzen, durch den Zusammenschluss würde die Besetzung für Ämter sicher einfacher werden. Auch die Auswahl für die Bevölkerung wird grösser.
In der ersten Kommunikation zu den Fusionsabklärungen haben Dürrenäsch und Leutwil auch andere Gemeinden eingeladen, sich an den Fusionsabklärungen zu beteiligen. Hat sich eine Gemeinde gemeldet?
Aktiv gemeldet hat sich niemand. Es gab inoffizielle Gespräche, aber keine aktiven Anfragen. Die Fusion von Leutwil und Dürrenäsch ist der nächste Schritt. Was in den nächsten 20 Jahren ist, wissen wir nicht.







